Gute Freunde

Benno Bär und der Schlüssel

Nach einer langen Wanderung freut sich Benno Bär auf sein gemütliches Zuhause. Doch was ist das? Der Schlüssel ist weg! Gut, dass Benno Freunde hat, die ihm helfen.

veröffentlicht am 20.10.2020

So stark hatte es schon lange nicht mehr geschneit. Benno Bär beeilte sich, nach Hause zu kommen. Mit jedem Schritt sackte er tief in die knirschende Schneedecke ein. „Mmmm, jetzt einen großen Becher heiße Milch mit Honig am knisternden Ofen“, dachte er, als er endlich vor der Tür seiner Hütte stand. Rasch griff er in seine Tasche, um den Schlüssel hervorzuholen. Er stutzte. In der Tasche fand er eine Menge Krimskrams – nur keinen Schlüssel. Prüfend tastete er jede Ecke ab. Nichts! Benno Bär fing an zu zittern. Er spürte die Kälte – und die Angst. Hatte er den Schlüssel etwa verloren? Aber wo? Und wie sollte er ihn bei diesem Schnee jemals wiederfinden?

„Nanu“, hörte er da plötzlich ein feines Stimmchen neben sich. „Was stehst du denn hier bei Wind und Frost vor der Hütte?“ Martha Maus war verwundert stehengeblieben und schaute ihn mit großen Augen an. „Ach, Martha“, Benno Bär seufzte. Er beugte sich zu seiner Freundin hinunter und nahm sie behutsam zwischen seine warmen Tatzen. „Ich muss wohl meinen Schlüssel verloren haben. Jetzt weiß ich nicht, wie ich da hineinkommen soll.“ Martha Maus kratzte sich nachdenklich hinterm rechten Ohr. „Ich würde dich ja gern in meine Mäusewohnung einladen, aber ich fürchte, du bleibst schon im Eingang stecken. Wenn ich jedoch …“

Sie schien plötzlich eine Idee zu haben, hüpfte zurück in den Schnee und rannte auf die verschlossene Tür zu. Energisch setzte sie ihre kräftigen Schneidezähne an das knorrige Holz. Nach einer Weile hielt sie erschöpft inne. „Ich dachte, ich schaff das.“ Ihre Stimme klang enttäuscht. „Ich dachte, ich könnte das Holz durchnagen und so vielleicht auch das Schloss öffnen.“ Benno Bär streichelte ihr tröstend den zitternden Rücken. „Sei nicht traurig. Irgendwas wird uns schon einfallen.“ Martha Maus nickte müde. „Ich bleibe erst mal hier.“ Und da hatte sie sich auch schon in sein Fell gekuschelt und schlief ein.

Ein dumpfes Krachen ließ sie plötzlich hochschrecken. Im ersten Moment wusste Martha Maus gar nicht, wo sie war. Dann aber erinnerte sie sich wieder … und sie sah Hubert Hirsch, der mit seinem Geweih energisch auf die Tür einschlug. „Keine Angst, kleine Maus,“ flüsterte Benno Bär ihr zu. „Wir haben Besuch. Und Hubert Hirsch ist wirklich hilfsbereit.“ Aber Hubert Hirsch war nicht zufrieden. Die Tür ging einfach nicht auf. „Nichts zu machen“, schnaufte er. „Abwarten, abwarten“, brummte Benno Bär. „Jetzt ruhst du dich erst einmal ein bisschen aus und dann sehen wir weiter.“

„Ich sehe was!“, rief Martha Maus. Sie hatte es sich gerade zwischen den Bärenohren gemütlich gemacht und war die Erste, die Kalle Kaninchen entdeckte. „Was’n hier los?“, wollte Kalle Kaninchen sofort wissen und sagte: „Wenn etwas verlorengegangen ist, muss man es suchen, und zwar hopp-hopp.“ Kalle Kaninchen ließ sich von Benno den Weg beschreiben, den er genommen hatte. Dann rannte er los. Es verging fast eine Stunde, bis er atemlos zurückkam. „Überall bin ich gewesen, aber nirgends auch nur die Spur eines Schlüssels.“ Eisige Klumpen Schnee hatten sich in seinem Fell verfangen. Zärtlich drückte Benno Bär das Kaninchen gegen seinen dicken, warmen Bauch, dass der Schnee in großen Tropfen von ihm abfiel.

Da hockten sie nun beieinander: vier Freunde vor einer immer noch verschlossenen Tür. „Ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll“, meinte Benno Bär, „jeder von euch hat sich so viel Mühe gegeben, um mir zu helfen. Jetzt lasst es gut sein. Morgen ist auch noch ein Tag.“ Bald lagen sie alle ganz eng zusammengekuschelt im Schnee und schliefen ein.

Am nächsten Morgen erwachte Benno Bär: „Ich habe einen nassen Popo“, war seine erste Nachricht des Tages. Kalle Kaninchen rieb sich die Augen: „Kein Wunder, der ganze Boden unter uns ist eine einzige Wasserpfütze. Vier Tiere machen eben ganz schön viel Wärme.“ Da rutschte Martha Maus am Bauch des Bären hinunter, geradewegs in den See hinein, der sich um die Freunde herum gebildet hatte: „Aua“, rief sie, „was war denn das?“ Sie rieb sich den schmerzenden Rücken. Da fischte Kalle Kaninchen plötzlich den Schlüssel aus der Pfütze und sagte: „Wir haben also die ganze Nacht auf dem Schlüssel gelegen?“ „Sieht fast so aus“, meinte Benno Bär. „Genug gegrübelt“, rief Kalle Kaninchen in die Runde. „Ich habe den Schlüssel und wir alle haben jetzt einen warmen Ofen und etwas Gutes zu essen verdient!“ „… und eine heiße Milch mit Honig“, jauchzte Benno Bär.