Neues Land, neue Erfahrungen

Mehr als nur Sprache lernen: Wie ein Schüleraustausch die Persönlichkeitsentwicklung und die Glaubensbildung junger Menschen fördert

Im internationalen Austausch haben Jugendliche die Gelegenheit, für begrenzte Zeit in einer anderen Kultur zu leben, dort zur Schule zu gehen und neue Sichtweisen auf den eigenen Alltag zu gewinnen.

veröffentlicht am 27.01.2026

Studien zeigen, dass solche Erfahrungen weit über den Spracherwerb hinausgehen und mehrere Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung betreffen.

Pädagogische Ziele von Austauschprogrammen

Die internationalen Schüleraustauschprogramme verfolgen pädagogische Ziele, die sich an Kompetenzmodellen orientieren, etwa an solchen, die interkulturelle Sensibilität, Empathie und Reflexionsfähigkeit benennen. Ein häufig verwendeter Orientierungsrahmen ist das Entwicklungsmodell interkultureller Sensibilität, das beschreibt, wie junge Menschen aus einer eher ethnozentrischen Sichtweise in eine stärker relativierende und verstehende Haltung gelangen.

Evaluationen benennen vier Wirkungsebenen: 
●    Bildung
●    Mobilität
●    gesellschaftlicher Zusammenhalt
●    Frieden

Schüler/-innen erweitern damit nicht nur ihr sprachliches Repertoire, sondern erwerben auch Selbstständigkeit, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft im Alltag.

Persönlichkeitsentwicklung im Gastland

Bei einem Schüleraustausch können bereits Aufenthalte von wenigen Wochen messbare Effekte auf Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit und soziale Kompetenzen haben können. Jugendliche geben in Berichten an, dass sie in neuen Situationen selbstständig Entscheidungen treffen, Alltagsprobleme in der Gastfamilie lösen und sich in fremden Schulen zurechtfinden müssen.

Erfasst wird diese Entwicklung unter anderem durch Längsschnittbefragungen, bei denen die Teilnehmenden vor, während und nach dem Aufenthalt zu Einstellungen, Ängsten und Kompetenzen befragt werden. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg des Selbstwertgefühls und der Offenheit für Neues auch noch ein Jahr nach der Rückkehr nachweisbar ist. Oft wird durch den Austausch der Anstoß gegeben zu weiteren Aufenthalten im Ausland, etwa durch Freiwilligendienste oder Studienaufenthalte.

Interkulturelles Lernen und Glaubensfragen

Interkulturelles Lernen wird als Prozess beschrieben, in dem junge Menschen ihre eigenen Wertebilder mit anderen kulturellen und religiösen Traditionen in Beziehung bringen. In den alltäglichen Begegnungen des Austausches geschieht dies beispielsweise in den Bedingungen von Festen, Gebets- oder Gedenkformen oder auch in Gesprächen über gesellschaftliche Themen wie Gerechtigkeit und Solidarität.

Die Pädagogik Don Boscos versteht Erziehung als Verbindung von Vernunft, Religion und liebevoller Begleitung, mit dem Ziel, jungen Menschen auf ihrem Weg zu persönlicher, sozialer und religiöser Identität zu helfen. In diesem Verständnis können Austauschprogramme als Lernräume gesehen werden, in denen Glaube und Lebenspraxis auf neue Weise erfahrbar werden, etwa wenn Jugendliche erleben, wie christliche Gemeinden oder andere Religionsgemeinschaften im Gastland ihren Alltag gestalten.

Begegnungen mit unterschiedlichen Formen gelebten Glaubens regen dazu an, die eigene religiöse Sozialisation zu reflektieren und zu fragen, welche Elemente des Glaubens in der eigenen Biographie tragfähig sind. Dies kann zu bewussterer persönlicher Positionierung führen, etwa in vertiefter religiöser Praxis, kritischer Distanz oder neu gefundenen Ausdrucksformen von Spiritualität.

Rolle von Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung

Die Wirkung eines Austauschprogramms steht und fällt mit der pädagogischen Begleitung. Qualitativ ausgerichtete Programme sehen deshalb vorbereitende Seminare vor, in denen unter anderem die Themen Kulturunterschiede, Kommunikationsstile, Konfliktbewältigung und Erwartungen an die Gastfamilie besprochen werden.

Erfahrungsanlass zum Einordnen und Verarbeiten bietet sich während des Aufenthaltes in regelmäßigen Reflexionsgelegenheiten, etwa in Form von Tagebucharbeit, Online-Coachings oder Treffen mit Mentorinnen und Mentoren. Nach der Rückkehr ist es sinnvoll, Auswertungstreffen durchzuführen, um das Gelernte zu benennen und mit dem eigenen schulischen, beruflichen oder ehrenamtlichen Engagement in Beziehung zu bringen.