Berufsschule und Kindergärten

Hoffnung für Flüchtlinge in Uganda

Im Flüchtlingslager Palabek im Norden Ugandas betreiben die Salesianer Don Boscos eine Berufsschule, Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramme sowie Kindergärten.
  • Katharina Kocherhans

veröffentlicht am 01.03.2020

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht. Fast 71 Millionen wurden durch Gewalt, Hunger oder Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben. Davon sind fast 30 Millionen Flüchtlinge, die wegen kriegerischer Auseinandersetzungen im Heimatland oder in Nachbarländern Zuflucht gefunden haben. Wie im Südsudan, aus dem täglich Tausende Menschen nach Uganda flüchten. Dort, in der Siedlung Palabek im Norden Ugandas, kümmern sich die Salesianer Don Boscos um Flüchtlinge.

In der Siedlung leben aktuell mehr als 40. 000 Menschen. Sie sind vor dem Bürgerkrieg und dem Hunger im Südsudan geflohen. 2018 war der Südsudan weltweit das dritthäufigste Herkunftsland für Flüchtlinge. In der Hoffnung, den Konflikt zu beenden, wurden in den letzten Monaten verschiedene Friedensabkommen unterzeichnet. Doch die Situation hat sich nicht wesentlich verbessert. Uganda hat eine offene und großzügige Politik gegenüber Flüchtlingen. Zurzeit werden rund 1,3 Millionen Vertriebene beherbergt. Sie erhalten ein Stück Land, und es wird das Möglichste getan, um Bildung und Gesundheit sicherzustellen. Der Staat ist jedoch überfordert und daher auf internationale Unterstützung angewiesen.

Knapp 90 Prozent der Menschen, die in Palabek ­Zuflucht gefunden haben, sind Minderjährige, Waisen und Frauen. Männer gibt es praktisch keine, da sie entweder kämpfen, getötet wurden oder vermisst werden. Nur drei Prozent der Flüchtlinge sind ältere Menschen, die meisten von ihnen sterben lieber zu Hause, als dass sie tage- und nächtelang Fußmärsche ohne Essen und Trinken auf sich nehmen. Hier zeichnet sich eine weitere Katastrophe ab – es wächst eine Generation ohne erwachsene Vorbilder heran, entwurzelt, ohne Bildung, ohne Beruf und damit ohne Zukunft.

Salesianer teilen Leben mit den Flüchtlingen im Camp

Um die unmittelbare Not zu lindern, gründeten die Salesianer Don Boscos 2017 eine Niederlassung in Palabek. Von den etwa 40 dort tätigen Organisationen sind sie die Einzigen, die rund um die Uhr das Leben im Camp mit den Vertriebenen teilen. Wegen der nicht vorhandenen Infrastruktur lebten die Salesianer anfangs in einfachen Hütten mit den Flüchtlingen. Erst nach und nach konnten sie bescheidene Unterkünfte bauen, sanitäre Anlagen errichten, Brunnen bohren, um Zugang zu sauberem Wasser zu erhalten, und kleine Gemeinschaftsräume bauen, um Strukturen zu schaffen, in denen sich die Vertriebenen auch mit der lokalen Bevölkerung und Dorfältesten treffen können.

Sie veranstalten regelmäßig Sport- und Kulturanlässe – die Don Bosco Fußballturniere locken Hunderte von Zuschauern an. Dieser Austausch, die gemeinsame Arbeit und das gegenseitige Kennenlernen fördern das friedliche Zusammenleben. „Die Flüchtlinge leiden am meisten darunter, dass sie nichts zu tun haben. Das ist hart für sie, denn viele waren in ihrer Heimat Hochschulprofessoren, Anwälte oder auch Ärzte. Die Zeit hier vergeht extrem langsam und die Gefahr, Alkoholiker zu werden oder wieder rekrutiert zu werden, ist groß“, sagt Pater Ubaldino Andrade SDB, der mit den Flüchtlingen in Palabek lebt.

Eine, die bei den Salesianern die Möglichkeit der Ausbildung nutzt, ist Gladys. Die junge Frau ist 23 Jahre alt, Mutter eines zweijährigen Jungen und eine der 40.000 Vertriebenen in Palabek. Sie verfügt über eine unglaubliche Kraft – weil sie für ihr Kind leben will. ­Gladys teilt einen Traum mit den anderen BewohnerInnen der Siedlung: Frieden. Aber bis dahin ist der Weg lang und schwierig. Sie floh aus dem Südsudan. „Eines Tages schossen Bewaffnete auf einen Bus, mit dem ich unterwegs war – er war voller Leute. Ich konnte mich zu Boden werfen und überlebte, aber viele Menschen starben damals“, erinnert sich Gladys schmerzhaft. Als Gladys in Juba lebte, studierte sie Mode und Design. Von ihrem letzten Geld hat sie sich eine Nähmaschine gekauft. „Ich muss für meinen Jungen sorgen und damit kann ich mir etwas Geld verdienen.“ Die junge Frau geht in die Don Bosco Berufsschule und möchte später Kfz-Mechanikerin werden. Sie liebt Motorräder, weil sie „Freiheit bedeuten. Du kannst überall hin, wo du möchtest.“    
   
   

Mehr Informationen über die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in Uganda bei Don Bosco Mission Bonn, Don Bosco Mission Austria und der Missionsprokur der Don Bosco Schwestern.

Don Bosco im Flüchtlingslager Palabek in Uganda

Aktuell betreiben die Salesianer in Palabek vier Kindergärten für 720 Mädchen und Jungen und die einzige Berufsschule im ganzen Flüchtlingslager. Dort bilden sie jährlich rund 750 Jugendliche in Landwirtschaft, Motormechanik, Schneiderei, Friseurhandwerk, Bauwesen und Solartechnik aus.