Mit VIDES in die Welt

Freiwilligendienst bei den Don Bosco Schwestern

Sich in einem von 100 Ländern für Kinder und Jugendliche einsetzen. Leben und arbeiten im Geist Don Boscos. Das können Jugendliche, die mit dem Dienst der Don Bosco Schwestern ins Ausland gehen. So wie Sara Straub und Alix Degenfeld.
  • Christine Wendel

veröffentlicht am 01.05.2018

Wenn sie Kaiserschmarrn mit ihnen gekocht hat, hätten das die jungen Philippiner „besonders klasse“ gefunden, berichtet die 19-jährige Sara Straub. Ein Jahr lang arbeitete die aufgeweckte junge Frau aus dem bayrischen Kauferingen auf dem südostasiatischen Inselstaat an einer Schule der Don Bosco Schwestern – im Rahmen des VIDES-Freiwilligendienstes. Sie gab Kochkurse, leitete eine Theatergruppe, unterrichtete Englisch, Italienisch und auch manchmal Deutsch. „Ich habe den Schülern ‚Ich liebe dich’ beigebracht“, erinnert sie sich und lächelt. „Da haben sie mich dann auch immer mit diesem Satz begrüßt.“

„Schon immer“ sei es in ihrem Kopf gewesen, dass sie nach ihrem Abitur nicht sofort studieren wollte. Sie wollte sich engagieren, am liebsten im Ausland, „um Perspektive zu gewinnen“. Eine Nachbarin hatte ihr von VIDES erzählt, dem Auslands-Freiwilligendienst der Don Bosco Schwestern. „Da dachte ich mir, ich schaue mir das mal an“, berichtet Sara. Nach einem Orientierungstag entschied sie sich, mit VIDES in die Welt zu gehen. „Ich hatte das Gefühl, dass das das Richtige für mich ist.“ Denn die Organisation böte „viel Freiheit, sich selbst in die Projekte einzubringen“, erklärt Sara. „Du lernst dich selbst kennen, und gleichzeitig ist es ein intensiver Kontakt mit der Kultur und der Mentalität vor Ort.“ Auch der Glaube war ein Aspekt für sie. „Ich bin Christin. Und diese Zeit auf den Philippinen hat mir sehr viel gegeben“, erklärt sie. Rund 80 Prozent der Philippiner sind katholisch. Der Glaube dort werde viel offener gelebt. Es werde oft und laut gesungen. „In Deutschland hatte ich oft das Gefühl, dass die Hälfte meiner Freunde es nicht versteht, wenn man gläubig ist. Dort ist es etwas Normales.“

Du bist reich, wenn du dankbar bist

Die Philippinen als Land waren Sara schon vor ihrem Einsatz vertraut. Über ihre Schule ging sie in der Oberstufe für drei Wochen im Rahmen eines Schüleraustausches nach Manila. Dort lernte sie in ihrer wohlhabenden Gastfamilie ein privilegiertes Leben in einem sehr armen Land kennen. „Ich fand das sehr komisch, weil ich ein Entwicklungsland erwartet hatte.“ Als es um die Frage ging, in welchem Land sie für ein Jahr leben und sich einbringen wollte, entschied sie sich, die Philippinen von einer anderen Seite kennenzulernen. „Ich wollte zurück, aber in eine arme Gegend.“ So kam sie auf die Insel Negros. Die Schule der Schwestern dort bietet den Kindern und Jugendlichen eine Perspektive. „Sure job, sure future“ ist einer ihrer Leitsätze. In Theorie und Praxis lernen sie etwa, zu kellnern oder in einem Hotel zu putzen. Jobs, die in Deutschland als Nebentätigkeit gelten, für die Menschen, die aus der Armut kommen, aber die Welt bedeuten können. Zudem erlernen die jungen Menschen an der Schule Sozialkompetenzen wie Pünktlichkeit oder Mitmenschlichkeit. „Man hat den Geist Don Boscos sehr gespürt“, sagt Sara. Und auch sie habe sehr viel gelernt. Die Art der Schüler, mit ihrem Leid und ihrer Armut umzugehen, und ihr Humor hätten die junge Frau sehr inspiriert. Ein Satz, den sie häufig von ihnen gehört habe: „Du bist nicht reich, weil du viel hast, sondern, weil du dankbar bist für das, was du hast.“

Sara ließ sich auf den Philippinen ein auf ein anderes Leben. Sie duschte mit Wasser aus einem Kübel, wusch ihre Kleidung mit der Hand. Auch ein eigenes Zimmer hatte sie nicht, nur ein Bett, das durch einen Schrank vom Rest des Raumes abgetrennt war. „Man gewöhnt sich sehr schnell daran.“ Die Zeit mit den Kindern und Jugendlichen habe Sara sehr bereichert. Das Unterrichten habe besonders Freude bereitet. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wusste sie auch genau, was sie wollte: Lehramt im Bereich Sonderpädagogik studieren.    

Nach dem Abitur in die Welt

Alix Degenfeld (18) hat zwar ihre Packliste noch nicht erstellt. Dass sie ihre Geige einpackt, das sei aber sicher. „Vielleicht gibt es einen Kinderchor, den ich begleiten und mitleiten kann“, überlegt sie, wie sie sich am besten in einem Projekt in Lateinamerika einbringen kann. Auch Nähunterricht kann sie sich sehr gut vorstellen, zu geben. In welches Land genau und welche Einrichtung von Don Bosco Schwestern sie gehen wird, das ist noch nicht entschieden. Fest steht auf jeden Fall, dass sie nach ihrem Abitur im Sommer mit VIDES einen Freiwilligendienst leistet. Ecuador kann sich Alix gut vorstellen. Eine gute Freundin war letztes Jahr dort in einer Einrichtung der Don Bosco Schwestern. Über sie ist Alix auch auf VIDES gestoßen.

Der Entschluss, nach dem Abitur in die Welt zu gehen, war bei ihr bereits länger da. Ihre Cousinen waren schon in Lateinamerika. Und Alix hatte „einfach das Gefühl, nach dem Abitur etwas anderes machen zu wollen“. Sie wollte ein Jahr lang hinaus, etwas Neues kennenlernen. Sich für andere einsetzen – am liebsten für und mit Kindern und Jugendlichen. Für VIDES entschied sie sich schließlich wegen des familiären Umfelds. Die Begleitung sei dadurch sehr gut, man könne Wünsche bei der Wahl des Einsatzlandes äußern und sich nach seinen Fähigkeiten in die Projekte einbringen. „Und die Atmosphäre ist einfach super.“ Beim Vorbereitungswochenende Ende Januar konnte sie schon andere Interessierte kennenlernen. Und mit ihnen reflektieren – über die Motivation und auch über Ängste.

Es könne sein, dass sie ein wenig Heimweh haben werde, auch wenn die selbstbewusste junge Frau es sich noch nicht richtig vorstellen kann. Bisher sei sie nur maximal sechs Wochen von zu Hause weg gewesen, bei einem Irlandaustausch. Allerdings habe sie bei einem Schüleraustausch auf den Philippinen auch schon ein Entwicklungsland erlebt – und weiß daher, was auf sie in etwa zukommen kann: von den sanitären Anlagen bis zum Wäschewaschen. „Aber ich werde das schon irgendwie hinkriegen“, ist sie überzeugt.

Nächstenliebe im Vordergrund

Ein bisschen sei sie schon aufgeregt, räumt die Abiturientin ein. Doch gebe es jetzt erst einmal den Klausurenstress. Und zunächst müsse sie sich für ihr Praktikum vorbereiten – eine der Bedingungen zur Teilnahme an VIDES. Zwei Wochen lang leben die Freiwilligen zur Vorbereitung in einer Schwesterngemeinschaft in Österreich oder Deutschland.

Auch der Glaube sei für die Bayerin ein wichtiger Aspekt. „Ich finde es gut, wenn bei einem Freiwilligeneinsatz die Nächstenliebe im Vordergrund steht.“ Alix ist Oberministrantin in ihrer Heimatpfarrei und auch engagiert in der Gemeinschaft Emmanuel. Sie freut sich darauf, das Religiöse in Lateinamerika kennenzulernen. Und darauf, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Ob sie nach dem Freiwilligendienst sich für einen sozialen Beruf entscheidet, das weiß sie noch nicht. Derzeit tendiert sie noch dazu, Medizin zu studieren. Egal, wie ihr Leben verläuft: Sie ist sich sicher, der Freiwilligeneinsatz wird eine „besondere Erfahrung“.

Weitere Informationen beim VIDES Freiwilligendienst


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