Tümpelsafari

Natur entdecken in der Oberpfalz

Bei den Öko-Erlebnistagen im Kloster Ensdorf werden Kinder zu Nachwuchsforschern. Nebenbei erfahren sie Wissenswertes über die Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung.

veröffentlicht am 31.08.2018

Vögel zwitschern und übertreffen sich gegenseitig mit kurzen, rhythmischen Melodien, Mücken summen durch die Luft und ab und zu schwirren Libellen über die Wasseroberfläche – und mitten in diesem Naturidyll sitzen 21 Mädchen und Jungen einer Grundschule aus Niederbayern. Bei den Öko-Erlebnistagen im Kloster Ensdorf sollen die Viertklässler ihre Umwelt besser kennen- und schätzen lernen. Deswegen heißt die erste Übung: still sein und auf die Geräusche um sich herum hören. Fünf Minuten lang. Die Kinder haben sich um den Weiher verteilt und es sich auf dem Holzsteg oder auf der Wiese bequem gemacht. Manche haben ihre Augen geschlossen, andere schauen gebannt ins Wasser und tippen sich gegenseitig an, wenn sie ein Tier entdeckt haben. Fünf Minuten klappt diese Übung, doch dann ist es Zeit, bei der sogenannten „Tümpelsafari“ endlich selbst aktiv zu werden.

Melanie Hahn, die Leiterin der Umweltstation im Kloster Ensdorf, teilt die Schulklasse in sechs Gruppen auf, von denen jede einen Kescher, eine weiße Plastikschale, eine Becherlupe und einen Pinsel bekommt. Jetzt dürfen die jungen Forscher loslegen und an verschiedenen Stellen des Feuchtbiotops nach kleinen Lebewesen Ausschau halten. „Wir haben schon einige Kaulquappen entdeckt“, erzählt Leon und stützt sich stolz auf seinem Kescher ab. Dominik trägt währenddessen seinen Fang in der mit Wasser gefüllten Becherlupe hinüber zu einem langen Campingtisch, auf dem mehrere Mikroskope aufgebaut sind. So vergrößert sehen die Tiere noch beeindruckender aus. Mithilfe eines Bestimmungsbuches und der Erklärungen von Melanie Hahn erfahren die Kinder mehr über ihre tierischen Funde. Doch die Forschungsobjekte sollen nicht zu lange draußen bleiben, und die Kinder werden angehalten, sie möglichst schnell wieder ins Wasser zu lassen. „Aber ganz vorsichtig. Man darf sie nicht einfach aus der Höhe ins Wasser schmeißen“, weiß Luca.

Forschergeist und Entdeckerdrang wecken

Die Tümpelsafari ist bei den Öko-Erlebnistagen ein beliebtes Modul und wird am meisten gebucht. „Die Kinder sollen den Lebensraum Wasser mit allen Sinnen erfahren“, beschreibt Melanie Hahn das Ziel dieser zwei Stunden am Weiher. „Und wenn sie in Zukunft an einem Gewässer sind, sollen sich die Schüler daran erinnern, dass da sehr viele Lebewesen wohnen und dass man die Gewässer schützen muss.“ Die 31-jährige Biologin und Kräuterpädagogin findet es wichtig, Kinder möglichst früh an die Natur heranzuführen: „Im jungen Alter ist der Forschergeist und Entdeckerdrang noch viel größer. Da kann man viel bewirken.“

Diese Erfahrung macht auch Pater Christian Liebenstein, der Direktor des Klosters Ensdorf. „Vor allem die Kinder der dritten bis fünften Klasse finden das ganz spannend und faszinierend. Für sie ist das eine tolle Chance, bei uns die Schönheit und das Staunenswerte an der Natur kennenzulernen.“ Und das Areal ist ideal dafür geeignet: mit Waldstücken, Streuobstwiesen, Kalkmagerrasen, dem Feuchtbiotop, der Vils und einem Schaubienenstand. Seit 1996 gibt es in Ensdorf den Bereich der Umweltbildung. „Bei den Salesianern geht es immer um die Zukunft von jungen Menschen“, führt Pater Liebenstein aus. „Das ist eine ganz globale Fragestellung – in welcher Welt werden die Jugendlichen wohnen, wie wird die Luft da sein, wie das Wasser? Sie sollen für die Natur sensibilisiert werden und wir können durch unsere Angebote einen wichtigen Baustein dazu leisten.“ Mit Erfolg: Von April bis Oktober sind pro Woche etwa vier bis fünf Klassen im Schullandheim der Umweltstation untergebracht und begeben sich mit dem Kanu auf die Vils, sammeln Wildkräuter oder lernen, wie sie ohne Strom kochen können.

Für die Grundschüler aus Niederbayern geht es nach der Mittagspause mit einem Orientierungslauf weiter. Melanie Hahn erwartet sie bereits vor der Umweltstation. „Wir wollen jetzt einmal ausprobieren, wie man sich ganz ohne technische Hilfsmittel orientieren kann“, erklärt sie. „Mit Karte und Kompass zum Beispiel. Oder auch mit Merksprüchen zu den Himmelsrichtungen. Kennt ihr da welche?“ Mehrere Finger strecken sich blitzschnell in die Höhe. „Nie ohne Seife waschen“, ruft ein Mädchen. „Im Osten geht die Sonne auf, im ...“, ein anderes Mädchen stockt. „Ich weiß nicht mehr, wie’s weitergeht“, fügt sie hinzu. Gemeinsam mit Melanie Hahn sagt die Klasse im Chor den Merkspruch auf: „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.“ Die Kinder folgen den weiteren Ausführungen von Melanie Hahn aufmerksam. Sie erzählt von Seefahrern, Sternbildern und Orientierungshilfen im Wald. Als Nächstes teilen sich die Schüler wieder in Gruppen auf. Jede erhält eine Karte vom Klostergelände, auf der bestimmte Punkte eingezeichnet sind. Dort hängen orange-weiße Wimpel mit unterschiedlichen Fragen, die die Kinder beantworten sollen.

Teamwork und soziale Kompetenzen schulen

Als Melanie Hahn den Startschuss gibt, laufen die Kinder aufgeregt los. Auch die Gruppe von Meike wirft nur einen kurzen Blick auf die Karte und beginnt, zu rennen. „Ich weiß schon, wo die erste Station ist. Das ist da vorn.“ Ihre vier Mitstreiterinnen biegen nach rechts ab, merken aber schnell, dass sie genau in die entgegengesetzte Richtung müssen. In rasantem Tempo geht es so über das Kloster-gelände hin und her. Eine Frage nach der anderen wird beantwortet: „Wie orientieren sich Brieftauben?“, „Wohin zeigt die weiße Nadel des Kompasses?“, „Welches Sternbild gibt es wirklich?“ Nicht immer sind sich die Mädchen einig. Aber sie haben keine Zeit, lange zu überlegen.

Es ist heiß, 27 Grad, und der anfängliche Enthusiasmus beginnt, in der Sonne dahinzuschmelzen. Die Schritte werden langsamer und schlurfender, und Meike, die bislang immer vorweg gesprintet ist, ruht sich auf einem Baumstamm aus. Emilia versucht, die anderen zu motivieren, und winkt ihnen aufmunternd zu. Gemeinsam gehen sie weiter, als ihnen ein anderes Mädchen mit gesenktem Kopf entgegenkommt. Sie wurde von ihrer Gruppe abgehängt. Emilia und Meike nehmen sie kurzerhand bei sich auf und sie bekommt sofort die Karte in die Hand gedrückt. Teamwork und soziale Kompetenzen – auch die sollen bei den Öko-Erlebnistagen geschult werden.

Eine Stunde später versammeln sich die Schülerinnen und Schüler wieder vor der Umweltstation. Der Orientierungslauf hat bei allen seine Spuren hinterlassen. Die Wangen sind von der Hitze gerötet, die Haare zerzaust. Ein paar Mädchen lassen sich müde auf die Bank fallen, der Rest nimmt auf dem Boden Platz.
Melanie Hahn spricht mit den Kindern die einzelnen Fragen durch. Immer wieder ist ein triumphierendes „Ja“ zu hören, wenn die Mädchen und Jungs bei den Antworten richtig getippt haben. Selbst jetzt, vom Tag sichtlich geschafft, hören sie noch konzentriert zu und sind eifrig bei der Sache. Im Hintergrund schreien ein paar Turmfalken und der aufkommende Wind sorgt für etwas Abkühlung. Die Öko-Erlebnistage im Kloster Ensdorf wollen Kinder und Jugendliche zum Staunen und Nachdenken anregen – bei den Grundschülern aus Niederbayern ist dieses Konzept voll aufgegangen.   

Leben in und mit der Natur

Solaranlagen, Hackschnitzelheizung, regionale Küche: Im Kloster Ensdorf wird auf Nachhaltigkeit geachtet – selbst bei den Putzmitteln. Was im Kleinen auf dem Gelände gelebt wird, wird auch an die jungen Generationen weitergegeben. Kinder und Jugendliche sollen durch die Angebote der Umweltstation erfahren, dass die Natur schätzens- und schützenswert ist. Gefördert wird dieses Engagement durch das bayerische Umweltministerium. Und seit der päpstlichen Enzyklika „Laudato si‘“ werden die Angebote des Klosters Ensdorf auch von Erwachsenen stark nachgefragt.


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