Kinderarbeit

Don Bosco hilft Minenkindern im Kongo

Die Mine in Rubaya in der Demokratischen Republik Kongo zählt zu den wichtigsten Coltan-Bergwerken weltweit. Viele Kinder und Jugendliche müssen dort arbeiten – ohne Schutzkleidung und für lediglich ein paar Euro. Die Salesianer ermöglichen ihnen Bildung.

veröffentlicht am 28.10.2021

Hoch oben in den Bergen der Region Masisi liegt die Rubaya-Mine. Seltene Mineralien und Erze sind dort zu finden – wie zum Beispiel Coltan. Da es in der vulkanischen Region viel und heftig regnet, wird das Coltanerz über Flüsse aus dem Berg geschwemmt und sammelt sich dann im Flussbett. Coltan ist ein wichtiger Rohstoff für Handys und deshalb weltweit heiß begehrt.

In der Regenzeit ist der Boden nass und schwer. Eine volle Schaufel kann der achtjährige Tayo* nicht hochstemmen. Aber er muss weiterarbeiten, um den Reichtum des Kongo aus dem Boden zu holen: Rohstoffe wie Coltan und Kassiterit. Barfuß steht er im Matsch. Viele Stunden, manchmal den ganzen Tag. Neben ihm schuften weitere Kinder und Jugendliche. Die Kleinsten machen Botengänge. Nur wenige von ihnen haben jemals eine Schule besucht. Kinderarbeit ist in der Demokratischen Republik Kongo verboten, aber die Umsetzung des Verbots wird kaum kontrolliert.

Leben in extremer Armut

Auch der Vater von Tayo schürft nach dem wertvollen Erz. In Gummistiefeln steht er knietief im Matsch. Der Bergmann gräbt einen Kanal in das Flussbett und legt Steine an den Rand. So werden die Mineralien ausgewaschen. Dann greift er in den Matsch und zeigt auf ein paar glitzernde Steinchen in seiner Handfläche: Coltan. Dieses Erz sichert seiner Familie und ihm das Überleben.

Für die Familien in der Region Nord-Kivu gibt es oft keine andere Möglichkeit, Geld zu verdienen, als im Tagebau zu arbeiten. Obwohl Kinderarbeit im Kongo verboten ist, arbeiten auch viele Minderjährige in der Mine – unter katastrophalen Bedingungen. Die Arbeit in den Minen ist sehr gefährlich. Jedes Jahr gibt es Erdrutsche, denen auch Kinder zum Opfer fallen. Trotz der wertvollen Bodenschätze zählt der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Großteil der Bevölkerung des zentralafrikanischen Landes lebt in extremer Armut.

Viele Familien können die Schulgebühren für ihre Kinder nicht bezahlen. Deshalb schicken sie die Kinder schon früh in die Minen. Der Lohn ist meistens gering und reicht gerade einmal für die Kleidung und etwas zu essen. Kinder werden in der Regel schlechter bezahlt als Erwachsene. Es wird geschätzt, dass Tausende Minderjährige in den Minen schuften. Viele bis zu acht Stunden am Tag.

Rohstoffreichtum als Fluch

Nach Angaben des internationalen Kinderhilfswerks UNICEF ist die Zahl an arbeitenden Kindern im Jahr 2021 weltweit auf 160 Millionen gestiegen. Während die Zahlen früher rückläufig waren, sind sie jetzt erstmalig durch die Corona-Pandemie angestiegen. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika. Dort muss jedes fünfte Kind arbeiten gehen. Befürchtet wird, dass bis Ende 2022 weltweit bis zu 46 Millionen Kinder zusätzlich in Kinderarbeit gedrängt werden könnten. In vielen armen Ländern mussten Familien schon vor der Corona-Pandemie um ihr Überleben kämpfen. Durch die Ausgangssperren hat sich diese Situation noch mal verschlechtert. Viele Eltern können ihre Familie nicht mehr ernähren. Deswegen müssen immer mehr Jungen und Mädchen arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

Der Rohstoffreichtum im Kongo ist auch sein Fluch. Seit vielen Jahren treibt der Traum vom schnellen Geld im Osten des Landes eine Spirale der Gewalt an. Die Sicherheitslage ist prekär. Konkurrierende Milizen und Banden liefern sich blutige Kämpfe auf Kosten der Zivilbevölkerung. Früher war Rubaya ein kleines verschlafenes Bergdorf rund 60 Kilometer westlich der ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma. Die Bevölkerung lebte vor allem von der Landwirtschaft. Dann wurde das Coltan-erz entdeckt. Als in den 1990er-Jahren die Nachfrage für Computer und Mobiltelefone immer größer wurde, strömten immer mehr Menschen nach Rubaya, um nach dem wertvollen Erz zu graben. Zehntausende von Menschen schürfen mittlerweile nach dem Rohstoff.

Die Salesianer Don Boscos bieten armen Familien Unterstützung und Hilfsprogramme an. In Zukunft soll 400 Kindern und Jugendlichen in den Bergbaugebieten Zugang zu Bildung ermöglicht werden. „Der Teufelskreis aus Armut und Ausbeutung kann nur mit Bildung durchbrochen werden“, sagt Pater Jean-Pierre Muhima Mutaka, Leiter des Don Bosco Projektbüros in Goma. Statt in den Minen zu arbeiten, sollen die Kinderarbeiter am Unterricht teilnehmen oder in Brückenkursen auf die Regelschule vorbereitet werden. Die meisten Kinderarbeiter haben noch nie eine Schule besucht. Auch Berufsbildungskurse sollen angeboten werden, um den ehemaligen Kinderarbeitern bessere Zukunftschancen zu ermöglichen.

Viele Gespräche mit Dorfgemeinschaften und Familien

Lokale Vertreter der Zivilgesellschaft begrüßen die Initiative der Salesianer Don Boscos. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Kinder wieder in die Schule zurückzuholen und ihnen eine Berufsausbildung zu ermöglichen – für eine bessere Zukunft fernab der Bergbaugebiete.

„Die Tatsache, dass Kinder in den Minen arbeiten müssen, erfordert ein dringendes Eingreifen humanitärer Organisationen“, sagt Vikar Batundi Hangi von der Organisation „Erzminen im Nord-Kivu“. Er ist einer von mehreren Partnern, mit denen die Don Bosco Einrichtungen im Kongo einen Plan zur Rettung der Kinder ausgearbeitet haben. Dies erfordert vor allem auch Hartnäckigkeit. Viele Gespräche seien notwendig, um die Dorfgemeinschaften zu überzeugen, dass Kinder in die Schule gehören und nicht in den Tagebau. „Wir müssen die Eltern überzeugen, dass ihre Kinder zur Schule gehen sollten, anstatt zu arbeiten. Und wir müssen ihnen Perspektiven aufzeigen“, so Pater Jean-Pierre.

*Name geändert

Mehr Informationen über die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern im Kongo bei Don Bosco Mission Bonn, Don Bosco Mission Austria und der Missionsprokur der Don Bosco Schwestern.

Hoffnung für die Minenkinder

Die Salesianer Don Boscos sind seit den 1980er-Jahren in der Millionenstadt Goma im Kongo tätig. Insgesamt 19 Don Bosco Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für die Kinderarbeiter der Rubaya-Mine und ihre Familien. Im Don Bosco Zentrum Ngangi in Goma finden Hunderte Bergbaukinder, die verwaist, verstoßen oder auf der Flucht sind, ein neues Zuhause.

Kampf gegen Kinderarbeit

Die UN hat 2021 zum Internationalen Jahr zur Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit ausgerufen. Bis 2025 soll Kinderarbeit in jeglicher Form beendet sein. Don Bosco Mission Bonn und ihre internationalen Partner unterstützen diese Initiative. In einem Positionspapier sind die wichtigsten Forderungen zusammengefasst


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