Familienzeit

Gärtnern mit Kindern

Beim gemeinsamen Umgang mit Pflanzen und Erde lernen nicht nur Kinder spielerisch Neues über die Natur und sich selbst. Wie Gärtnern der ganzen Familie Raum für Erfahrung und Entwicklung bietet und Menschen verbinden kann.

veröffentlicht am 27.03.2022

Ein Samen, ein Topf mit Erde, Wasser, Wärme und Licht: Diese wenigen Zutaten reichen aus für ein kleines Wunder. Wer schon einmal selbst beobachten durfte, wie aus diesen Elementen neues Leben entsteht, der hat sich vielleicht schon daran gewöhnt. Ganz neu entdecken können wir die Magie dieses Naturschauspiels, wenn wir gemeinsam mit Kindern gärtnern.

Schon die Kleinsten können tatkräftig mithelfen. Mit Herzblut sind sie beim Gießen dabei oder genießen es, den Geruch von Salbei, Basilikum und Minze, den Geschmack von Sauerampfer und frisch gepulten Zuckererbsen oder die bunte Blütenpracht von Tulpen, Hyazinthen und Narzissen zu erkunden. Ältere Kinder ab sechs Jahren können sich mit etwas Unterstützung von Eltern, Großeltern oder erfahreneren Geschwistern schon selbst um ein Pflänzchen kümmern. Vom Säen des Samens an können sie beobachten, wie dank ihrer Fürsorge etwas wächst und selbst wieder neue Früchte mit Samen hervorbringt. Dabei erleben sie den Kreislauf der Natur mit allen Sinnen. Spielerisch kommen Kinder wie Erwachsene so ganz nebenbei auch mit gesunden Lebensmitteln in Berührung und lernen Obst, Gemüse, Beeren und Kräuter kennen.

Rat suchen bei den Großeltern oder in der Nachbarschaft

Auch wenn das Wort etwas anderes vermuten lässt: Einen Garten braucht es zum Gärtnern mit Kindern nicht zwingend. Ein Topf auf dem Fensterbrett mit einer kleinwüchsigen Tomaten- oder einer Erdbeerpflanze reicht aus. Egal, ob drinnen oder draußen: „Gärtnern tut der ganzen Familie gut“, ist die Wiener Gartenpädagogin und -therapeutin Claudia Patricia Bernleitner überzeugt. „Es holt alle Familienmitglieder ins Hier und Jetzt.“ Nicht alle müssen immer mit demselben Engagement dabei sein. „Wer sich auspowern will, sticht im Garten um“, sagt Bernleitner. „Wer sich selbst weniger gern die Hände erdig macht, kann sich anders beteiligen, zum Beispiel, indem er oder sie das regelmäßige Gießen im Blick behält.“ Auch, indem sie die Früchte ihrer Arbeit verschenken und dadurch Neugierde oder Erinnerungen wecken, können kleine und große Gärtner andere an ihrem Projekt teilhaben lassen, regt die 38-Jährige an.

Hilfe finden Familien, die das Abenteuer wagen wollen, häufig im direkten Umfeld: Rat von erfahrenen Groß­eltern, Nachbarinnen und Freunden statt Ratgeber-­Bücher und Online-Tutorials empfiehlt die Expertin: „Jeder und jede von uns hat einen Riesenschatz an Wissen, der nur darauf wartet, geborgen zu werden“, ermutigt sie. Ob mit Unterstützung oder ohne: Bloß keine Angst sollen ­Eltern vor dem Umgang mit Saatgut, Setzlingen, Erde und Co. haben, betont Bernleitner. Wenn Eltern ihre Kinder bei der Gartenarbeit einbinden wollen, braucht es kein bis ins letzte Detail ausgefeiltes pädagogisches Konzept. „Einfach tun“, empfiehlt sie. „Wir lernen alle jeden Tag aufs Neue etwas dazu, auch aus Fehlern – nämlich, wie wir es beim nächsten Mal besser oder anders machen können.“

Wenn einmal etwas schiefgeht, tun sich Kinder oft schwerer als Erwachsene. „Frustrationstoleranz müssen sie erst lernen“, stellt Bernleitner klar. Bis zu einem gewissen Alter brauchen Kinder hierfür Erwachsene, die ihnen beim Regulieren der Emotionen helfen, bis sie Stück für Stück gelernt haben, mit einem Gefühl wie ­Ungeduld oder Frust konstruktiv umzugehen. Auch für Eltern ist es lehrreich, wenn etwas schiefgeht. „Im Idealfall wächst das, was ich möchte, aus dem Samen, den ich gesät habe“, sagt die Expertin für Gartentherapie. „Nur was ist, wenn nicht?“ Gerade in unserer sehr leistungsorientierten Gesellschaft sei es wichtig, sich mit dem Scheitern auseinanderzusetzen. Niemand wisse beim Säen, ob der Samen tatsächlich aufgehen wird. Vielleicht beschädigen Hagel oder Frost die Jungpflanzen, oder Vögel naschen unsere Beeren weg, bevor wir sie ernten. „Als Gärtnerin kann ich nur hoffen, vertrauen und gute Voraussetzungen schaffen“, weiß Bernleitner. Das Wissen um Zusammenhänge und Abhängigkeiten helfe jedoch, Risiken zu minimieren. „So macht Gärtnern von Jahr zu Jahr mehr Freude“, bekräftigt sie.

Den Kreislauf der Natur kennenlernen

Aber welche Pflanzen eignen sich? Wer klein anfangen will, kann gemeinsam mit den Kindern zu Hause auf etwas Watte in wenigen Tagen Kresse ziehen oder mit etwas mehr Geduld Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie oder Basilikum. Wenn Kräuter nicht ausreichen, die kindliche Ungeduld aber groß ist, empfehlen sich schnell wachsende Sorten wie Radieschen oder Pflücksalat. Denn das Warten fühlt sich für Kinder meist viel länger an als für ihre Eltern. „Natürlich hat ein Kind ein anderes Zeitgefühl“, weiß Bernleitner. Beim Naschen im Garten etwa lerne es ganz anschaulich, welche Konsequenzen Ungeduld hier haben kann. „Dass die Beeren noch nicht reif sind, lernt das Kind spätestens, wenn es eine saure Beere im Mund hat“, erklärt sie lachend.

Wenn Kinder Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernehmen, erfahren sie laut Claudia Patricia Bernleitner, dass auch Pflanzen je nach ihren Bedürfnissen Zuwendung brauchen, und entwickeln „ein Gefühl der Ehrfurcht vor allem, was wächst“. Menschen über das Gärtnern mit Natur in Verbindung zu bringen, ist für sie deshalb auch ein idealer Weg, um die Notwendigkeit von Umweltschutz für Kinder und Erwachsene greifbar zu machen.

Verbindung – ein Wort, das Bernleitner häufig nennt. Das Gärtnern ist für sie ein Medium, um sich verbunden zu fühlen und in Verbindung zu treten: der Mensch mit der Natur und sich selbst, Eltern mit ihren Kindern, Paare miteinander und die Familie mit Nachbarinnen und Nachbarn sowie den Großeltern. „Positive gemeinsame Erlebnisse schweißen zusammen“, ist die Erfahrung der Gartentherapeutin aus ihrer Arbeit mit Kindern und Familien. So kann aus einem kleinen Samen nicht nur eine neue Pflanze, sondern auch Gemeinschaft und ein generationenübergreifendes Gefühl von Verantwortung wachsen.

Radieschen im Topf ziehen

Radieschen sind sehr einfach zu ziehen und auch für das Fensterbrett geeignet – drinnen wie draußen. Draußen von Mitte Februar bis Mitte April und dann wieder ab Mitte August. Drinnen könnt ihr sie das ganze Jahr anbauen, weil sie nur etwa vier Stunden Licht pro Tag brauchen. Trotzdem sollte der Standort möglichst hell und luftig sein.

Ihr braucht:

  • Radieschen-Samen (am besten schnell wachsende Sorten)
  • einen Topf oder Balkonkasten mit mindestens 15 Zentimetern Tiefe
  • torffreie Aussaaterde

So geht’s:

  1. Füllt den Topf so mit Erde, dass ihr später noch eine Erdschicht drüberstreuen könnt.
  2. Zieht mit einem Pikierstab oder Essstäbchen eine Rille und platziert im Abstand von etwa drei Zentimetern je einen Samen. Leichter tut ihr euch mit Samenbändern.
  3. Bedeckt die Samen abschließend mit einer Erdschicht von einem Zentimeter.
  4. Gießt die Radieschen vorsichtig etwa dreimal pro Woche und haltet sie gleichmäßig feucht. Die Samen keimen bereits nach wenigen Tagen.
  5. Je nach Jahreszeit und Sorte könnt ihr die Radieschen nach etwa fünf bis sechs Wochen ernten. Wichtig: Erntet die Radieschen rechtzeitig, wenn sie noch etwas kleiner sind als ein Tischtennisball und bevor sie pelzig und innen hohl werden.

Schon gewusst? Radieschenlaub ist auch essbar, zum Beispiel als Pesto. Also nicht wegschmeißen!


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