Medientipps

Aktuelle Filme und Hörbücher für Eltern, empfohlen von Müttern und Vätern oder von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Podcast

Tierrätsel für die ganze Familie

Knapp drei Minuten voll mit spielerisch und liebevoll verpacktem Tierwissen. Das finden Kinder ab etwa drei Jahren im Quiz-Podcast „Weißt du’s schon?“. Atmosphärisch untermalt mit passenden Klängen beschreibt darin der Sprecher unter anderem, wie das gesuchte Tier aussieht, wo es lebt und wie es sich verhält. „Das Tier, das wir suchen, erinnert auf den ersten Blick an eine Mischung aus Bär und Hund“, beginnt etwa die Folge „Schreibeißer“. Und unsere ganze Familie sitzt gebannt vor dem Lautsprecher und rätselt mit. Denn Spaß haben dabei nicht nur die Kleinen, sondern auch Grundschulkinder und Erwachsene.

Beim Zuhören formt sich in unseren rauchenden Köpfen ein mehr oder weniger konkretes Bild. Nicht selten denken wir die erste Minute über, wir wüssten ganz sicher, welches Tier gesucht ist. Nur um dann am Ende zu sehen, dass wir uns zu sehr auf einige wenige Hinweise versteift haben. Das fällt den Kindern, meiner Frau und mir aber meist kurz vor Schluss auf, wenn die Hinweise sehr konkret werden.
 
Die gesuchten Tiere reichen von Arten, die die meisten Kinder aus der Natur, dem Zoo oder dem Fernsehen kennt, wie Marienkäfer oder Löwe, bis hin zu eher seltenen Tieren wie dem Tasmanischen Teufel. Wenn unsere Kinder das Tier nicht kennen, ist das aber gar nicht schlimm. Denn dann lautet die erste Frage: „Papa, wie sieht ein Tasmanischer Teufel aus?“ Kaum haben wir ein Bild im Internet gefunden und angeschaut, hören wir schon die nächste Folge.

Die Episoden sind zwar sehr kurz. Aber weil schon mehr als 60 Tiere gesucht wurden, gibt es zumindest für den Anfang mehrere Stunden Hörspaß. Und jede Woche kommt eine neue Folge dazu. Den Podcast des Labels Viertausendhertz, der dieses Jahr für den Grimme Online Award nominiert ist, gibt es kostenlos über die gängigen Podcast-Apps.

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

„Weißt du’s schon?“ (Viertausendhertz, kostenlos)


TV-Serie

Ausflug in die wilde Natur

Auf Felsen klettern, kleine Tiere in der Becherlupe fangen oder im Wald durchs Unterholz streifen: Meine Kinder lieben es, in der Natur unterwegs zu sein und sie zu erforschen. Eine tolle mediale Ergänzung dazu gibt es in der Reportage-Serie „Pia und die wilde Natur“. Reporterin Pia ist dabei in der ganzen Welt unterwegs, um verschiedene Lebensräume zu entdecken: Höhlen und Hochgebirge, Wattenmeer und Wüste – aber auch das Leben in einer Pfütze kann unerwartet spannend sein.

Weil Pia alles selbst entdeckt und ausprobiert, finden meine Kinder die Serie spannender als jede normale Naturdoku. In jeder Folge muss Pia mit Hilfe von Experten drei abenteuerliche Aufgaben lösen: eine Fledermaus fangen zum Beispiel, eine Nase mit Flossen finden oder fleischfressende Pflanzen füttern. Dabei entdeckt sie die erstaunlichsten Lebewesen und erlebt Abenteuer, bei denen die Kinder am liebsten selbst dabei wären. Pia kriecht durch dunkle Höhlen, watet durchs Moor oder schwimmt durch einen wilden Fluss.

Ganz nebenbei erfahren die kleinen Zuschauer so auch, was in der wilden Natur gefährlich werden kann und warum verschiedene Lebensräume schützenswert sind. Fakten und Infos zu dem jeweiligen Naturgebiet und seinen Bewohnern gibt es immer wieder zwischendrin in kurzen Blogs.

Perfekt geeignet ist „Pia und die wilde Natur“ für Kinder im Grundschulalter. Wenn unsere Jungs sich zusammen aufs Sofa kuscheln, um eine Folge anzuschauen, setzen wir Eltern uns aber gerne dazu, weil wir selbst erstaunt sind, was es alles zu entdecken gibt. Eine tolle Serie - nur selbst erleben wäre noch schöner!

„Pia und die wilde Natur“ läuft (abwechselnd mit „Anna und die wilden Tiere“) sonntags um 16:35 Uhr und mittwochs um 19:25 Uhr im KIKA, ist aber auf www.kika.de und in der ARD Mediathek auch jederzeit abrufbar. Eine Folge dauert ca. 25 Minuten.

Claudia Klinger

Claudia Klinger ist Redakteurin des Don Bosco Magazins und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

„Pia und die wilde Natur“ (KiKA, kostenlos; Foto: BR/Text und Bild Medienproduktion GmbH & Co.KG)


Sachbuch

Besser streiten

Debatten und Kommentarspalten haben mich in den vergangenen Monaten häufig frustriert. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass aneinander vorbeigeredet wurde oder schlicht Totschlagargumente und Beleidigungen ausgetauscht wurden. Angenehm unaufgeregt, sachlich und mit einer ordentlichen Prise Humor kommt dagegen das neue Buch von Mai Thi Nguyen-Kim „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ daher.

Die Wissenschaftsjournalistin und Produzentin des YouTube-Kanals maiLab hat sich darin das Ziel gesetzt, die aktuelle Forschungslage zu unterschiedlichen kontroversen Streitfragen zu analysieren und vorzustellen. Von der Legalisierung von Drogen über die Gender Pay Gap, die Erblichkeit von Intelligenz bis zur Sicherheit von Impfungen. Themen, mit denen früher oder später auch Eltern in Berührung kommen können.

Dabei gelingt es der Autorin mit anschaulichen Beispielen die wissenschaftlichen Methoden und Ergebnisse auch für Nicht-Fachleute verständlich zu machen und verbreitete Missverständnisse aufzuklären. Mai Thi Nguyen-Kim zeigt dabei deutlich, welche Aussagen gut belegt sind und wo die Grenzen der wissenschaftlichen Studien liegen, wo also verschiedene Meinungen völlig legitim sind.

Mich beeindruckt, wie sich Mai Thi Nguyen-Kim gelassen und kontinuierlich dafür einsetzt, die Diskussionen sachlicher und damit besser zu gestalten. Das zeigt sich in ihrem Buch und auch in ihren Videos. Mich ermutigt sie durch ihre Analysen mitzudiskutieren – sachlich, informiert und konstruktiv.

Martina Edenhofer ist Pastoralbeauftragte im Salesianum und lebt im Münchner Umland. Neben der Theologie taucht sie auch gerne in Krimis und historische Geschichten ein.

"Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Wahr, falsch, plausibel - die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft" (Droemer HC Verlag, € 20,00)


Bilderbuch

Schreckliche Piratin tritt dem Käptn vors Schienbein

Kennt jemand von euch eigentlich so eine richtig schreckliche Piratin? Oder eine gnadenlose Banditin, vor der alle Welt zittert? Lange kannten ich und meine Töchter keine. Schrecklich und zum Fürchten sind in Bilderbüchern meistens Männer. Wie gut, dass es Käpt'n Knitterbart gibt. Cornelia Funkes schönes Bilderbuch erzählt die Entführung der kleinen Molly, die auf einem kleinen Boot allein unterwegs zu ihrer Oma ist. Als sie von schrecklichen Seeräuber an Bord des Blutigen Herings geraubt wird, tritt Molly dem Käptn erstmal kräftig vors Schienenbein.

Und auch sonst ist Molly eher eine freche Rotzgöre, die ständig Gefahr läuft zu den Haifischen geworfen zu werden. Doch am Ende naht Rettung. Denn Mollys Mutter ist die gefürchtete Wilde Berta, eine gefürchtete Piratin die mit ihrer durchweg weiblichen Mannschaft die Knitterbart Bande vermöbelt und zum Kartoffelschälen und Deck schrubben verdonnert. Das liest sich leicht, ist schön gezeichnet und macht nicht nur frechen kleinen Mädchen großen Spaß!

Ulla Fricke

Ulla Fricke hat zwei Töchter und lebt in Köln. Die 40-Jährige liest leidenschaftlich gerne und wäre fast Buchhändlerin geworden. In der Leitung von Don Bosco Mission Bonn ist sie für Kommunikation, Bildung und Freiwilligendienst zuständig.

Käpten Knitterbart und seine Bande (Oetinger Verlag, € 14,00)


Bilderbuch

Japanische Zauberei

Irgendetwas passt nicht – und das Schreien beginnt. In doppelter Lautstärke, Zwillinge. Da hilft nur noch eins: der Griff ins Bücherregal zu Yusuke Yonezu, einem japanischen Illustrator und Autor, der ganz wunderbare Kinderbücher verfasst. Unsere Favoriten sind „Was kann das sein – Früchte?“ sowie „Was kann das sein- Blumen?“.

Jede Seite ist liebevoll gestaltet und lädt kreativ zum Mitraten ein. So werden durch Pappklappen aus scheinbaren Blumen und Früchten ganz überraschenderweise Tiere. Eine Ananas verwandelt sich in ein Gürteltier, ein Apfel in einen Affen, ein Schneeglöckchen in einen Eisbären und eine Mohnblume in einen Schmetterling.

Als wir diese beiden Bücher von Freunden geschenkt bekamen, waren unsere Zwillinge nicht einmal ein halbes Jahr alt. Wir dachten zuerst, dass wir die Bücher sozusagen aufsparen müssten, da die zwei ja noch viel zu klein dafür waren. Aber weit gefehlt. Auf die Krabbeldecke gelegt, verfolgten sie sofort aufmerksam, wie Papa oder Mama die Seiten umblätterten und die jeweiligen Klappen öffneten. Vom Inhalt haben sie da natürlich noch nichts verstanden, aber sie waren dennoch fasziniert. Selbst wenn sie vorher auf 180 waren und sich brüllend Ausdruck verschafften, sobald wir die Bücher in die Hand nahmen, waren sie von einer Sekunde auf die nächste mucksmäuschenstill. Wirklich ein Phänomen! Und für uns Eltern: wertvolle Zauberbücher.

Mittlerweile sind unsere beiden beim Anschauen der Bücher von Yusuke Yonezu wesentlich aktiver und begreifen immer mehr. Die Altersempfehlung geben die meisten Händler mit drei Jahren an. Zwei Bücher also, von denen Kinder und Eltern lange etwas haben!

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

"Was kann das sein - Blumen?" von Yusuke Yonezu (minedition, € 9,95)


Sachbuch

Über eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung

Zugegeben, der Titel des Buchs von Philippa Perry ist nicht gerade griffig. Doch auch das Buch erhebt nicht den Anspruch, einfache, prägnante Antworten auf schwierige Fragen zu geben. Die Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin Philippa Perry widmet sich darin dem eher komplexen Thema der Eltern-Kind-Beziehung. Kann ich beeinflussen, zu was für einer Person mein Kind heranreift? Welche Rolle spielt dabei das Verhältnis zu meinen eigenen Eltern?

In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel diese Szene, die Philippa Perry mit ihrer dreijährigen Tochter erlebt hat: Eines Tages wollte ihre Tochter auf dem Weg zu den Geschäften nicht in ihren Buggy steigen, sondern lieber laufen. Auf dem Rückweg blieb die Tochter aber einfach stehen und setzte sich auf eine Treppe. Bei der Mutter löste das ein inneres Stöhnen aus, sah sie sich in Gedanken doch schon zu Hause die Einkäufe wegräumen, sich entspannen und ausruhen. Doch sie stellte erst einmal die Taschen ab und hockte sich neben ihre Tochter. Gemeinsam beobachteten sie eine Ameise, die einem Riss im Bergsteig folgte. In diesem Moment erkannte die Mutter, dass ihre Tochter von den vielen neuen Eindrücken während des gemeinsamen Einkaufs erschöpft war und eine Ruhepause brauchte. Wäre es sinnvoll gewesen, die Tochter zum Weitergehen zu zwingen?

In dieser Situation lässt sich eines der Hauptmotive der Autorin finden: Auf einfühlsame Weise möchte sie dafür sensibilisieren, dass es bei der Erziehung um mehr geht als um Töpfchen-Training oder ums Abstillen. Es ist ein Versuch, Kinder und ihre Gefühle ernst zu nehmen und sie zu verstehen, weil das eben die Basis einer gesunden Bindung zwischen Eltern und Kindern ist. Zumal legt es, wie Perry anschaulich darlegt, auch das Fundament einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

In diesem Sinne verspricht der Titel nicht zu viel: Es wäre schön, wenn viele Eltern dieses Buch in die Hand bekommen.

Patrizia Czajor

Patrizia Czajor lebt mit ihrem Freund in München. Wäre sie nicht Journalistin geworden, hätte sie Psychologie, Politik oder Soziologie studiert. Eine Politik-Talkshow ist für sie wie ein Krimi. Hätte sie mehr Zeit, würde sie öfter verreisen.

"Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen" von Philippa Perry (Ullstein Verlag, € 19,99)