Indien

Homeschooling bei Don Bosco während der Corona-Zeit

Seit März 2020 sind die staatlichen Schulen in Indien wegen Corona geschlossen. Viele Jungen und Mädchen können nicht am digitalen Unterricht teilnehmen. Hilfe finden sie und ihre Familien bei den Don Bosco Schwestern.
  • Nishant Ratnakar/ichtv

veröffentlicht am 11.08.2021

Es ist Freitagmorgen, der letzte Schultag vor dem Wochenende. Tanya* verfolgt aufmerksam den Biologieunterricht. Konzentriert schaut sie auf ihr Smartphone. Eigentlich ein ganz normaler Unterrichtstag, aber das täuscht. Die Lernsituation für die 13-Jährige aus dem Dorf Bandapura in der Nähe der südindischen Metropole Bangalore hat sich stark verändert. Seit mehr als einem Jahr kann Tanya nicht mehr die 8. Klasse ihrer Schule besuchen. Die von den Don Bosco Schwestern geführte englischsprachige Auxilium School ist seit März 2020 wegen Corona geschlossen. Tanya lernt seitdem von zu Hause. Digitales Lernen ist in Zeiten der Corona-Pandemie für die meisten Kinder Indiens zur zwingenden Realität geworden.

„Der Start in das Schuljahr 2020 war wirklich hart. Viele Familien haben durch Corona finanzielle Probleme. Das führte auch dazu, dass sie die Schulgebühren nicht mehr bezahlen konnten“, erklärt die Leiterin der Auxilium School, Schwester Jissy Chandy. Ohne Schulgebühren könnten auch die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr bezahlt werden. Etwa 800 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule der Don Bosco Schwestern in Bandapura. „Erfreulicherweise hat das aber die meisten unserer Kolleginnen und Kollegen nicht daran gehindert, weiterzuarbeiten. Sie haben sich zu Hause überlegt, wie sie den Unterricht auch ohne Präsenz gestalten können. In der Schule haben sie dann Lernvideos vor allem für die jüngeren Schülerinnen und Schüler erstellt. Zurzeit wird eine kostenfreie interaktive Lernplattform für den Unterricht genutzt.“ Dies sei grundsätzlich positiv, aber das digitale Lernen bringe auch zahlreiche Herausforderungen und Probleme mit sich, sagt Schwester Jissy Chandy. Denn nicht alle Kinder und Jugendlichen hätten Zugang zu einem Smartphone, Laptop oder stabilem Internet.

Sehnsucht nach Normalität

So wie Sampath*: Der 13-Jährige hat seit mehr als einem Jahr an keinem Unterricht mehr teilgenommen. In der fünfköpfigen Familie gibt es nur ein Handy und das braucht sein ältester Bruder bei der Arbeit. So können weder Sampath noch sein mittlerer Bruder zu Hause lernen. Sein Traum, Softwareentwickler zu werden, rückt dadurch in weite Ferne. „Vor Corona ging es unserer Familie relativ gut. Ich habe in fünf Appartements geputzt. Durch den Lockdown habe ich dann fast alle meine Jobs verloren“, klagt Sampaths Mutter. „Das Geld, was ich jetzt verdiene, reicht nicht mal für den täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln. Wie soll ich dann Handys für meine Kinder kaufen?“

Den Eltern von Tanya geht es ähnlich. Der Vater ist Schweißer, die Mutter arbeitet als Haushaltskraft in der Auxilium School. Mit ihrem geringen Einkommen können sie sich nicht mehr als ein Smartphone leisten. Tanya und ihre kleinere Schwester Gina* müssen sich das Smartphone teilen. „Ich vermisse es, regelmäßig zur Schule zu gehen und mit den anderen zu lernen. In der Schule kann ich mich viel besser konzentrieren und mit meinen Mitschülerinnen spielen. Zu Hause bin ich viel schneller abgelenkt und gelangweilt. Hinzu kommt, dass ich den ganzen Tag auf meine kleine Schwester aufpassen muss, da meine Eltern arbeiten gehen“, erklärt Tanya.

Lebensmittelpakete von den Don Bosco Schwestern

„Der erste Lockdown war hart für uns“, erklärt ihre Mutter Sabitha. „Wir mussten Darlehen aufnehmen, um über die Runden zu kommen. Als die Corona-Schutzmaßnahmen gelockert wurden, halfen uns die Don Bosco Schwestern mit Lebensmittelpaketen. Das war sehr wichtig für uns, um die Krise zu überwinden.“ Die Eltern hoffen, dass die reguläre Schule bald wieder beginnt. „Weder mein Mann noch ich haben eine höhere Schulbildung. Wenn Tanya Fragen hat, können wir ihr nicht weiterhelfen. Wir möchten unseren Töchtern zu einer guten Zukunft verhelfen, und dazu gehört der Zugang zu guter Bildung. Eine Chance, die wir leider nie hatten.“

Auch Tanya hat nur einen Wunsch: „Corona und der Lockdown sollen endlich vorbei sein, damit ich wieder in die Schule kann.“


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