Medientipps

Aktuelle Filme und Hörbücher für Eltern, empfohlen von Müttern und Vätern oder von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Bilderbuch

Japanische Zauberei

Irgendetwas passt nicht – und das Schreien beginnt. In doppelter Lautstärke, Zwillinge. Da hilft nur noch eins: der Griff ins Bücherregal zu Yusuke Yonezu, einem japanischen Illustrator und Autor, der ganz wunderbare Kinderbücher verfasst. Unsere Favoriten sind „Was kann das sein – Früchte?“ sowie „Was kann das sein- Blumen?“.

Jede Seite ist liebevoll gestaltet und lädt kreativ zum Mitraten ein. So werden durch Pappklappen aus scheinbaren Blumen und Früchten ganz überraschenderweise Tiere. Eine Ananas verwandelt sich in ein Gürteltier, ein Apfel in einen Affen, ein Schneeglöckchen in einen Eisbären und eine Mohnblume in einen Schmetterling.

Als wir diese beiden Bücher von Freunden geschenkt bekamen, waren unsere Zwillinge nicht einmal ein halbes Jahr alt. Wir dachten zuerst, dass wir die Bücher sozusagen aufsparen müssten, da die zwei ja noch viel zu klein dafür waren. Aber weit gefehlt. Auf die Krabbeldecke gelegt, verfolgten sie sofort aufmerksam, wie Papa oder Mama die Seiten umblätterten und die jeweiligen Klappen öffneten. Vom Inhalt haben sie da natürlich noch nichts verstanden, aber sie waren dennoch fasziniert. Selbst wenn sie vorher auf 180 waren und sich brüllend Ausdruck verschafften, sobald wir die Bücher in die Hand nahmen, waren sie von einer Sekunde auf die nächste mucksmäuschenstill. Wirklich ein Phänomen! Und für uns Eltern: wertvolle Zauberbücher.

Mittlerweile sind unsere beiden beim Anschauen der Bücher von Yusuke Yonezu wesentlich aktiver und begreifen immer mehr. Die Altersempfehlung geben die meisten Händler mit drei Jahren an. Zwei Bücher also, von denen Kinder und Eltern lange etwas haben!

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

"Was kann das sein - Blumen?" von Yusuke Yonezu (minedition, € 9,95)


Sachbuch

Über eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung

Zugegeben, der Titel des Buchs von Philippa Perry ist nicht gerade griffig. Doch auch das Buch erhebt nicht den Anspruch, einfache, prägnante Antworten auf schwierige Fragen zu geben. Die Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin Philippa Perry widmet sich darin dem eher komplexen Thema der Eltern-Kind-Beziehung. Kann ich beeinflussen, zu was für einer Person mein Kind heranreift? Welche Rolle spielt dabei das Verhältnis zu meinen eigenen Eltern?

In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel diese Szene, die Philippa Perry mit ihrer dreijährigen Tochter erlebt hat: Eines Tages wollte ihre Tochter auf dem Weg zu den Geschäften nicht in ihren Buggy steigen, sondern lieber laufen. Auf dem Rückweg blieb die Tochter aber einfach stehen und setzte sich auf eine Treppe. Bei der Mutter löste das ein inneres Stöhnen aus, sah sie sich in Gedanken doch schon zu Hause die Einkäufe wegräumen, sich entspannen und ausruhen. Doch sie stellte erst einmal die Taschen ab und hockte sich neben ihre Tochter. Gemeinsam beobachteten sie eine Ameise, die einem Riss im Bergsteig folgte. In diesem Moment erkannte die Mutter, dass ihre Tochter von den vielen neuen Eindrücken während des gemeinsamen Einkaufs erschöpft war und eine Ruhepause brauchte. Wäre es sinnvoll gewesen, die Tochter zum Weitergehen zu zwingen?

In dieser Situation lässt sich eines der Hauptmotive der Autorin finden: Auf einfühlsame Weise möchte sie dafür sensibilisieren, dass es bei der Erziehung um mehr geht als um Töpfchen-Training oder ums Abstillen. Es ist ein Versuch, Kinder und ihre Gefühle ernst zu nehmen und sie zu verstehen, weil das eben die Basis einer gesunden Bindung zwischen Eltern und Kindern ist. Zumal legt es, wie Perry anschaulich darlegt, auch das Fundament einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

In diesem Sinne verspricht der Titel nicht zu viel: Es wäre schön, wenn viele Eltern dieses Buch in die Hand bekommen.

Patrizia Czajor

Patrizia Czajor lebt mit ihrem Freund in München. Wäre sie nicht Journalistin geworden, hätte sie Psychologie, Politik oder Soziologie studiert. Eine Politik-Talkshow ist für sie wie ein Krimi. Hätte sie mehr Zeit, würde sie öfter verreisen.

"Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen" von Philippa Perry (Ullstein Verlag, € 19,99)


Serie

Zwischen Genie und Wahnsinn

Die Netflixserie „Das Damengambit“ erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Elizabeth (Beth) Harmon, die sich zum Schachgenie mausert. Klingt langweilig? Dachte ich auch. Und war nach wenigen Minuten völlig im Bann dieser Miniserie, die auf überbordende Ausstattung, perfekte Kostüme und ganz viel 60er-Jahre-Flair setzt. So sehr, dass ich nach der siebten und letzten Episode mein Schachbrett rauskramte und die fiktive Partie googelte, mit der Beth gewinnt.

Doch auch wer kein Schach kann, kommt mit der Serie voll auf seine Kosten. Die Figuren, sei es die zwischen Genie und Wahnsinn schwankende Beth, die schwarze Jolene, der kauzige Hausmeister oder die fragile Adoptivmutter, geben der Serie genug emotionalen Stoff für Drama jenseits von Eröffnungsstrategien und Schachturnieren. Denn Beth hat auch ein Suchtproblem, bei dem man bis zum Ende nicht weiß, ob sie trotz oder wegen des Rausches so genial Schach spielt. Kaum zu Ende gekuckt, rief mich eine schwangere Freundin an und bemerkte beiläufig, sie wolle jetzt Schachspielen lernen. Statt ständig gebeugt überm Handy die neuesten Corona-News zu verfolgen, wolle sie sich lieber in die Vorhersage eines möglichen nächsten Zugs vertiefen. Wie sie darauf komme? Na, wegen dieser Serie auf Netflix…

Seit das Schachbrett hier so dekorativ aufgebaut ist, spiele ich gelegentlich mit meiner sechsjährigen Tochter eine Partie – natürlich mehr gegen mich selbst. Aber zu erleben, wie fasziniert sie von diesem Spiel ist, hat uns schon so manche Lockdown-Stunde versüßt…

Ulla Fricke

Ulla Fricke hat zwei Töchter und lebt in Köln. Die 40-Jährige liest leidenschaftlich gerne und wäre fast Buchhändlerin geworden. In der Leitung von Don Bosco Mission Bonn ist sie für Kommunikation, Bildung und Freiwilligendienst zuständig.

Szenenbild Das Damengambit

"Das Damengambit" (Netflix); Foto: Phil Bray/Netflix


Sachbuch

Psychokram vom Feinsten

Herrje, in diesem Buch geht’s zur Sache: Liebe, Schmerz, Beziehungskrisen, Krebs, Tod, verkorkste Eltern-Kind-Beziehungen, berufliche Probleme, Scham, Trauer, Ängste aller Art. Die Psychotherapeutin Lori Gottlieb erzählt aus ihrer Praxis, und, nachdem sie sich nach einer Trennung selbst in Therapie begeben hat, über ihre eigenen Sitzungen beim Therapeuten und die Reflexion darüber.

Wer keine Lust auf Psychokram hat, für den ist der Band absolut nicht geeignet. Wer einen Sinn darin sieht, sich in der eigenen Seelenlandschaft herumzutreiben und hier und dort auf Unentdecktes – Erfreuliches und Unangenehmes – zu stoßen, der liegt mit dem im englischen Original 2019 erschienenen Werk genau richtig. Aus den Erkenntnissen, die einem beim Lesen entgegenspringen, ließe sich problemlos ein Tageskalender mit Lebensweisheiten für mindestens ein Jahr zusammenstellen. Nur zwei Beispiele, beide von Seite 200: „Frieden heißt nicht, an einem Ort zu sein, an dem es weder Lärm, Ärger noch harte Arbeit gibt. Es heißt vielmehr, dass man inmitten all dieser Dinge die Ruhe im Herzen bewahrt.“ Und: „Wenn Sie sich selbst kennenlernen wollen, müssen Sie auch vergessen, wer Sie sind – Sie müssen die Geschichten loslassen, die Sie sich bisher über sich erzählt haben. Damit diese Sie nicht weiter beschränken. Damit Sie Ihr Leben leben können und nicht die Geschichten, die Sie sich darüber erzählen.“

Ich hatte die fast 530 Seiten ratzfatz durch. Die Lektüre war äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Und wer sich darauf einlässt, den lässt sie mit einem veränderten Blick auf das Leben zurück.

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und Mutter von zwei Kindern. Veränderung hält sie für lebensnotwendig. Nicht ständig und überall, aber ab und zu.

"Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden" von Lori Gottlieb (hanserblau im Carl Hanser Verlag, € 25,00)


Kinderbuch

Findet den Meisterdieb!

Wer hat bloß die Decke vom Fuchs geklaut? Die blaue Socke vom Oktopus? Und die Zähne vom Krokodil? Mein Jüngster weiß das längst auswendig und kräht die Lösung immer gleich am Anfang raus. Aber wir lesen die Geschichte von Eddie Meisterdieb trotzdem immer wieder – weil sie so toll in Reimen geschrieben ist, sich unglaublich spannend vorlesen lässt und das Ende einfach kindgerecht lustig ist!

Und das Beste: Es gibt auf jeder Seite ganz viele Klappen, so dass sich selbst ein Dreijähriger ziemlich lange allein mit dem Buch beschäftigen kann. Das hilft, wenn Mama und Papa im Homeoffice arbeiten und die großen Brüder Hausaufgaben machen sollen.

Claudia Klinger

Claudia Klinger ist Redakteurin des Don Bosco Magazins und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

"Eddie Meisterdieb! Eine rasante Verfolgungsjagd mit Verschwinde-Klappen" von Eva Dax und Sabine Dully (Oetinger Verlag, € 16,00)