Medientipps

Aktuelle Bücher, Filme, Podcasts und Hörbücher für Eltern, empfohlen von Müttern und Vätern oder von Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Gedichtband

Lass mal durchblättern!

Mein Gesamtfazit möchte ich gleich vorwegnehmen: Viel Liebe und eine genaue Beobachtungsgabe stecken auf jeder Seite dieses Gedichtbandes von Julia Engelmann. Die erfolgreiche Poetry-Slammerin schreibt über Mut, Hoffnung, Abschied, Selbstzweifel, Trauer und Leichtigkeit – und das mit einer großen Wortakrobatik.

Ich muss gestehen, dass ich zuerst skeptisch war. Denn „Lass mal an uns selber glauben“ ist ihr erster Best-of-Band. Mit 29 Jahren! Doch für mich sozusagen als „Julia Engelmann-Einsteigerin“ gar nicht so verkehrt. Am Rande habe ich immer mal etwas von ihr mitbekommen. Manches hat mir gefallen, manches nicht so. Und das ist auch der Eindruck, der bei mir nach dem Lesen dieser Sammlung ihrer schönsten alten und sechs neuer Texte bleibt. Aber das finde ich nicht schlimm – vielleicht ist das sogar nur normal.

Zwischen Julia Engelmann und mir liegen altersmäßig zehn Jahre. Nicht jeder Text spricht mich daher an, da sie oft Lebensgefühle beschreibt, die bereits hinter mir liegen. Trotzdem ist es interessant, über die Gedichte zu fliegen und so ein bisschen besser nachvollziehen zu können, was junge Leute gerade umtreibt – beziehungsweise sich daran zu erinnern, wie das damals selbst bei einem war.

Und es kommt ja auch auf die Perspektive an. Ihr Gedicht „Für meine Eltern“ hat mich sehr berührt, denn ich hoffe, dass mein Mann und ich auch einmal solche Eltern sein werden, wie sie dort beschrieben sind – die Halt geben und Vertrauen schenken, die immer da sind, selbst wenn sie nicht da sind. Auch die Liebeserklärungen an ihren Vater, ihre Mutter und ihren Bruder sind Texte, die jeden unabhängig des Alters packen können. Meine persönlichen Highlights waren darüber hinaus die Gedichte „Eichhörnchenmärchen“ und „Löwenherz“. Aber mehr will ich dazu nicht verraten. Denn das ist mein Fazit am Schluss: Es muss einem nicht jedes Gedicht in diesem Sammelband gefallen. Aber es lohnt sich, seine eigenen Schätze darin zu entdecken.

Nicole Stroth

Nicole Stroth ist Redakteurin bei Don Bosco Medien, Mutter von Zwillingen und lebt mit ihrer Familie in München.

„Lass mal an uns selber glauben“ von Julia Engelmann (Goldmann Verlag, € 12,00)


Sachbuch

Besser streiten

Debatten und Kommentarspalten haben mich in den vergangenen Monaten häufig frustriert. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass aneinander vorbeigeredet wurde oder schlicht Totschlagargumente und Beleidigungen ausgetauscht wurden. Angenehm unaufgeregt, sachlich und mit einer ordentlichen Prise Humor kommt dagegen das neue Buch von Mai Thi Nguyen-Kim „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ daher.

Die Wissenschaftsjournalistin und Produzentin des YouTube-Kanals maiLab hat sich darin das Ziel gesetzt, die aktuelle Forschungslage zu unterschiedlichen kontroversen Streitfragen zu analysieren und vorzustellen. Von der Legalisierung von Drogen über die Gender Pay Gap, die Erblichkeit von Intelligenz bis zur Sicherheit von Impfungen. Themen, mit denen früher oder später auch Eltern in Berührung kommen können.

Dabei gelingt es der Autorin mit anschaulichen Beispielen die wissenschaftlichen Methoden und Ergebnisse auch für Nicht-Fachleute verständlich zu machen und verbreitete Missverständnisse aufzuklären. Mai Thi Nguyen-Kim zeigt dabei deutlich, welche Aussagen gut belegt sind und wo die Grenzen der wissenschaftlichen Studien liegen, wo also verschiedene Meinungen völlig legitim sind.

Mich beeindruckt, wie sich Mai Thi Nguyen-Kim gelassen und kontinuierlich dafür einsetzt, die Diskussionen sachlicher und damit besser zu gestalten. Das zeigt sich in ihrem Buch und auch in ihren Videos. Mich ermutigt sie durch ihre Analysen mitzudiskutieren – sachlich, informiert und konstruktiv.

Martina Edenhofer ist Pastoralbeauftragte im Salesianum und lebt im Münchner Umland. Neben der Theologie taucht sie auch gerne in Krimis und historische Geschichten ein.

"Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Wahr, falsch, plausibel - die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft" von Mai Thi Nguyen-Kim (Droemer HC Verlag, € 20,00)


Ratgeber/Humor

Lachen gegen den Wellnesszwang

Ungestresst und tiefenentspannt – so wäre ich gerne viel öfter. Nur leider steht meistens so viel auf der innerlichen To-do-Liste, dass der Punkt „Muss mich entspannen“ ganz nach unten rutscht. Wenn dann noch andere davon erzählen, dass sie regelmäßig Sport machen, tollen Hobbies nachgehen oder Wellnesstage einlegen, frage ich mich immer, was ich eigentlich falsch mache.  

Wenn Entspannung zur Lifestyle-Pflicht wird, macht das alles nur noch anstrengender. Auf dieser Erkenntnis baut das Buch „Lassen Sie mich durch, ich muss zum Yoga“ auf und gibt einem das wunderbare Gefühl, nicht die einzige zu sein, die das mit der Wellness per Knopfdruck nicht hinkriegt. Sabine Bode erzählt mit echtem Haudraufhumor von Erlebnissen und Erfahrungen rund um das Entspannt-sein-Müssen – manchmal etwas zu überdreht, aber meistens echt lustig und genau deswegen äußerst entspannend!

Claudia Klinger

Claudia Klinger ist Redakteurin des Don Bosco Magazins und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

Cover Lassen Sie mich durch ich muss zum Yoga

"Lassen Sie mich durch, ich muss zum Yoga" von Sabine Bode (Goldmann Verlag, € 14,00)


Sachbuch

Lesestoff mit Checker Tobi

Seit zehn Jahren versorgen die Checker Can, Tobi und Julian Kinder im Fernsehen mit Einblicken in alles, was sie interessiert. Antworten auf Fragen wie „Woher kommt die Wut?“, „Ist Schadenfreude okay?“ und „Was ist Depression?“ finden Familien jetzt auch im ersten Band der der neuen Checker-Tobi-Buchreihe mit dem etwas sperrigen Titel „Der große Gefühle-Check: Freude, Wut, Traurigkeit: Das check ich für euch!“.

Neben den Themen im Titel geht es auch um Ekel, Angst, Überraschung und Liebe. Im Stil der TV-Sendung untersucht Checker Tobi sie nach und nach anhand einzelner Fragen und liefert so häppchenweise Informationen, ohne dabei banal zu sein. Auch kleine Exkurse, die man in diesem Band nicht sofort vermutet, finden Platz. So geht es auch um Cyber-Mobbing, Schimmel und das Trojanische Pferd.

Die Seiten sind locker und für Kinder ansprechend mit passenden Illustrationen und Fotos gestaltet, wirken aber nicht überladen. Wer bereits viele Folgen gesehen hat, wird auch einige Bilder wiedererkennen. Wenn es schwierig wird, taucht Roboter Roberta auf und erklärt verständlich Fachbegriffe. Und immer wieder finden sich auflockernde Elemente wie Witze, ein Spiel oder ein Mandala zum Ausmalen. Autor Gregor Eisenbeiß, der Checker Tobi und Roberta in diesem Buch die Worte in den Mund legt, hat auch beim Texten ganze Arbeit geleistet. Ganz im Stil der Sendung ist die Sprache gut verständlich und nah an der Lebenswelt der Kinder.

„Der große Gefühle-Check“ ist kein Buch, das Kinder unbedingt auf einmal lesen müssen. Durch seine Fülle an Informationen und Einblicken ebenso wie die häppchenweise Aufbereitung bietet es sich auch dazu an, es immer wieder hervorzuholen und neue Abschnitte zu entdecken. Kinder, die Checker Tobi mögen und gerne selbst lesen, werden mit der Reihe ihre Freude haben.

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

"Checker Tobi - Der große Gefühle-Check: Freude, Wut, Traurigkeit – Das check ich für euch!" von Checker Tobi und Gregor Eisenbeiß (cbj Kinderbuch, € 12,00)


Sachbuch

Über eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung

Zugegeben, der Titel des Buchs von Philippa Perry ist nicht gerade griffig. Doch auch das Buch erhebt nicht den Anspruch, einfache, prägnante Antworten auf schwierige Fragen zu geben. Die Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin Philippa Perry widmet sich darin dem eher komplexen Thema der Eltern-Kind-Beziehung. Kann ich beeinflussen, zu was für einer Person mein Kind heranreift? Welche Rolle spielt dabei das Verhältnis zu meinen eigenen Eltern?

In Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel diese Szene, die Philippa Perry mit ihrer dreijährigen Tochter erlebt hat: Eines Tages wollte ihre Tochter auf dem Weg zu den Geschäften nicht in ihren Buggy steigen, sondern lieber laufen. Auf dem Rückweg blieb die Tochter aber einfach stehen und setzte sich auf eine Treppe. Bei der Mutter löste das ein inneres Stöhnen aus, sah sie sich in Gedanken doch schon zu Hause die Einkäufe wegräumen, sich entspannen und ausruhen. Doch sie stellte erst einmal die Taschen ab und hockte sich neben ihre Tochter. Gemeinsam beobachteten sie eine Ameise, die einem Riss im Bergsteig folgte. In diesem Moment erkannte die Mutter, dass ihre Tochter von den vielen neuen Eindrücken während des gemeinsamen Einkaufs erschöpft war und eine Ruhepause brauchte. Wäre es sinnvoll gewesen, die Tochter zum Weitergehen zu zwingen?

In dieser Situation lässt sich eines der Hauptmotive der Autorin finden: Auf einfühlsame Weise möchte sie dafür sensibilisieren, dass es bei der Erziehung um mehr geht als um Töpfchen-Training oder ums Abstillen. Es ist ein Versuch, Kinder und ihre Gefühle ernst zu nehmen und sie zu verstehen, weil das eben die Basis einer gesunden Bindung zwischen Eltern und Kindern ist. Zumal legt es, wie Perry anschaulich darlegt, auch das Fundament einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

In diesem Sinne verspricht der Titel nicht zu viel: Es wäre schön, wenn viele Eltern dieses Buch in die Hand bekommen.

Patrizia Czajor

Patrizia Czajor lebt mit ihrem Freund in München. Wäre sie nicht Journalistin geworden, hätte sie Psychologie, Politik oder Soziologie studiert. Eine Politik-Talkshow ist für sie wie ein Krimi. Hätte sie mehr Zeit, würde sie öfter verreisen.

"Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen" von Philippa Perry (Ullstein Verlag, € 19,99)