Medientipps

Aktuelle Bücher, Serien, Filme und Podcasts für Eltern, empfohlen von Müttern und Vätern oder von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Comic

„Regelwerk“ für die erste Menstruation

Emmi ist neun Jahre alt und im Ferienlager, als sie zum ersten Mal ihre Tage bekommt. Bei einer Rollenspiel-Runde zwischen Charakterbögen und Würfeln spürt sie ein Ziehen im Bauch und geht auf die Toilette. Zum Glück sieht Jugendmitarbeiterin Malin nach ihr, als sie nicht wiederkommt. Denn Emmi ist verwirrt und hat Angst, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Und sie schämt sich.

Wie Emmi im Comic „Das Regelwerk“ von Ines Korth geht es vielen Mädchen bei der ersten Menstruation – kein Wunder, ist das Thema doch nach wie vor häufig ein Tabu. Deshalb lernen junge Leserinnen und unbedingt auch Leser nicht nur, was in den Phasen des weiblichen Zyklus passiert, oder zum Beispiel, wie sich das Blut im Lauf der Tage verändern kann. Sie erfahren auch, dass die Periode dazugehört, dass Freunde einen deshalb nicht komisch finden und dass auch viele Jungs wissen, dass bei der Menstruation „gar nichts groß bei“ ist. Das sagt Amir aus Emmis Rollenspielgruppe im Comic. Denn er hat große Schwestern, die „auch dauernd ihre Tage“ kriegen.

Völlig zu Unrecht hatte ich Angst, dass unsere achtjährige Tochter den Comic zu nüchtern finden könnte. Denn durch die Einbettung in das Ferienlager-Setting inklusive Nachtwanderung und Gruselgeschichte haben die vielen Informationen rund um die Menstruation sie nicht überfordert. Am liebsten hätte sie im Anschluss gleich noch einen Comic rund um Emmi und ihre Rollenspielgruppe gelesen. Übrigens: Sie hat selbst keine Rollenspiel-Erfahrung, war aber fasziniert von der Fantasy-Welt, die dadurch ins Buch eingeführt wird.

Unsere Tochter wusste auch vor dem Comic schon vieles über ihren Körper und, dass sie wie Mama irgendwann eine Regelblutung haben wird. Trotzdem bin ich sicher, dass sie durch „Das Regelwerk“ jetzt etwas besser auf das Einsetzen der Periode vorbereitet ist.

Christoph Sachs

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

Cover Das Regelwerk

„Das Regelwerk“ von Ines Korth (Kibitz Verlag, € 18,00)


Gebetbuch

Nimm dir Zeit!

„Nimm dir Zeit. Für dich und für mich. Gott.“ – Dieses Motto stellt Michelle Engel ihren Gebeten und Impulsen voraus. Eine direkte Botschaft von Gott an uns! Doch im alltäglichen Hamsterrad, zwischen Arbeit, Familie und den anderen großen und kleinen Dingen ist das leichter gesagt als getan. 

Doch ich nehme mir diese Aufforderung zu Herzen und fange bei einer Tasse Kaffee an, in dem Büchlein zu blättern, und lese den ersten Text: „Gott, manchmal möchte ich allem am liebsten entfliehen, nichts mehr machen müssen, keine Verpflichtungen haben, keine Feinfühligkeiten meiner Mitmenschen aushalten, meine Gedanken auf still stellen, RELAXEN. Nur manchmal, nur kurz, nur du und ich. AMEN“

Verblüfft lege ich das Buch zur Seite. Ja, genau: So fühle ich mich im Moment. Und genau so würde ich es auch ausdrücken. Neugierig blättere ich weiter und stoße auf kurze Texte mit dem Titel „Hamsterrad“ oder „I’m so angry“ oder „Mein wahres Gesicht“. Titel, die ich in einem „Gebetbuch“ so nicht unbedingt erwarten würde. Und das macht Michelle Engels Texte aus: Sie sprechen die Sprache von heute. Sie sprechen Männer und Frauen an, die mitten im Leben stehen und seine Höhen und Tiefen erleben. Sie geben Mut, Hoffnung und Trost. Es gibt Morgen- und Abendgebete, Gebete für schwere Zeiten, für Partnerschaft und Gemeinschaft oder Dankgebete. Es gibt keine Bilder, manchmal sind zentrale Worte farbig hervorgehoben oder markiert, nichts lenkt ab. 

„Nur kurz – nur du und ich“ – Wer eine kleine Auszeit mit Gott und mit sich selbst nehmen möchte, dem empfehle ich, zu diesem Buch zu greifen. 

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München.

Cover Ich weiß, wie es dir geht. Gott

„Ich weiß, wie es dir geht. Gott“ von Michelle Engel (Butzon & Bercker, € 14,95)


Roman

Was Mutter sein bedeuten kann

Jede Mutter hat ihre eigene Geschichte. Und Lena Gorelik hat ganz viele davon in ihrem Buch gesammelt. Sie stehen nebeneinander, fließen ineinander und zeigen – jede auf ihre eigene berührende Art – wie viele Gefühle und Beweggründe, wie viele Lebensgeschichten und Möglichkeiten mit diesem einen Begriff „Mutter“ verbunden sein können.

Da ist die Geschichte der Autorin und ihrer krebskranken Mutter. Sie gibt den Rahmen, begleitet durch das Buch und beschreibt eine anrührende Beziehung zwischen Mutter und Tochter inklusive all der Fragen und Themen, die dazwischenliegen. Und dann kommen all die anderen dazu: Mütter, die ihre Kinder lieben, mit ihnen leiden, durch sie leben. Mütter, die gar keine Mütter sein wollen, und Mütter, die sich fragen, wo sie selbst als Mensch bleiben. Es sind keine realen Geschichten, aber solche, die real sein könnten. Sie zeigen die Zweifel und Hoffnungen, die Ängste und das Glück, die Frauen erleben können, dürfen oder müssen, wenn sie versuchen, Mutter zu sein.

„Alle meine Mütter“ erzählt einfühlsam und in einer wunderbaren Vielfalt von allem, was Mutter sein bedeuten kann.

Claudia Klinger

Claudia Klinger arbeitet als Redakteurin bei Don Bosco Medien und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

Cover Alle meine Mütter

„Alle meine Mütter“ von Lena Gorelik (Rowohlt, € 24,00)


TV-Serie

Endlich sprechen: Coaching für Familien

Zwei Familienmitglieder, eine Therapeutin, ein Thema – das ist die Ausgangssituation für ein eintägiges Intensivcoaching, dokumentiert und aufbereitet für eine Fernsehserie. Vier Familien-Konflikte werden unter die Lupe genommen. Die Zuschauer erleben, wie Menschen sich öffnen, Verletzungen zutage treten, Bedürfnisse geäußert und gemeinsam Lösungswege erkundet werden. Wie Psychotherapeutin Franca Cerutti Schritt für Schritt mit den Familien daran arbeitet, den berühmten Elefanten im Raum zu finden und sich ihm zu stellen.

Da ist Mirjana, die mit 33 Jahren erfahren hat, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Vater ist, und Hartmut, der plötzlich Angst hat, sein Kind zu verlieren. Peter und seine 12-jährige Tocher Helene streiten sich ständig und wissen nicht, wie sie aus dieser Situation herauskommen sollen. Bei Corina und ihrer erwachsenen Tochter Naomi eskalieren selbst Kleinigkeiten. Der 39-jährige Mathias und seine Mutter Gundhild bekennen einander zum ersten Mal, wie sehr der Auszug des Vaters vor 25 Jahren ihr Leben belastet und geprägt hat. 

Die Serie macht Mut, sich mit den Problemen, die wohl in jeder Familie irgendwo lauern, zu beschäftigen und neu darüber ins Gespräch zu kommen. 

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden großen Kindern in München.

Frau mit blonden Haaren und Brille sitzt nachdenklich in gemütlich eingerichtetem Raum

„Familientherapie mit Franca Cerutti“ (ARD Mediathek; Foto: hr/Johanna Wittig) 


Kinderbuch

Moderner Bibelklassiker zur Erstkommunion

Ein Geschenkklassiker zur Erstkommunion ist eine Bibel. Auch meine Tochter hat im vergangenen Jahr an ihrem Festtag ein Exemplar bekommen. Der Herder Verlag hat nun zu diesem kirchlichen Anlass eine neue Sonderausgabe herausgebracht. Der verlagseigene und bekannte Titel „Meine große Kinderbibel“ von Erich Jooß diente dabei als Vorlage.

Ich muss zugeben, im ersten Moment dachte ich: Nochmal eine Kinderbibel? Gibts da nicht schon genug? Doch dann fing ich an zu lesen und kam zu dem Schluss: Doch, dieser modernisierte Bibelklassiker bereichert das Angebot durchaus.

Die wichtigsten Bibelgeschichten aus dem Neuen und Alten Testament sind in einer verständlichen, kindgerechten Sprache nacherzählt, jedoch auf anspruchsvollem Niveau als in der Kinderbibel. Das macht es für Erstkommunionkinder interessant, da sie ja schon Erfahrung mit „richtigen“ Gottesdiensten haben und aus der Kinderkirche herausgewachsen sind. Im Erstkommunionunterricht kamen die Kinder bereits mit dem O-Ton der Bibel in Kontakt und finden so bekannte Bibelzitate wieder.

Am Beeindruckendsten sind die Illustrationen von Katja Gehrmann. Die Geschichten werden in eine zeitgemäße Bildsprache umgesetzt und haben Witz – bleiben aber ohne grafische Experimente im gewohnten Herder-Stil.  

Eine neue Idee sind die Sprechblasen, die historische Zusammenhänge wie die Teilung der Stämme Israels kurz erklären. Wichtige Begriffe wie „Paschafest“, „Psalmen“ oder „Zöllner“ werden auf diese Weise erläutert. Der Trend zu Büchern im Comicstil wie „Gregs Tagebuch“ oder „Lotta-Leben“ schlägt sich hier nieder und lockert die Texte optisch auf.

Insgesamt eine schöne, moderne Ausgabe für Kinder im Erstkommunionalter.  

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München.

Cover Herders Bibel zur Erstkommunion

„Herders Bibel zur Erstkommunion“ von Erich Jooß, Illustrationen: Katja Gehrmann (Herder, € 16,00)


Kinofilm

Staunen über unsere Erde mit Checker Tobi

Wenn man von einem Lieblingsfilm die Fortsetzung anschaut, geht man immer ein Risiko ein. Ist Teil zwei oder drei wirklich noch so gut wie der erste? Bei „Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde“ haben wir trotzdem nicht lange überlegt und sind mit der ganzen Familie ins Kino gegangen. 

Diesmal entdeckt Tobi beim Aufräumen im Keller ein altes Video, in dem er als Kind die „allererste Checkerfrage überhaupt“ stellt: Was hinterlässt die tiefsten Spuren im Erdreich? Angetrieben von seinem achtjährigen Ich macht er sich daran, das Rätsel zu lösen. Dass ständig der kleine Tobi auftaucht, um den erwachsenen Tobi daran zu erinnern, dass er nie ein „langweiliger Erwachsener“ werden wollte, hat mich und meine Kinder etwas irritiert: Welches Kind denkt schon, dass Checker Tobi ein langweiliges Leben führt? 

Alles andere aber hat uns begeistert. Denn die Suche nach einer Antwort führt Tobi wie immer an beeindruckende Orte: Er entdeckt einzigartige Tiere und riesige Bäume in Madagaskar, fährt mit einem Hundeschlitten durch Spitzbergen, erforscht ein Kohlebergwerk und hilft bei Ausgrabungen an einem Mayatempel in Mexiko. Und am Ende findet er eine Antwort, die nachdenklich macht.

Unser Fazit: Mit großartigen Bildern und der gewohnten Mischung aus Witz, Abenteuer und Wissenschaft lässt auch der dritte Kinofilm von Checker Tobi staunen über die vielen Wunder unserer Natur. Anders als bei vielen anderen Filmen ist es hier absolut empfehlenswert auch Teil 3 noch anzuschauen.

Claudia Klinger

Claudia Klinger arbeitet als Redakteurin bei Don Bosco Medien und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

Plakat Checker Tobi 3

„Checker Tobi 3 – die heimliche Herrscherin der Erde“ (MFA Film, Regie: Antonia Simm) 


Kinderbuch

Abenteuer mit furchtlosen Landeiern

Total mega! Ein ganzes langes Wochenende darf die Bande der „Furchtlosen Hand“ bei Karlchen auf dem Bauernhof verbringen – mit Übernachten! Das verspricht Action und jede Menge Spaß. Doch Fehlanzeige! Bereits am Freitagnachmittag ist es auf dem einsamen Hof sooooooo langweilig, dass den fünf Bandenmitgliedern nichts anders einfällt, als in der Nase zu popeln. Sie brauchen einen ebenbürtigen Gegner. Und der Einzige, der sich dieser Herausforderung stellt, ist Opa. Denn der kämpft mit harten Bandagen und so erlebt die „Furchtlose Hand“ doch noch ein unerwartetes Abenteuer. 

Die beiden Autoren Lisa-Marie Dickreiter und Andreas Götz bringen ihre Kindheitserfahrungen auf dem Land glaubhaft in die Story mit ein. (Ich spreche aus eigener Erfahrung: Bei Opa auf dem Bauernhof haben meine Geschwister und ich Ähnliches erlebt.) 

Leseanfänger können das Buch dank der übergroßen Schrift, den kurzen Kapiteln und dem einfachen Satzbau schon selbst lesen. Die Geschichte ist schön illustriert und somit auch perfekt zum Vorlesen für kleinere Kinder. Kinder und Eltern, die ein kurzweiliges Abenteuer auf dem Land mit liebevollen Charakteren suchen, sind bei dieser Geschichte genau richtig! Von Karlchen gibt es auch noch weitere Abenteuer zu entdecken. 

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München.

Cover Karlchen und die furchtlose Hand mit Baumhaus und Kindern

„Karlchen und die Furchtlose Hand – Eine Bande flitzt los!“ von Lisa-Marie Dickreiter und Andreas Götz mit Bildern von Barbara Scholz (Arena, € 12,00)
 


Kinderbuch

Kinder haben Macht!

Wir lesen viel – und manchmal gibt es ein Buch, das sofort hängenbleibt. Amy und die geheime Bibliothek gehört für uns dazu. Amy liebt Bücher, genau wie wir. Umso härter trifft es sie, als ihr Lieblingsbuch plötzlich aus der Schulbibliothek verbannt wird – zu respektlos, zu unmoralisch, angeblich nicht geeignet für Grundschüler. Aber Amy bleibt nicht still: Mit ihren Freunden startet sie eine geheime Schließfachbibliothek, und plötzlich entsteht eine richtige Bewegung an ihrer Schule.

Mich begeistert daran vor allem die Botschaft: Kinder sind nicht machtlos. Amy geht nicht den Umweg über Abenteuerbande und Geheimmission – sie spricht vor dem Schulausschuss, ringt mit den Erwachsenen und zeigt, wie man durch Beharrlichkeit etwas verändern kann. Das ist so realistisch wie ermutigend.

Meine beiden Kinder haben beim Vorlesen laut gelacht über Amys wilde Familie, in der ständig etwas zu Bruch geht. Und mir selbst gefällt, dass in der Geschichte viele „verbotene Bücher“ auftauchen – genau die, die ich als Kind verschlungen habe: „Hallo Anna, hier spricht Gott“ oder „Gilly Hopkins“. Am Ende gibt es einen versöhnlichen Schluss, den man sich auch in der Realität wünschen würde – gerade, wenn man auf die aktuelle Diskussion über „Banned Books“ in den USA schaut. Ein wenig mehr Amy würde uns allen helfen, die gesellschaftliche Spaltung und die Kulturkämpfe unserer Zeit zu überwinden. 

Fazit: Ein Buch, das wir schon viermal verschenkt haben, weil es spannend, lustig und klug zugleich ist. Zum Vorlesen ab sieben Jahren, zum Selberlesen ab der 4. Klasse – und ein echter Mutmacher für Kinder wie für Erwachsene. 
 

Ulla Fricke

Ulla Fricke hat zwei Töchter und lebt in Köln. Sie liest leidenschaftlich gerne und wäre fast Buchhändlerin geworden. In der Leitung von Don Bosco Mission Bonn ist sie für Bildung und Freiwilligendienst zuständig.

Cover Amy und die geheimen Bücher

„Amy und die geheime Bibliothek“ von Alan Gratz (Hanser Verlag, € 16,00; als Taschenbuch bei dtv, € 11,00)


Graphic Novel

Vielschichtiger Jugend-Thriller aus Berlin-Lichtenberg

Die Geschwister Tâm und Dennis machen in der Hitze des Berliner Sommers einen grausigen Fund. In einem Gebüsch am Rande ihrer Wohnsiedlung entdecken sie einen abgetrennten Finger. Im Rahmen ihrer Nachforschungen lernen sie das „Mädchen vom Parkplatz“ kennen – Hoa Binh aus Vietnam. 

Was sich dann entwickelt, ist eine Art „Emil und die Detektive“ als Comic und im Berlin der Jetztzeit. Es geht um Menschenhandel, Freundschaft, Liebe und Familie. In Schwarz-Weiß und der Ästhetik japanischer Mangas erzählt Mikael Ross, der unter anderem durch seine Arbeit als Aushilfslehrer auf die Idee zu dem Buch gekommen ist, eine rasante und vielschichtige Geschichte zwischen Krimi, Tragikomödie und Coming-of-Age-Roman.

Ein Happy End ist allerdings, anders bei „Emil“, nicht in Sicht. Er denke, dass viele Leserinnen und Leser sich das auch gar nicht unbedingt wünschen, erklärt Ross in einem Interview zu seinem Buch. „Weil wir ja alle irgendwo wissen, dass sich das Leben meistens nicht nach unseren Vorstellungen richtet.“

Die ausdrucksstarken Zeichnungen lassen die Figuren lebendig und authentisch wirken und machen deren Emotionen sichtbar. Ein herausragendes künstlerisches Werk und eine spannende Lektüre – für Jugendliche und Erwachsene. 

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden großen Kindern in München.

Der verkehrte Himmel Cover

„Der verkehrte Himmel“ von Mikael Ross (avant-Verlag, € 28,00)


Bilderbuch

Was Kinder fühlen

Leben mit Kindern heißt, oft Zeuge gewaltiger Gefühlsausbrüche zu sein. Bei uns zuhause vergeht kaum ein Tag ohne Tränen, ohne Geschwisterstreit, ohne Wutanfälle oder Schreierei. Gerne würde ich meinen Töchtern ein bisschen mehr Orientierung auf der Gefühlsklaviatur geben – zwischen Angst und Wut gibt’s einerseits noch mehr, was man fühlen kann, andererseits muss man durch manche Gefühle auch einfach durch.

Deswegen mögen wir die Ameisen in Adas Bauch. Die Kapitel sind oft ganz kurz – eins davon schafft man auch, wenn’s abends eigentlich schon wieder viel zu spät zum Vorlesen geworden ist. Und jedes Mal geht es in wunderschöner Sprache darum, was Ada fühlt. Da duftet es nach flaumig-flauschigen Hühnerpopo-Federn und Geborgenheit oder nach Freibad-Pommes. Adas Arme können Max ganz fest boxen oder sie können „Große-Schwester-Arme“ sein, die den kleinen Bruder vor den nächtlichen Monstern beschützen.

Überhaupt geht es oft um Familiengefühle, um ungerechte Mamas, nervige kleine Brüder oder kranke Omas. Die Zeichnungen von Philipp Waechter sind großartig und so ist das Buch auch schon für Kinder geeignet, die noch Bilderbücher bevorzugen. 

Ein tolles Buch zum Ferienstart oder zum Schulanfang oder für Erwachsene, die vergessen haben, wie sich Kindergefühle äußern. 

Ulla Fricke

Ulla Fricke hat zwei Töchter und lebt in Köln. Sie liest leidenschaftlich gerne und wäre fast Buchhändlerin geworden. In der Leitung von Don Bosco Mission Bonn ist sie für Bildung und Freiwilligendienst zuständig.

Cover Ameisen in Adas Bauch

„Ameisen in Adas Bauch“ von Stefanie Höfler, illustriert von Philip Waechter (Beltz Verlag, € 18,00)


Bilderbuch

Mit Mopsfisch durch den Gartenteich

Dieses Buch ist schon jetzt mein Kinderbuch des Jahres. Wer auf hemmungslose Sprachspiele, witzige Bilder und allgemeine Blödeleien steht, liegt mit Mopsfisch genau richtig.

Mopsfisch losflieg.
Mopsfisch land.
Mopsfisch hängt in Efeuwand!

Der vielfach ausgezeichnete österreichische Autor Clemens J. Setz, der bisher vor allem mit Erwachsenenliteratur in Erscheinung getreten ist, hat hier eine gereimte Geschichte vorgelegt, die zum Schießen komisch ist, illustriert wurde sie von Stefanie Jeschke. Mopsfisch erlebt darin allerhand Abenteuerliches und schließlich ein entzückendes Happy-End.

Das alles macht großen Spaß. Mangels kleiner Kinder habe ich das Buch mit meinem 16-jährigen Sohn gelesen. Wir lagen beide prustend auf dem Sofa. Der Verlag empfiehlt das Buch für Kinder ab drei Jahren. 

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden großen Kindern in München.

Cover Mopsfisch

„Mopsfisch“ von Clemens J. Setz, illustriert von Stefanie Jeschke (Insel Verlag, € 15,00) 


Sachbuch

Kinder an die Macht!

„Kinder an die Macht“ sang Herbert Grönemeyer bereits 1986. Doch in der heutigen Realität ist eher das Gegenteil der Fall. In unserer alternden Gesellschaft sind Kinder und Jugendliche in der Minderheit, ihre Bedürfnisse werden kaum wahrgenommen. Die Soziologen Aladin El- Mafaalani und Klaus Peter Strohmeier sowie der Politikwissenschaftler Sebastian Kurtenbach nehmen in ihrem Buch die Perspektive von Kindern und Familien ein, zeigen was bei uns schiefläuft und was dagegen unternommen werden kann.

Kinder wachsen heute „superdivers“ auf, das zeigen die Autoren am Beispiel einer Grundschulklasse. Die Kinder haben die unterschiedlichsten Familien- und Herkunftshintergründe, die es schwer machen, eine gemeinsame kulturelle Basis zu finden. Das ist eine immense Herausforderung – nicht nur für Lehrkräfte. Allein der Begriff „Migrationshintergrund“ unterstellt Menschen eine Gemeinsamkeit, die es so gar nicht gibt, führt El-Mafaalani aus.

Das Phänomen der „Überdifferenzierung“ hat bestimmt jede Mutter und jeder Vater schon erlebt: Für jedes Problem der Kinder gibt es ein Angebot einer Beratungsstelle, ein Förderprogramm, eine Studie usw. Wer behält da den Überblick, vor allem in „Familien mit Migrationshintergrund“?

Einen von vielen Lösungsansätzen sehen die Experten im Engagement der älteren Generation. Die sogenannten „Boomer“ sind zahlenmäßig am stärksten und verstehen sich so gut mit den Jüngeren wie nie zuvor eine Generation. Sie können dabei helfen, die Zukunft für die Jüngeren lebenswert zu machen.

Die Autoren analysieren wissenschaftlich und detailliert, aber äußerst verständlich und nachvollziehbar die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen und ziehen Schlüsse daraus, wie die Gesellschaft der jungen Generation gerecht werden könnte. Denn unsere Zukunft steht auf dem Spiel!

Das Buch war nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis 2025. 

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München.

Kinder - Minderheit ohne Schutz b400.jpg

„Kinder – Minderheit ohne Schutz“ von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier (Kiepenheuer & Witsch, € 24,00)


Wendebuch

Tipps zum Beten mit Kindern und Vorlesegeschichte

Beten, mit Gott sprechen ist etwas sehr Individuelles. Die Form muss zu mir und meiner Lebenssituation passen, sonst ähnelt es mehr einem schlechtsitzenden Paar Schuhe. Die Konsequenz: Ich schlüpfe nicht mehr hinein. Gerade wenn die Familie wächst und Kind(er) dazukommen, werden zwangsläufig Routinen in allen Lebensbereichen durcheinandergewirbelt. Da stellt sich vielleicht auch die Frage: Wie möchten wir jetzt mit als Familie beten? Welche Formen und Rituale passen zu uns?

Genau zu dieser Suche will Josephine Teske in ihrem Buch ermutigen. Sie teilt ihre Erfahrungen aus dem Familienalltag und Kitatagen und inspiriert mit einer Auswahl an klassischen und eigenen Gebeten sowie kleinen Ritualen. Ergänzt wird es durch eine Kindergeschichte von Elena Huger zu der Frage, wer Gott (eigentlich) ist.

Das Wendebuch mit zwei Covern lädt Klein und Groß ein, genau darüber nachzudenken und einander zuzuhören. Ich finde, es ist ein tolles Geschenk, zum Beispiel zur Taufe.

Martina Edenhofer ist Pastoralbeauftragte im Salesianum in München und lebt in einem Dorf im Münchner Umland.

Cover "Mit Kindern beten – aber wie? & Wer ist Gott, fragt Ben" von Josephine Teske und Elena Huger

„Mit Kindern beten – aber wie? & Wer ist Gott, fragt Ben“ von Josephine Teske und Elena Huger (ruach.jetzt, € 22,00)


Kinderserie

Der kreative Alltag einer modernen Hundefamilie

Selten ist Familienalltag so unterhaltsam gewesen. In der Kinderserie Bluey dürfen Kinder zwischen etwa drei und sieben Jahren am Leben der namensgebenden blauen Hündin und ihrer Familie teilhaben. Dabei können sie in aktuell mehr als 150 Folgen mit jeweils unter zehn Minuten ebenso viel wohltuend Bekanntes wie anregend Neues entdecken.

Da spielen Bluey und ihre Schwester Bingo Krankenhaus mit ihrem Vater, der eine Spritze nach der anderen bekommt. Oder sie versuchen so lange wie möglich, einen Luftballon in der Luft zu halten und werden dabei von ihrem Vater torpediert. Und weil er der Grund dafür ist, dass der Ballon schließlich platzt, wird er auf Vorschlag von Mum selbst zum Luftballon.

Die Spielideen von Bluey, Bingo und ihren Eltern haben unsere Tochter schon häufiger angeregt, Ähnliches selbst umzusetzen. Aber nicht nur diese Ideen aus der Serie sind kreativ, auch die Umsetzung sprüht vor Einfallsreichtum. Mal laufen fast die gesamte Folge nur die mit Wackelaugen beklebten Hände der Hundefamilie durchs Bild. Ein andermal sehen wir das gesamte Geschehen durch Handykameras während eines Videocalls von Bluey und Bingo mit ihren Cousinen Muffin und Socks. Und spätestens wenn Muffin ihrem Vater das Handy klaut, wird sichtbar, was durch diese Perspektive alles möglich ist.

Bei all dem durchbricht die Serie nebenbei nach wie vor häufig reproduzierte veraltete Rollenbilder. Ganz alltäglich zeigt sie Papa beim Wäschezusammenlegen und anderen Hausarbeiten, während Mama zur Arbeit geht.

Bluey ist für mich ein herausragendes Beispiel für gelungenes Kinderfernsehen. Auch als Erwachsener freue ich mich, wenn ich das Stopptanz-Intro mit seiner einfachen Melodie höre, und lasse mich gerne von der Serie in ihren Bann ziehen. Übrigens: Vor kurzem wurde bekannt, dass Bluey auch ins Kino kommen wird. Leider wird das aber wohl noch bis 2027 dauern.

Christoph Sachs

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

Key Visual zu Serie bluey

„Bluey“, Regie: Joe Brumm, Richard Jeffery (Disney Plus), Foto: Disney Plus Press