Spielen und lernen

Drei Patres und vier Papageien bei Don Bosco in der Schweiz

Nicht nur der Ausblick aus dem Jugendwerk Don Bosco in Beromünster überzeugt. Auch die Arbeit der Ordensmänner ist vielseitig und hält den Geist Don Boscos in der Schweiz lebendig.

veröffentlicht am 01.07.2019

Es ist sieben Uhr morgens. Noch ist es still im Haus. Kein einziges Geräusch dringt hoch in die Kapelle der Mitbrüder im dritten Stock. Nur der Regen, der an das Fenster prasselt, ist leise zu hören. Vorne auf dem Altar flackert eine Kerze und verströmt ein warmes Licht. Es ist die erste Zeit am Tag, zu der die drei Salesianerpatres zusammenkommen. Sie beten gemeinsam die Laudes und feiern anschließend Eucharistie. Es scheint, als ob jeder Schritt einer festen Choreografie folgt. Nach dem Morgenlob und einer Weile der Stille erheben sich Pater Bruno Oegerli und Pater Toni Rogger wie auf ein unsichtbares Kommando. Sie gehen links zur Wand und schieben einen Vorhang weg, hinter dem sich die Messgewänder befinden. Pater Josef Knupp schaltet währenddessen eine zusätzliche Lampe ein, die ein Kreuz mit Christusfigur beleuchtet. Bei der Eucharistiefeier sind alle um den Altar versammelt. Die Texte sind gleichmäßig untereinander aufgeteilt, keiner dominiert. Es ist ein wahrer Moment der Gemeinschaft.

Die drei sind ein eingeschworenes Team – das merkt man auch beim Frühstück. Der eine deckt den Tisch, der andere räumt ab und befüllt die Spülmaschine. Jeder weiß, wie er seinen Mitbruder zu nehmen hat. „Man kennt sich halt“, fasst Pater Bruno knapp zusammen. Kein Wunder – Pater Toni lebt seit 40 Jahren in Beromünster, Pater Bruno seit 38 und Pater Josef seit zehn Jahren. Viel geredet wird beim Frühstück nicht. Trotzdem ist es ihnen wichtig, diese erste Mahlzeit gemeinsam einzunehmen. Den Rest des Tages geht jeder seinen eigenen Aufgaben nach.

Pater Bruno muss als Erster aufbrechen. Er arbeitet als Priester in fünf Pfarreien der Umgebung mit – eine 80-Prozent-Stelle, die ihn stark fordert. Er ist vor allem in der Jugendarbeit tätig. Auch Pater Josef ist mit 60 Prozent in der Seelsorge der benachbarten Gemeinde Hitzkirch aktiv: „Mit 64 Jahren bin ich dort noch der jüngste Priester und springe überall ein, wo ich gebraucht werde.“ Während die beiden also viel außer Haus sind, hat Pater Toni einen kürzeren Arbeitsweg. Sein Büro liegt nur ein Stockwerk tiefer in den Räumen der Don Bosco Jugendhilfe Weltweit. 1997 übernahm er die Leitung des Hilfswerkes und seitdem engagiert sich der 70-Jährige für notleidende Kinder und Jugendliche weltweit.

Die Freizeit sinnvoll verbringen

Kurz vor zwölf Uhr wird es turbulenter im Haus. Zwei Räume im unteren Stockwerk werden von der gegenüberliegenden Kantonsschule für den Unterricht der ersten Klassen genutzt. Für die 12- bis 14-jährigen Schüler besteht die Möglichkeit, im Jugendwerk Don Bosco mittagzuessen. Hier sind auch Pater Josef und Pater Bruno gemeinsam im Einsatz. Nachdem sich alle Kinder an den Tischen verteilt haben, versucht Pater Josef, mit einer Glocke auf sich aufmerksam zu machen. Während des Tischgebets herrscht kurz Ruhe, nur vereinzelt kichern ein paar Mädchen. Doch sobald das Amen gesprochen ist, wächst der Lautstärkepegel. Das Klappern des Bestecks, die Rufe quer durch den Raum und die kratzenden Geräusche der hin- und hergeschobenen Stühle bilden eine ganz eigene Tischmusik. Die Mitarbeiter der Jugendhilfe Weltweit nehmen das gelassen. Auch sie essen hier mit.

Nach dem Mittagessen ist dann Pater Bruno gefragt. Bevor es am Nachmittag mit dem Schulunterricht weitergeht, bereitet er für die Kinder verschiedene Spiele vor. Manchmal veranstaltet er ein Quiz, heute können sich die Mädchen und Jungen im Körbewerfen und Seilspringen messen. „Wenn es den Jugendlichen langweilig wird, machen sie Unsinn. Bei uns sollen sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können“, erklärt er. Im Eingangsbereich sind dafür auch eine Tischtennisplatte und ein Kicker aufgebaut. Pater Bruno ist gerne mit den Schülern zusammen. Für ihn sei das typisch salesianisch: „Die Jugendlichen sollen spüren, dass sie beiuns willkommen sind – auch mit ihren Ecken und Kanten. Gelegentlich kannst du ihnen in einem Spiel auch ein gutes Wort mitgeben.“

Begegnung ermöglichen – das geschieht bei den Salesianern Don Boscos in Beromünster auf ganz unterschiedliche Weise. Hilfe bekommen sie dabei auch von den vier Papageien, die im Eingangsbereich in einem eigenen Raum, der einem kleinen Wintergarten ähnelt, untergebracht sind. Die Tür dazu steht immer offen, und so kann jeder Gast des Hauses die Papageien besuchen. Pater Bruno umsorgt und pflegt die Tiere liebevoll. Seine Mitbrüder waren erst dagegen, aber „was diese Papageien für ein Leben in die Bude bringen, zeigt, wie wertvoll sie für uns sind“, erzählt Pater Josef.

Die drei Mitbrüder werden sich also in den meisten Dingen einig – und so sind auch beim Abendessen die Rollen wieder klar verteilt. Pater Toni kocht leidenschaftlich gern, „und wir beide essen gern“, ergänzt Pater Josef lächelnd.    

Das Jugendwerk Don Bosco

Beromünster ist eine Gemeinde im Kanton Luzern mit etwa 6.000 Einwohnern. 1959 wurde hier das Konvikt Don Bosco gegründet und 1962 ein Studienheim eröffnet, in dem etwa 120 Schüler lebten. Dieses Internat musste allerdings 2012 geschlossen werden. Heute vermietet das Jugendwerk Don Bosco seine Räume für Erstkommunion- und Firmtage sowie für andere Veranstaltungen und ist Sitz der Don Bosco Jugendhilfe Weltweit.