Religiöse Bildung

Wie Nachhaltigkeit unsere Kinder stärkt

Nachhaltigkeit prägt inzwischen nicht nur Fragen von Wirtschaft oder Konsumverhalten. Auch in der Bildung setzt man auf das Prinzip. Unser Autor ist überzeugt: Wer Kindern religiöse Erfahrungen ermöglicht, stärkt sie nachhaltig in ihrer Persönlichkeit.

veröffentlicht am 23.04.2021

Das Wort Nachhaltigkeit ist seit Jahren in aller Munde. Im Zuge der Klimakrise rufen immer mehr Stimmen nach einem bewussteren Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung. Immer mehr wird auch klar, dass es viel mehr Zusammenhänge gibt zwischen unserer Umwelt, unserem Alltag, unserem persönlichen Leben und unseren Hoffnungen und Wünschen. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihr Leben dahingehend ein wenig zu ändern; sie sehen ein, dass Nachhaltigkeit nur dann zu einer Verbesserung aller führen kann, wenn jede und jeder begreift, dass dieser Prozess in den eigenen vier Wänden beginnt.

Nachhaltigkeit steht heute nicht mehr nur für ein ressourcenschonendes Programm in Bereichen der Wirtschaft und des Bauens. Sie ist zu einer Art Lebensstil geworden. Für viele Menschen geht ein Prozess der Neuorientierung voraus, in dem sie sich beispielsweise mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinandersetzen. Fortschrittlich ist dann nicht mehr das, was schneller, größer oder lauter ist, sondern das, was auch im Einklang mit den nötigen Ressourcen und der Natur steht. Weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu einer Gesellschaft, die ihre Güter achtet und auf Qualität setzt.

Können alle sich Nachhaltigkeit leisten?

Völlig zurecht schwingt dabei immer die Frage mit: Kann sich das jede und jeder leisten? Kann, wer es will, von heute auf morgen einen solchen Wandel einleiten? Ist es nicht so, dass viele Menschen weder Zeit noch Geld haben, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen? Hier kommt schnell das Schlagwort des „Luxusproblems“ ins Spiel.

Ich möchte noch einen anderen Aspekt ansprechen, den ich bereits kurz erwähnt habe. Versteht man Nachhaltigkeit als christlichen Auftrag, gewinnt sie eine weitere Dimension hinzu. Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut, mehr noch, er hat den Menschen im Alten Testament, in der Genesis, den Auftrag gegeben, uns um diese zu kümmern, Verantwortung zu übernehmen. Jesus hingegen ruft die Menschen immer wieder auf, einander zu lieben, Stichwort Nächstenliebe. Wenngleich man dabei zuerst daran denkt, wie Menschen einander helfen können, füreinander da sein können, so fällt bei genauerem Hinsehen auf, dass Nachhaltigkeit sehr wohl auch mit Nächstenliebe in Zusammenhang steht. Wir leben schließlich alle auf einer Erde und in einer Umwelt. Wir atmen die gleiche Luft und trinken letztendlich das gleiche Wasser.

Wenn Gott den Menschen also die Verantwortung für die Schöpfung gegeben hat, dann steht doch außer Frage, dass sich der Mensch für bedrohte Arten einsetzen muss. Es liegt auf der Hand, dass sich der Mensch für eine artgerechte Tierhaltung stark macht und Missstände in diesen Bereichen umgehend anspricht und Abhilfe verschafft. Es steht dann auch außer Frage, dass die Sicherung des Lebensraumes für Menschen, Tiere und Pflanzen eine besonders hohe Priorität genießen muss.

Die Gewissheit, dass Gott uns liebt

Nachhaltigkeit kann aber auch in einem ganz anderen Zusammenhang eine Rolle spielen. Nämlich im Bereich der Bildung und auch der religiösen und der religionspädagogischen Bildung. Nachhaltiges Lernen fällt uns wahrscheinlich als erstes ein. Es bedeutet, Dinge so zu lernen, dass sie auf Dauer in unserem Gedächtnis sind – was immer dann geschieht, wenn Verknüpfungen zu anderen Dingen hergestellt werden können.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der religiösen Bildung. Immer wieder gibt es die Meinung, dass religiöse oder religionspädagogische Bildung in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und in Schulen nichts verloren hat. Dabei kann gerade in diesem Bereich etwas besonders Nachhaltiges passieren. Zuallererst lernen die Kinder, dass Gott sie genauso wie sie sind, angenommen hat und sie liebt. Ist das nicht eine schöne Gewissheit? Doch nicht nur. Diese Gewissheit kann enorme Wirkung auf das Selbstwertgefühl eines Kindes haben. Auch Kinder kennen die Erfahrung, nicht zufrieden mit sich selbst zu sein, sich mit anderen, vielleicht leistungsstärkeren Kindern zu vergleichen und dann Ernüchterung zu erleben. Wie wohltuend kann hier das Wissen sein: Ja, möglicherweise kann ich dieses und jenes nicht so gut, aber Gott hat mich trotzdem gern. Er ist trotzdem mit mir auf dem Weg und kennt sogar meinen Namen.

Gerade in Zeiten, in denen es nicht so rund läuft, können Kinder häufig auf das, was sie an religiösen Erfahrungen gesammelt haben, zurückgreifen und davon profitieren. Das kann bei einem Todesfall sein, etwa von einem Familienmitglied oder dem geliebten Haustier. Die ganze Welt scheint zusammenzubrechen. Hier kann die Zusage Jesu, dass er auf uns alle wartet und Wohnungen (Johannesevangelium, Kapitel 14) für uns bereithält, wo es kein Leid und keinen Tod mehr (Offenbarung des Johannes, Kapitel 21) gibt, sehr viel bewirken, wenngleich den Verlust auch nicht ungeschehen machen.

Religiöse Bildung lässt Kinder viel über sich selbst erfahren

Es muss allerdings gar nicht so dramatisch sein, wie es ein Todesfall beispielsweise ist. Viele Kinder machen in ihrem Alltag, gleich ob zuhause oder in der Schule, die Erfahrung, nicht angenommen zu werden, oder sogar Gegenstand von Gelächter und auch Mobbing zu sein. Solche Erfahrungen bleiben oft ein Leben lang folgenschwer. Auch hier kann das Wissen darum, dass Gott zuhört, dass Gott auch im Leid und in traurigen Momenten nah ist, ein wenig das Gefühl nehmen, ganz alleine zu sein.

Religiöse Bildung, ihnen zu ermöglichen, religiöse Erfahrungen zu sammeln, kann Kinder nachhaltig in ihrer Persönlichkeit stärken und sie viel über sich selbst erfahren und lernen lassen. Ich bin überzeugt: Auch das ist eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit zu sehen und zu leben.


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