Meine Zeit im Internat in Stams

Jasmin Berg: „Man kriegt den Glauben nicht aufs Auge gedrückt“

Sie ist 26 Jahre alt, Sozialpädagogin, und lebt mit ihrem Mann in einem Dorf in Tirol. Ganz in der Nähe, in Stams, besuchte Jasmin Berg während ihrer Gymnasialzeit ab 2004 das Internat der Don Bosco Schwestern – wie Jahre zuvor ihre Mutter.

veröffentlicht am 13.09.2020

Schon als Mädel war ich mit meiner Mutter oft hier. Ich bin ein Einzelkind und mich hat das wahnsinnig fasziniert: ein Haus voller Mädchen, man hat immer jemanden zum Spielen, es ist immer jemand da. Deswegen wollte ich auch hierher.

Anfangs war es für mich wahnsinnig schwierig, weil ich zu meinen Eltern einen sehr engen Draht gehabt habe. Es war so cool hier, ich hatte das immer gewollt, es war so schön – und gleichzeitig war ich sehr traurig, dass Mama und Papa nicht mehr da waren.

Auf Augenhöhe miteinander reden

Aber die Schwestern waren immer da. Mit ihnen konnte ich reden. Sie haben mir über das Heimweh hinweggeholfen. Überhaupt waren sie immer geduldig, wenn etwas nicht funktioniert hat. Sie waren nicht gleich sauer, wenn man nicht ganz brav war, wenn man mal heimlich eine Zigarette geraucht hat oder nicht pünktlich heimgekommen ist. Es war nie so, dass man riesigen Ärger bekommen hat. Man hat sich einfach hingesetzt, ist ernst genommen worden, hat miteinander geredet, auf Augenhöhe. Das schätze ich bis heute sehr.

Ganz oft werde ich gefragt, ob es für mich nicht seltsam war, bei Ordensschwestern aufzuwachsen. Aber ehrlich gesagt hat das für mich nie eine Rolle gespielt. Man hat den Glauben hier nicht aufs Auge gedrückt gekriegt oder ist ständig damit bombardiert worden. Die Schwestern haben dir von ihrem Glauben erzählt und du hast nachfragen können. Aber ich habe nie das Gefühl gehabt, dass von mir erwartet wird, dass ich megamäßig gläubig bin.

Ich bete für dich mit!

Ich fand das Prinzip mit den Betschwestern sehr schön. Am Kennenlernabend in der ersten Woche bekam jedes Mädchen per Los eine Schwester zugeteilt. Diese Betschwester war ab dann deine Ansprechperson, wenn du etwas gebraucht hast, wenn du irgendwelche Sorgen oder Probleme gehabt hast. Meine Betschwester hat die ganzen acht Jahre immer zu mir gesagt, es ist nicht schlimm, wenn du nicht gläubig bist, ich bin gläubig genug für uns beide und ich bete für dich mit!

Weitere Informationen über das Don Bosco Haus der Don Bosco Schwestern in Stams


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