Medientipps zum Erben und Vererben

Erinnerungsbuch

Gedanken an die eigenen Kinder weitergeben

Eigentlich gehe ich davon aus, dass ich als Mama meine Kinder durchs Leben begleiten werde bis sie erwachsen sind – und gerne auch noch ein Stück darüber hinaus. Dass ich ihnen immer dann einen Rat geben kann, wenn sie ihn gerade brauchen. Dass ich noch alle Zeit der Welt habe, im richtigen Augenblick meine Gedanken mit ihnen zu teilen. Aber was ist, wenn ich die Zeit doch nicht habe? Wenn ich sterbe, bevor die passenden Augenblicke und richtigen Zeitpunkte da waren?

Gedanken, Werte und Erinnerungen in Buchform festzuhalten und damit weitergeben zu können, finde ich eine tröstliche Idee. Auf der Suche nach einem passenden Buch dafür bin ich auf „Für den Fall, dass ich nicht mehr da bin“ gestoßen. Das Schöne daran ist, dass es kein reiner Fragenkatalog ist, den man abarbeitet, sondern Platz lässt für persönliche Worte und eigene Gefühle und Erinnerungen.

In 16 Kapiteln führt das Buch durch verschiedene Lebensabschnitte – manchmal mit klaren Fragen und manchmal mit liebevoll formulierten Inspirationen, die nichts Genaues vorgeben, sondern nur Denkanstöße liefern. Außerdem ist immer wieder Platz dafür, dass das Kind später beim Lesen und Erinnern selbst etwas dazuschreiben kann.

Ein Buch, aus dem ein wirklich persönliches und emotionales Erinnerungsstück werden kann.

Claudia Klinger

Claudia Klinger arbeitet als Redakteurin bei Don Bosco Medien und schreibt gerne über Themen rund um Familie und soziale Gerechtigkeit. Sie ist Mama von drei Jungs.

Cover Für den Fall dass ich nicht mehr da bin

„Für den Fall, dass ich nicht mehr da bin“. Erinnerungsbuch zum Ausfüllen von LBC (independently published, € 27,99)


Podcast

Wenn Frauen erben – wertvolle Erfahrungen und Tipps

Über Geld spricht man nicht, schon gar nicht, wenn es ums Erben geht. Dabei werden in Deutschland jedes Jahr Hunderte Milliarden Euro weitergegeben. Was nach finanzieller Sicherheit klingt, fühlt sich jedoch oft überfordernd an. Die Podcastfolge „Geerbt - und jetzt? Erben für Anfängerinnen“ des Finanzpodcasts „What The Finance!“ richtet sich an Frauen und greift diese Unsicherheiten auf.

Zu Gast sind die Journalistinnen Ulrike Scheffer und Irene Genzmer, Autorinnen des Buches „Erben für Anfängerinnen“, das von Scheffers eigener Erfahrung inspiriert wurde. Sie erbt ein größeres Vermögen und merkt, dass ihr das nötige Finanzwissen fehlt. Statt Erleichterung erlebt sie damals Druck. Schnell wird deutlich: Eine Erbschaft ist nicht nur ein Geldsegen, sondern bringt Entscheidungen mit sich - über Anlagen, Immobilien, Versicherungen und die eigene Lebensplanung.

Im Gespräch geht es um typische Hürden: Warum Frauen sich bei Geldfragen oft unsicher fühlen, weshalb viele zu schnell auf Bankempfehlungen hören und wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen. Die Autorinnen sprechen über ETFs, sinnvolle Rücklagen, Immobilien und darüber, wie hilfreich ein Gespräch zu Lebzeiten der Eltern über Erbe und Vermächtnis sein kann.

Die Folge macht Mut, Verantwortung anzunehmen, ohne sich unter Druck setzen zu lassen. Denn Erben heißt nicht nur, Geld zu bekommen. Es heißt, die eigene Haltung zu Geld zu klären – und bewusst zu entscheiden, wie man leben möchte.

Janina Mogendorf

Janina Mogendorf arbeitet als freie Journalistin für Magazine und Online-Formate. Mit ihrem Mann, ihrer Tochter und Hund Benni lebt sie in Königswinter.

Cover-Visual Podcast What The Finance Finanz-Podcast für Frauen

„What The Finance!“ (Brigitte Academy) 


Essay

Eine Geschichte über das Leben

25 Jahre nach dem Tod des Vaters wagt sich der Sohn endlich daran, den Nachlass des Verstorbenen zu sichten. Der Nachlass: eine Bananenschachtel voller Papiere. Schuldscheine, getürkte Lebensläufe, unangenehme Briefe. Die Kiste führt den Sohn zurück in eine schwierige Kindheit mit einem abwesenden, kriminellen Vater. 

Der Sohn hatte die Kiste nicht öffnen wollen und mit Widerwillen daran gedacht. Doch: „Mit dem Erbe ging es mir wie allen: Eines Tages musste sich jeder darum kümmern.“ Als er das schließlich tut, geht es ihm um viel mehr als um den Inhalt der staubigen, muffigen Kiste, sondern um die großen Fragen, die dieses Erbe bei ihm aufwirft. Was ist Familie? Was bedeutet Herkunft? Was ist ein Mensch? 

Der Schweizer Dramaturg und Publizist Lukas Bärfuss konfrontiert sich selbst mit diesen Fragen, sucht nach Erklärungen, formt eigene Ideen. All das tut er mit einer Tiefe, die berührt und aufwühlt und beim Lesen unweigerlich eigene Gedankenspiele in Gang setzt. 

Ein ganz und gar unpraktisches Buch. Kein Ratgeber. Ein Buch, das nicht Antworten gibt, sondern Fragen stellt – und gerade deshalb sehr zu empfehlen ist. 

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden großen Kindern in München.

Cover Buch Vaters Kiste

„Vaters Kiste. Eine Geschichte über das Erben“ von Lukas Bärfuss (Rowohlt Verlag, € 18,00)


Podcast

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem, was bleibt

Die wenigsten Menschen beschäftigen sich gerne mit dem Tod, egal ob es um den eigenen Nachlass oder konkret um das Sterben geht. Eine niedrige Einstiegshürde bei diesem Thema bietet eine Reihe mit dem Titel „Besser sterben“ des Podcasts „Meine Challenge“ von MDR WISSEN.  In vier Folgen setzt sich die Reporterin Daniela Schmidt intensiv mit Fragen rund um das Sterben auseinander. Sie spricht mit Expertinnen und Experten, besucht Kurse und stellt sich auch ganz persönliche Fragen. Es geht um den eigenen Tod, das Begleiten von Sterbenden und die Frage, was nach dem Tod kommt.

Die vierte Folge setzt sich auch damit auseinander, was nach unserem Tod von uns bleibt. Wie soll die eigene Beerdigung ablaufen? Welche Form der Bestattung wünschen wir uns? Was wünschen wir uns von unserer Familie und unseren Freunden? Und wie können wir die Erinnerung an uns wachhalten? Daniela Schmidt testet zum Beispiel, ob sie einen KI-Bot mit der eigenen Stimme und Informationen über sich füttern kann, damit ihre Hinterbliebenen später gewissermaßen mit einer Kopie von ihr sprechen können. Ob das erfolgreich ist, möchte ich hier nicht vorwegnehmen.

Das Selbstexperiment und Daniela Schmidts persönliche Gedanken und Erfahrungen rund um Sterben, Tod und das, was bleibt, sind mehr als hörenswert. Sie regen zum Nachdenken an, reduzieren – zumindest bei mir – Blockaden und Ängste und sind trotz des schwierigen Themas immer wieder auch unterhaltsam.

Christoph Sachs

Christoph Sachs ist Redakteur bei Don Bosco Medien und lebt in München. Neben dem Schreiben backt er leidenschaftlich gerne Brot, fotografiert und vertieft sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Brettspiele.

Cover Podcast Besser sterben, Was bleibt von mir übrig?

„Meine Challenge: Besser Sterben“, MDR WISSEN (abrufbar in der ARD Audiothek), Foto: MDR


Roman

Fünf Tage, die das Leben einer Familie für immer verändern

Der Besitzer eines Anwesens in der englischen Grafschaft Sussex ist gestorben und die Familie kommt zur Beerdigung zusammen. Fünf Tage verbringen die drei Kinder in ihrem Elternhaus und werden dort mit einem großen Erbe und mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. 

Für mich ist dieses Buch eines der schönsten und bewegendsten der vergangenen Monate. Allein die Naturbeobachtungen, die meisterliche Beschreibung von Vögeln, Käfern, Pilzen, Hirschen, Bäumen auf den weitläufigen Ländereien der Familie haben mich tief berührt. Ebenso intensiv schildert die Autorin, was der Tod des Patriarchen und seine Folgen für die einzelnen Familienmitglieder bedeuten. 

Es geht dabei um Erbe und Verantwortung, um Verletzungen aus der Kindheit und Herausforderungen in der Gegenwart. Der Familienroman schildert das Leben, die Liebe und den Tod in vielen Facetten. Ein Buch, das den Blick auf die Welt und unseren eigenen Stellenwert in ihr verändern kann. 

Christina Tangerding

Christina Tangerding ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden großen Kindern in München.

Cover Wo wir uns treffen

„Wo wir uns treffen“ von Anna Hope, Übersetzung: Ulrike Kretschmer (Hanser Verlag, € 25,00)