Medientipps

Aktuelle Bücher, Filme, Podcasts und Hörbücher für Eltern, empfohlen von Müttern und Vätern oder von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Sachbuch

Lesen, lachen und verstehen: Eine Mutter packt aus

„Ich wusste nicht, wie migrantisch ich bin, bis ich Kinder hatte. Wie streng oder wie pragmatisch. Ich wusste nicht, wie heftig sich meine Art, Mutter zu sein, von der meiner nicht-migrantischen Freundinnen unterschied“, schreibt Elina Penner. Die „Migrantenmutti“ versteht viele Probleme der Eltern aus der Mehrheitsgesellschaft bis heute nicht. Und erzählt klug, witzig und auf den Punkt gebracht über ihre eigenen Erfahrungen in Sachen Elternschaft.

In den Texten der 1987 in der damaligen Sowjetunion geborene Autorin, die als „Hauptstadtmutti“ einen der bekanntesten Mütterblogs in Deutschland betreibt, geht es um Benimmregeln beim Essen, Hausschuhe, Klamottenkaufen und das Festhalten an Glaubenssätzen in der Corona-Zeit. Ihre Botschaft vor allem an diejenigen, denen der ganz normale Wahnsinn eines Lebens als Alleinerziehende, Mensch mit Migrationshintergrund oder Eltern aus der sogenannten Arbeiterklasse nicht vertraut ist: Locker bleiben!

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und zwei Teenager-Kindern in München. Alle sind Kartoffeln aus fränkischem Anbau, teilweise mit westfälischen Wurzeln.

"Migrantenmutti" von Elina Penner (aufbau Verlag, € 18,00)


Beeindruckende Lebensgeschichten

Vorbilder – die möchte ich meinen Kindern auf jeden Fall mitgeben fürs Leben. Dazu eignet sich die tolle Buchreihe "Little People, Big Dreams", die ich zur Zeit mit ihnen lese. Besonders angetan sind wir von der Geschichte über Anne Frank. „Wie heißt nochmal das Mädchen, dass sich zwei Jahre hinter einem Schrank verstecken musste?“, fragen meine Töchter oft, wenn sie mitbekommen, dass es irgendwie um Krieg und Diskriminierung geht. Das Grauen der Judenverfolgung wird in dem Buch deutlich, aber behutsam benannt und ist insbesondere durch die Illustrationen einprägsam.

Ein Vorbild ist Anne für meine Kinder nicht wegen ihres Martyriums, sondern weil sie oft leise sein musste. Und weil sie so ausgiebig Tagebuch geschrieben hat. Die vorletzte Seite des Buches kann ich auch nach vielen Vorleserunden nicht ohne brüchige Stimme lesen. Wortlos greift sich dann meine Neunjährige das Buch und liest zu Ende.

Fazit: Eine tolle Reihe, auch wenn die Illustrationen nicht immer hundertprozentig meinem Geschmack entsprechen.

Ulla Fricke

Ulla Fricke hat zwei Töchter und lebt in Köln. Sie liest leidenschaftlich gerne und wäre fast Buchhändlerin geworden. In der Leitung von Don Bosco Mission Bonn ist sie für Kommunikation, Bildung und Freiwilligendienst zuständig.

"Anne Frank" von María Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Dorosehva Sveta (Suhrkamp/Insel Verlag, € 13,95)


Interaktives Trauerbuch für Kinder

Abschied nehmen, vermissen, erinnern

Viele Menschen haben ein Problem mit dem Thema „Tod“ und ich gestehe: ich auch. Umso mehr hat es mir dieses Buch angetan. Denn es hilft Kindern und Jugendlichen, ihre Trauer und alle Gefühle, die damit verbunden sind, in Worte zu fassen, sie zuzulassen und sie nicht zu werten. „Weil du mir so fehlst“ von Ayse Bosse ist aber nicht nur ein Trauerbuch für Kinder. Es unterstützt die Eltern dabei, ihre Kinder durch die Trauer zu begleiten – und viele Anregungen können die Erwachsenen genauso gut für sich selbst umsetzen. Da wäre zum Beispiel der Brülleimer, in den man seine ganze Wut schreien darf. Oder die Feuer-Nachrichten, auf die man Botschaften oder Wünsche an die verstorbene Person schreiben und sie in ein Lagerfeuer oder eine Feuerschale werfen kann.
 
Schon den Anfang des Buches finde ich sehr gelungen, denn es gibt sowohl ein Vorwort für die Kinder als auch eines für die Erwachsenen. Und schon diese beiden Texte vermitteln Klein und Groß so viel Mut, dass man keine Angst hat, weiterzulesen, auch wenn man sich am liebsten vor dem Thema drücken würde. Auch alles Weitere, das folgt, nimmt die Kinder und Jugendlichen sehr behutsam und kreativ durch die Trauer mit. Es ist kein Buch nur zum Vorlesen, sondern zum Selbst-Aktiv-Werden. Es gibt Seiten, auf denen die eigenen Ängste und Fragen aufgeschrieben werden dürfen, und Seiten, auf denen Erinnerungen an die verstorbene Person festgehalten werden können. Dass dieser Aspekt ebenso aufgegriffen wurde, gefällt mir besonders gut. Denn so ist das Buch sowohl eine Stütze während der akuten Trauerphase als auch eine wertvolle Sammlung an Erinnerungen, die jederzeit durchgeblättert werden kann.
 
Und damit nicht genug: Das Trauerbuch für Kinder hat noch ein doppeltes Bonus-Material, das ebenso wunderbar gemacht ist. Zum einen liegt dem Buch ein Poster bei „Mein Recht auf Trauer“, das die verschiedenen Möglichkeiten der Trauer aufzeigt und jedes Kind darin bestärkt, so zu trauern, wie es will. Zum anderen hat der Sänger „Bosse“ extra für dieses Buch einen Song komponiert, der ebenfalls „Weil du mir so fehlst“ heißt und kostenlos zum Download bereitsteht. Dieses Lied trifft dieselbe Tonalität wie das Buch: In einer Leichtigkeit wird die Trauer ernstgenommen und versucht, die Wut in Mut umzuwandeln.
 
Als Lesealter wird „ab 4 Jahren“ angegeben und für mich gibt es nach oben keine Grenze, denn dieses Buch schafft es, mit unterschiedlichen Elementen jede und jeden an die Hand zu nehmen und durch die Trauer zu führen.

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

Cover Weil du mir so fehlst

„Weil du mir so fehlst“ von Ayse Bosse und Andreas Klammt (Carlsen, € 14,99)


Ratgeber

Mitten aus dem Familienleben

Eins muss ich gleich vorwegnehmen: Ich bin kein großer Fan von Elternratgebern. Doch das Buch „Kleine Kinder, starke Wurzeln“ von Daniela Albert hat mich überzeugt. Warum? Weil es ein Überblickswissen bietet und den Familienalltag ungeschönt auch mit seinen Katastrophen und Fehlversuchen zeigt.
 
Vom Babyalter bis zur Einschulung werden die verschiedenen Entwicklungsphasen des Kindes strukturiert dargestellt. Ob durchwachte Nächte, Wutanfälle oder die Spannung zwischen Nähe und Autonomie – die Autorin lässt ihre Erfahrungen als Dreifachmama, Familienberaterin und Erziehungswissenschaftlerin einfließen, beschreibt sehr offen, wo es auch bei ihr nicht immer rund lief, und rückt zum Teil immer noch bestehende Erziehungsmythen zurecht.
 
Das Plus des Buches wird gleich auf dem Cover erwähnt: „Was christliche Familien wachsen lässt“. Zuerst hat diese Formulierung bei mir eine leichte Skepsis ausgelöst. Aber: Es ist in der Tat ein Plus, das unaufdringlich und ohne Indoktrination daherkommt. Nach jedem Hauptkapitel gibt es kurze Impulse, wie Glaube in diesen frühen Kindheitsjahren gelebt werden kann und wie Eltern mit kleinen Ritualen helfen können, dass ihre Kinder Vertrauen zu Gott gewinnen.
 
Ein weiteres Plus für mich sind die Zusammenfassungen „Das Wichtigste in Kürze“ vor jedem Kapitel. So kann man schnell scannen, ob das Kapitel für einen gerade relevant ist oder ob man es großzügig überspringt.
 
Ich selbst habe mich in diesem Buch an sehr vielen Stellen wiederentdeckt und angesprochen gefühlt. Ich fand es sehr wohltuend, dass Daniela Albert nicht vorgibt, dass jeder Tipp bei jedem immer gelingt. Sätze wie „Familienleben ist kein täglicher Ritt in den Sonnenuntergang, sondern ein lebenslanger Lernprozess.“ oder „Mach es dir ruhig auch einmal einfach, wenn die Lebenssituation keine anderen Heldentaten hergibt.“ holen einen im konkreten Familienalltag ab. Daher: Leseempfehlung von mir.

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

Cover Kleine Kinder, starke Wurzeln

„Kleine Kinder, starke Wurzeln. Bedürfnisorientiert durch die ersten Jahre“ von Daniela Albert (Neukirchener Verlag, € 18,00)


Kinderbuch

Reise zur eigenen Identität

So ein Buch kann für Kinder eine ganz schöne Herausforderung sein. Wie oft legen sie – genau wie wir Erwachsene – Bücher weg und tun sich dann schwer, wieder einzusteigen. Da finde ich es sehr erfrischend, dass Clarissa Corrêa da Silva ihre kleinen Leserinnen und Leser genau dazu auffordert. Seiten überspringen, zurückblättern, nur mal einen Abschnitt lesen – in „Mein wunderbares Ich“ alles kein Problem.

In ihrem Buch vereint Corrêa da Silva, besser bekannt als Clari aus „Wissen macht ah!“ oder der „Sendung mit der Maus“, Wissensvermittlung, kuriose Fakten und Platz zum Kreativsein zu einem erfrischenden Mix über Gene und Epigene, die eigene Identität und das Älterwerden. Dabei nimmt sie die Kinder ernst, ohne in eine technische Sprache zu verfallen. Und falls doch mal ein Fachbegriff nötig ist, findet sich die Erklärung spätestens im nächsten Satz. Auch Themen wie Stress, Schmerz oder das Vererben eines Traumas lässt die Autorin nicht außen vor und ermutigt die Kinder dazu, sich selbst anzuerkennen und neu zu erfinden.

Für Kinder ab etwa zehn Jahren, die Stück für Stück mehr über sich selbst erfahren wollen, ist „Mein wunderbares Ich“ genau das Richtige.

Christoph Sachs

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

„Mein wunderbares Ich – Was mich ausmacht und welche Rolle die Gene dabei spielen“ von Clarissa Corrêa da Silva (cbj Verlag, € 15,00)


Biografie/Jugendbuch

Der heilige Franziskus – ein Vorbild für unsere Zeit?

Diese Biografie ist zugleich ein Reisetagebuch. Der Autor Alois Prinz nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine Wanderung durch Italien von Assisi nach Rom auf den Spuren des heiligen Franziskus. Er möchte besser verstehen, wie der Heilige war, der ihn schon seit seiner Kindheit begleitet. Möchte begreifen, warum gerade er heute vielen Menschen als Vorbild gilt.

So wandert man mit dem Autor durch Dörfer und Städte, ist unterwegs auf Straßen und Wegen, besuchen Klöster und Kirchen, immer entlang am Leben und Wirken von Franz, dem reichen Kaufmannssohn, der allen Besitz aufgab und sich für ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur entschied.

Dabei interessierte den preisgekrönten Biografen vor allem eine Frage: Warum kann gerade Franz von Assisi, dieser „unscheinbare kleine Aussteiger, der nichts besaß und nichts sein wollte, der sich selbst als ‚Idiot‘ sah und ‚Spaßmacher Gottes‘“, bis heute die Menschen begeistern? Antworten finden sich auf der Reise mit Prinz durch die Toskana und durch Umbrien – auf seinem ganz persönlichen Franziskusweg.

Vom Verlag empfohlen ab 12 Jahre. Jugendbuch des Monats April 2023 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München. Ihr Sohn heißt Franz – nach dem bekannten Heiligen.

„Franz von Assisi. Tierschützer, Minimalist und Friedensstifter“ von Alois Prinz (Gabriel Verlag, € 17,00)


Textsammlung

Gute-Laune-Stories

Es sind wunderbare, kluge und sehr humorvolle Kurzgeschichten über Lebenslagen von Menschen – immer mit Tiefgang und Absurdität, und trotz des Titels macht das Buch gute Laune. Ich finde, dass Mariana Leky eine ganz eigene Sprache gefunden hat, Geschichten mit großer Empathie auf den Punkt zu bringen. Die Stories sind so kurz, dass sie auch zwischen zwei U-Bahn-Stationen gelesen werden können. Also mein Tipp: Statt Handy zücken, „Kummer aller Art“ lesen!

Das Buch – die Texte waren erstmals als Kolumnen in der Zeitschrift "Psychologie heute" erschienen – erfreut durch eine tolle Optik und Haptik und ist bestens als Geschenk geeignet.

Margret Russer

Margret Russer ist Grafik-Designerin und Illustratorin von Kinder- und Sachbüchern mit eigenem Grafikbüro in München. Außerdem gestaltet sie Kunstobjekte aus Holz. Hund Urmel leistet moralische Unterstützung.

"Kummer aller Art" von von Mariana Leky (DuMont Buchverlag, € 22,00)


Serie

Herzerwärmend!

Erwachsen werden kann grausam sein. Die Eltern, die Schule, die Freunde. Und natürlich das ganze Desaster mit der Liebe. Wenn dann auch noch queere Menschen betroffen sind, kann es – immer noch – richtig kompliziert werden.

Die britische Serie "Heartstopper" zeigt genau so einen Fall. In der ersten Staffel (2022) kommen Charlie (Joe Locke), der schwul ist, und sein Mitschüler Nick (Kit Connor) sich näher und verlieben sich ineinander. Jetzt ist die zweite Staffel da und erzählt, wie es mit der Beziehung der beiden Teenager weitergeht. Inklusive mehrere Coming-Out-Anläufe, unterschiedliche Eltern-Reaktionen, Liebes-Chaos im Freundeskreis und ein Schulausflug nach Paris.  

Mir gefällt die Serie, weil sie die Jugendlichen mit ihren Kämpfen und ihrem Glück ernst nimmt. Das ganze Auf und Ab und Hin und Her der Gefühle wird so rührend, ehrlich und herzerweichend dargestellt, dass man mit jeder einzelnen Figur mitfiebert, wenn wieder irgendein Drama im Anmarsch ist – oder sich eins in Luft auflöst.

Wie schon Staffel 1 überzeugen auch die neuen Folgen durch einen fantastischen Cast, tolle Dialoge und eine bunt-fröhliche Ästhetik mit britischem Ambiente. Ich warte jetzt schon sehnlichst auf die angekündigte dritte Staffel.

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München. Durch ihre beiden Teenager-Kinder fühlt sie sich derzeit oft in ihre eigene Jugendzeit zurückversetzt.

"Heartstopper", 2. Staffel, Netflix; Foto: Netflix


Mitmachbuch

Zuhören, verstehen – und dann selbst aktiv werden

Vorlesen macht Spaß. Mein Mann und ich jedenfalls genießen die Momente, wenn unsere Zwillinge sich links und rechts an uns kuscheln und aufmerksam den spannenden Geschichten lauschen. Genauso schön ist es aber, wenn die beiden aktiv miterleben können, was wir ihnen da vorlesen. Wenn sie quasi Teil des Buches werden. Bei „Wink dem Wal“ von Nico Sternbaum ist genau das möglich.

Anton, das Alpaka, macht zum Beispiel gerne Musik, braucht zur Motivation aber etwas Applaus und freut sich, wenn man zusammen mit ihm das eigene Lieblingslied anstimmt. Unsere Tochter fängt auf dieser Seite immer an, „Bruder Jakob“ lauthals zu schmettern. Und Lara, das Tigermädchen, möchte gerne tigermäßig begrüßt werden. Wie das geht? Unser Sohn weiß es und berührt sofort mit seiner Nasenspitze Laras Nase.

Die Bilder sind liebevoll gezeichnet, die Mitmachaktionen für Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren passend ausgesucht. Nur die letzte Seite, nachdem für die Tiere im Stall das Licht ausgeknipst wurde, funktioniert bei unseren Zwillingen nicht. Da heißt es: „Nun klapp das Buch vorsichtig zusammen und stell es gaaanz leise ins Bücherregal, damit die Bauernhoftiere nicht wieder aufwachen.“ Da streiken unsere beiden. Aufräumen – das ist für sie eindeutig eine Mitmachaktion, die nur für Mama oder Papa gedacht sein kann.

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

Cover Wink dem Wal

„Wink dem Wal“ von Nico Sternbaum (Bassermann Verlag, € 9,99)


Kinderbuch

Haben die Menschen einen Vogel?

Haben die Menschen einen Vogel? Diese Frage stellt sich das Vogelkind, als es von seinen Eltern erfährt, was die Menschen in ihrer kurzen Geschichte auf der Erde schon alles angestellt haben. Los ging es mit Zelten, dann folgten Hütten, Straßen, Autos, Städte und sogar fliegen wollten sie! Für ihre Ideen fällten sie viele, viele Bäume, was ihnen der Vogelpapa ziemlich übel nimmt.

In den Illustrationen können die Leser noch weitere Untaten der Menschheit aber auch andere lustige Szenen entdecken. Am Schluss gibt es eine überraschende Erkenntnis für die Vögel: So schlecht sind sie gar nicht, diese Menschen.

Aus der Vogelperspektive erfahren Kinder, welche negativen Folgen manche Ideen der Menschen für die Umwelt haben. Die detailreichen Bilder laden dazu ein, miteinander über aktuelle Themen wie Umwelt- und Tierschutz zu sprechen. Das Buch schürt jedoch keine Zukunftsangst, sondern gibt Hoffnung und ist mit Witz geschrieben. Für Kinder im Kindergartenalter ist das Buch ein ansprechender Einstieg in die Thematik. 

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München. Die ganze Familie ist immer auf der Suche nach neuem Lesestoff.

"Aaah, diese Menschen! Und wie sie mit ihren Ideen fast alles versaut hätten..." von Miro Poferl (Edition Nilpferd, G&G Verlag, 16,00 €)


Kinderbuch

Den Schatz in sich selbst finden

Mit Kindern über abstrakte Begriffe wie „Liebe“ oder „Selbstwertgefühl“ zu sprechen, geht am besten über Geschichten und Bilder. Denn schon kleine Kinder verstehen, dass das „Herz“ ein Symbol für Liebe ist. Genau auf diese Art zeigen die Kunsttherapeutin Katharina Müller und die Illustratorin Anna Karina Birkenstock in ihrem Buch „Käthes wundersame Reise ins Herz“ Kindern ab fünf Jahren, was in ihnen steckt.

Käthe wacht an ihrem fünften Geburtstag auf und macht sich auf die Suche nach ihren Geschenken. Dabei trifft sie auf einen Baum, der plötzlich zum Leben erwacht und sie auf eine wundersame Reise schickt, auf der auch sich selbst kennenlernt.

Meiner fünfjährigen Tochter hat besonders „die Stelle mit dem Herz“ gefallen, als Käthe entdeckt, dass sie selbst „eine goldene Schatztruhe“ voller Freude und Liebe in sich trägt. In diese bildhafte Erzählwelt können Kinder wunderbar eintauchen. Die Aquarell-Malereien und Illustrationen sind farbenfroh und ansprechend, aber keineswegs kitschig.

Die Idee einer „Herzensreise“ mit Meditationen und Bildbetrachtung ist schön umgesetzt. Sie lädt dazu ein, mit den Kindern Meditation und Fantasiereisen auszuprobieren und auf kindgerechte Art über „Herzensdinge“ zu sprechen.

Marion Neuwirth

Marion Neuwirth arbeitet in der Redaktion von Don Bosco Medien. Sie hat zwei Töchter und lebt mit ihrer Familie in Taufkirchen bei München. Die ganze Familie ist immer auf der Suche nach neuem Lesestoff.

"Käthes WUNDERsame Reise ins Herz. Eine Geschichte mit stärkenden Meditationen für Kinder ab fünf Jahren" von Katharina Müller (LebensGut Verlag, € 20,00)


Erfahrungsbericht

Was einen Frühchenpapa umtreibt

Eine Geburt ist immer ein unfassbares Wunder mit einem großen Überraschungseffekt – denn gerade, wenn es das erste Kind ist, wissen weder Mama noch Papa in spe, was da genau auf sie zukommt. Noch extremer wird es, wenn das eigene Baby plötzlich zum Frühchen wird und vollkommen unerwartet im Urlaub die Familie komplett macht. So wie bei Daniel Pelz und seiner Frau.
 
In „Frühchenpapa – Ein Wegbegleiter“ nimmt der Autor die Leserinnen und Leser mit ins Krankenhaus und lässt sie an der Frühgeburt seiner Zwillinge und dem ganzen Gefühlschaos in den folgenden Wochen und Monaten teilhaben – an den Sorgen, den Zweifeln und der Wut auf unsensibles und überarbeitetes Krankenhauspersonal. Er beschreibt seinen Kampf mit Formalitäten und prangert die fehlende staatliche Unterstützung für Frühcheneltern an. Er spricht offen über Momente der Erschöpfung und über die Zwänge, in denen sich Frühchenväter befinden. Hinzukommen die Ängste aller Frühcheneltern: Werden die Kinder sich gut entwickeln? Werden sie Beeinträchtigungen haben? Werden sie irgendwann einfach „normale“ Babys sein – ohne ständige Arzttermine oder nächtliche Besuche in der Notfallaufnahme?
 
Die Sicht auf eine Geburt ist meistens weiblich. Schön, dass in diesem Buch mal ein Vater zu Wort kommt. Im ersten Teil berichtet Daniel Pelz anschaulich über seine eigenen Erlebnisse, im zweiten Teil unterfüttert er diese durch Gespräche mit Expertinnen und Experten sowie anderen Frühchenvätern. Abgerundet wird das Buch durch ein kurzes Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe für Frühcheneltern nachgeschlagen werden können.
 
Ich selbst bin zwar keine Frühchenmutter, habe das Buch aber trotzdem mit großem Interesse gelesen. Einige Situationen kamen mir bekannt vor, bei anderen habe ich mit dem Autor und seiner Familie mitgefühlt und mitgehofft. Das Buch richtet sich in erster Linie natürlich an Frühcheneltern, im Speziellen an Frühchenväter, und will ihnen Tipps und Hilfestellungen mit auf den Weg geben, aber es zeigt auch allen anderen, was einen Frühchenvater bewegt und dass eine Geburt eben nicht nur die Mutter betrifft.

Mehr dazu in unserem Interview mit Daniel Pelz.

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

Cover Frühchenpapa – Ein Wegbegleiter

„Frühchenpapa – Ein Wegbegleiter“ von Daniel Pelz (Brandes & Apsel, € 14,90)


Ratgeber

Strategien zur Krisenbewältigung

Eine schlimme Krankheit, Jobverlust, der plötzliche Tod eines geliebten Menschen. Auf alles vorbereitet zu sein, was das Leben vielleicht noch bereithält, ist unmöglich. Aber es könnte für den Fall der Fälle helfen, sich schon vorher mal Gedanken über mögliche Wege aus der Krise gemacht zu haben. Eine Hilfe dazu gibt Tita Kern mit „Wenn das Leben kippt“.

Das Buch lädt ein, sich mit den eigenen Strategien zur Stressbewältigung auseinander zu setzen: Bin ich der Typ, der erst mal gelassen bleibt? Jemand, der am liebsten selbst alles in die Hand nimmt? Oder setze ich im Notfall auf ein Netzwerk an vertrauten Menschen? Die Autorin hat einen Kompass mit den Polen Verbundenheit und Eigenständigkeit, Entschlossenheit und Geborgenheit entwickelt. Mit Hilfe von Gedankenspielen kann man sich darauf verorten und die eigenen Notfall-Mechanismen besser kennen lernen. Gleichzeitig gibt Tita Kern auch Anregungen dazu, neue Strategien zu entwickeln, wenn in einer Krise die üblichen Notfall-Mechanismen nicht mehr ausreichen.

Und noch etwas gehört für Tita Kern zur Krisenfestigkeit: Selbstfürsorge. Gerade als Eltern sind wir es gewohnt, uns ständig um andere zu kümmern und für unsere Kinder auch in Notfallsituationen stark zu sein. In „Wenn das Leben kippt“ finden sich Tipps, wie Mütter und Väter es schaffen können, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren und zu merken wann sie selbst Hilfe brauchen.

Wie gut ich eine Lebenskrise bewältigen kann, weiß ich vermutlich erst, wenn sie mich trifft. Aber sich mit vorab schon mit Strategien zur Krisenbewältigung beschäftigt zu haben, kann ja nicht schaden. Auf jeden Fall lernt man dabei eine ganze Menge über sich selbst.

Claudia Klinger

Claudia Klinger ist Redakteurin des Don Bosco Magazins und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

"Wenn das Leben kippt. Ein hilfreicher Kompass für Eltern in Lebenskrisen" von Tita Kern (Kösel Verlag, € 20,00)