Rollenspiel

Warum Kinder Steckenpferde lieben: Spielen, lernen, wachsen

Manchmal braucht es nur ein kleines Spielgerät, um eine ganze Fantasiewelt aufblühen zu lassen. Zu diesen kleinen Gegenständen zählt das Steckenpferd.

veröffentlicht am 27.01.2026

Das Kind nimmt das Steckenpferd in die Hand und schon entstehen wie von selbst Rollen und Regeln, Geschichten und Bewegungen. Für pädagogische Fachkräfte und Eltern ist das spannend, weil mit so einem einfachen Spielzeug gleichzeitig viele Entwicklungsfelder angesprochen werden, ohne dass es nach „Förderung“ aussieht.

Fantasie und Bewegung

Ein Steckenpferd verbindet Rollenspiel mit Körpererfahrung. Die Kinder reiten, springen, galoppieren, bremsen, wenden, weichen aus. Sie üben dabei ihre Koordination ebenso wie das Abschätzen von Geschwindigkeit und Abstand. Der Körper erhält Rückmeldungen über Raum und Tempo, was gerade in der Gruppe wichtig ist.

Gleichzeitig entsteht eine Geschichte. Heute ist das Kind Pferdepflegerin, morgen Turnierreiter, am übermorgen ein Pony, das ausbüxt und wieder eingefangen werden muss. Im Rollenspiel üben Kinder Perspektivwechsel und sie finden Sprache für Gefühle und Situationen. Das geschieht fast nebenbei und wirkt viel stärker als ein vorgeplantes „Lernangebot“.

Soziales Lernen in der Gruppe: Regeln, Fairness, Absprachen

Steckenpferdspiele werden in der Regel nicht im Alleingang gespielt. Sobald mehrere Kinder beteiligt sind, tauchen automatisch Fragen auf: Wer beginnt? Wie viel Abstand ist angemessen? Was ist das Ziel des Spiels? Ist Überholen erlaubt? Wer entscheidet im Falle eines Streits? Hier zeigt sich der pädagogische Nutzen.

Mit einfacher Regelung, einem Startsignal, einer festgelegten Richtung, einer Sicherheitszone und einem Stoppwort kann ich die Kinder spielerisch zur Selbststeuerung anregen. Sie erfahren, dass Regeln nicht dazu da sind, den Spaß einzuschränken, sondern um das Spiel zu ermöglichen. Dabei lernen sie Fairness und den Umgang mit Konflikten.

Spielideen, die Lernen sichtbar machen

Kleine Spielimpulse helfen, damit die Aktivität nicht in wilde Ausschweifungen kippt, sondern Bewegung und Fantasie (unter anderem) lenkt. Ein einfach gehäufter Parcours könnte aus Hütchen, Seilen, Turnmatten oder ähnlichem bestehen. Langsam gehen, dann schneller, an einer Station „Futter holen“, an einer anderen Station „Wasser trinken“. Wechsel von Tempo und Richtung schult Motorik und Aufmerksamkeit.

Teamaufgaben passen gut dazu. Zwei Kinder reiten nebeneinander und müssen zusammen ankommen.

Sprachimpulse können leicht integriert werden. Nach dem Spiel erzählen die Kinder kurz, was ihr Pferd erlebt hat. Ein Satz genügt, aber er macht das Spiel reflektierter. Wer mag, kann Bilderkarten benutzen: Wetter, Hindernis, Emotion. Daraus entsteht eine kleine Geschichte, die die Kinder dann gemeinsam ausbauen.

Worauf in Alltagssituationen zu achten ist

Im Alltagsspiel kommt es nicht so sehr auf die genaue Ausstattung an, sondern auf einen sicheren Rahmen. Der Untergrund muss rutschfest sein und drinnen ganz besonders. Draußen ist es nützlich, wenn darauf geachtet wird, wo Stolpersteine, Ausbuchtungen, drückende Kanten sind. Wo mit Gruppen gearbeitet wird, ist es sehr gut, eine Fläche auszumarken, in deren Grenzen die Kinder sich bewegen können, damit sie nicht in Türen oder zwischen Möbeln galoppieren. Wichtig ist auch die genaue Passform, denn die Stocklänge muss zur Körpergröße passen, damit das Kind nicht verkrampft hält oder dauernd am Boden hängt. In der Gruppe tun möglichst gleichartige oder wenigstens ähnliche Modelle Not, damit der Streit um „das beste Pferd“ nicht so viel Raum gewinnt. Wird das Spiel heftiger, helfen kurze Pausen.