Me-Time für Mama

Eskapismus: Ich will hier raus!

Im Alltag mit Vollzeitarbeit und Kind ist unserer Autorin manchmal alles zu viel. Dann träumt sie sich in Gedanken woanders hin. Und wie schön wäre eine längere Flucht! Immerhin: Einen Knopf für echte, kleine Auszeiten hat sie für sich gefunden.

veröffentlicht am 07.04.2026

Seitdem ich „working mum“ bin, hat sich in mir eine neue Sehnsucht entwickelt: der Wunsch nach einem roten Button. Diesen Knopf möchte ich drücken, wann immer es mir zu viel wird. Zu viele Termine, zu viel Verantwortung bei gleichzeitig zu wenig Zeit und Energie. So was kommt vor – wer kennt es nicht?

In meinen Gedanken löst der rote Button einen Schleudersitz unter mir aus. Blitzartig verlasse ich die Situation und tauche ein in eine flauschige, leichte Welt voller Sorglosigkeit. Ich fliege, alles ist leicht. Die Umgebung ist diffus, aber das Gefühl ist super. 

Allein die Vorstellung lässt mich tiefer atmen, während ich im Stau stehe oder in der Kundenhotline festhänge. Meine Schultern werden lockerer, ich lächle. Eigentlich grundlos – aber nicht ohne Wirkung. Für einen kurzen Moment kehrt Ruhe ein. Bis ich die Augen wieder öffne. Ende der Vorstellung. 

Wie schön wäre eine längere Flucht aus dem Alltag? 

Wie schön wäre es, wenn diese Flucht länger dauern würde? Ein paar Stunden. Ein paar Tage. Vielleicht Wochen. Raus aus dem Alltag, weg von den gewohnten Pfaden. Es muss keine Weltreise sein – aber etwas, das mich woanders hinführt. Mit leichtem Gepäck. Ein Sabbatical vielleicht? Irgendwann. Wenn die Zeit reif ist. 

In der Zwischenzeit muss ich meine Ausstiegsambitionen anderweitig ausleben. Kurze Abenteuer statt wochenlanger Trips. Was könnte die Lösung sein?

Ich habe es – natürlich – auch mit Yoga probiert. Mehr als einmal. Aber während andere darin aufgehen, warte ich nur auf das Ende der Stunde. Es ist einfach nicht meins. Nicht jeder Mensch ist ein Yogi, auch wenn ich wirklich bewundere, wie ästhetisch man so einen Körper verbiegen kann, wenn man es denn kann. Ich bin da leider raus. 

Laufen ist meine Me-Time: mein Tempo, meine Zeit

Ich bleibe beim Laufen. Alles, was ich brauche, sind ein wenig Zeit und Schuhe. Laufen ist meine Me-Time. Mein Tempo, meine Zeit. Die Strecke ist bewusst oft die gleiche: Der Körper läuft, die Gedanken wandern. Kein Marathon, nur eine knappe Stunde unterwegs. Keine Fitnessuhr, nur ich und das gute Gefühl, dass sich die Welt danach etwas besser anfühlen wird. 

Gleiches funktioniert auch beim Schwimmen, beim Inlinen oder Wandern. Alles das geht allein oder in Begleitung, wobei ich sagen muss: Echte Me-Time – für Eltern ein rares Gut – funktioniert für mich am besten ohne Ablenkung. 

Vielleicht geht es also gar nicht um die große Flucht, sondern um den Exit im Kleinen? Zwischen zwei Terminen. Auf der Laufstrecke. Im Wasser. Oder einfach für einen kurzen Moment mit geschlossenen Augen im Stau. 

Der rote Knopf hilft, wieder bei mir anzukommen 

So gesehen ist mein roter Button keiner, der mich verschwinden lässt, sondern einer, der mich zurückbringt, um wieder bei mir anzukommen. Nicht perfekt, aber absolut alltagstauglich. Und manchmal ist genau das auch genug.


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