Wichtiger Begleiter

Der Held meiner Kinderkirche

Als Ministrantin erlebte Stefanie Kortmann an der Seite von Pastor Möning unzählige Taufen und Beerdigungen. Auch wenn die Kirche zwischenzeitlich keine Rolle für sie spielte, blickt sie heute mit großer Dankbarkeit auf das Wirken ihres Pfarrers zurück.

veröffentlicht am 01.02.2021

Die Kirche meiner Kindheit war geprägt von einem Pfarrer, der mir die Taufe schenkte und mich als Kommunionkind und schließlich viele Jahre als Messdienerin begleiten sollte, Pastor Mönig.

Pastor Mönig war ein sogenannte Spätberufener, eigentlich war er mal Bauingenieur gewesen, aber das war für uns Kinder nicht wichtig. Wir Blagen – so nennt den Nachwuchs in Westfalen – waren eher beeindruckt von seiner Statur. In unseren Augen war er der dickste Mann der Welt, der da sonntags uns und die Gemeinde durch den Gottesdienst dirigierte.

So groß sein Bauch, so groß sein Herz

So groß sein Bauch, so groß sein Herz. Wir Kinder fühlten uns wohl bei ihm. Er gab uns jederzeit zu verstehen, dass unser Dienst am Altar wertvoll ist und er ohne uns im wahrsten Sinn des Wortes alleine dagestanden hätte. Er nahm seinen Job ernst, und wir taten es ihm nach. Vor Ostern und vor dem Weißen Sonntag gab es Extra-Übungsstunden, damit wir alle wussten, welche Wege einzuschlagen waren. Zu diesen Anlässen waren mehr als 30 Messdienerinnen und Messdiener im Einsatz. Wer keine Aufgabe am Altartisch erhielt, bekam ein Flambeaux in die Hand gedrückt und ließ unsere ohnehin schon schmucke Kirche in einem besonderen Licht erstrahlen. Auf dem Messdienerplan stand an diesen Tagen schlicht: Einsatz für alle – und alle kamen.

An jedem Freitag trafen wir uns zur Messdienerstunde. Dann wurde der Wochenplan aufgestellt und anschließend Tischtennis, Billard und Karten gespielt. Pastor Mönig war mittendrin. Er lachte viel, fragte viel, war ein Teil unseres Lebens. Das Wort Christi brauchte er nicht predigen, wir erlebten es in der Gemeinschaft. Einmal im Jahr ließ er die Kollekte für uns sammeln. Ein Bus wurde gemietet und ein Freizeitpark angesteuert, wir freuten uns wahnsinnig darauf.

Schon damals akzeptierte er Mädchen am Altar

Pastor Mönig hatte schon 1984 Mädchen als Messdienerinnen voll akzeptiert. Er war deswegen kein Revolutionär, aber er ließ sich von dieser Entscheidung auch nicht abbringen. Dem gebürtigen Sauerländer konnte man ohnehin eine gewisse Unbeugsamkeit nicht absprechen. Manche redeten bisweilen auch von Sturheit. Ich war ein wenig stolz darauf, dass unsere Gemeinde so modern war. So oder so war es eine kluge Entscheidung, denn wir Mädchen stellten fast immer die Mehrheit am Altar.

Ich habe an seiner Seite unzählige Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen erlebt. Es ging lange gut mit uns. So lange bis die Pubertät vieles ins Wanken brachte und ich die Rolle der Frau in der Kirche nicht mehr nur in den Funktionen der pflichterfüllenden Messdienerinnen, der allumsorgenden Küsterin und den bienenfleißigen kfd-Mitgliederinnen akzeptieren konnte.

Wilhelm Mönig wurde an meinem 18. Geburtstag beerdigt. Als sein Leben endete, war ich auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt. Die Kirche sollte dabei lange keine Rolle mehr spielen. Heute, mit dem Abstand vieler Jahre, weiß ich seine Arbeit zu würdigen. Einen Menschenfänger wie ihn, geerdet, aufgeschlossen, gläubig und mit Spaß am Leben hat unserer Gemeinde, und habe ich, nie wieder erlebt.


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