Umwelt

Was Kinder im Umgang mit Tieren lernen können

Der Umgang mit Tieren tut Kindern gut und hilft ihnen, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Warum das so ist und wie Eltern und Kitas die Beziehung zischen Mensch und Tier unterstützen können, beschreibt Erzieher und Theologe Christian Huber.

veröffentlicht am 15.07.2021

Kinder lieben Tiere. Der Umgang mit Tieren tut ihnen gut und hilft ihnen, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat 2010 festgestellt: Kindergärten sind die ersten Orte formeller Bildung und bereiten auf nachfolgende Bildungsprozesse vor. Die frühkindliche Lebensphase sollte daher bereits auch genutzt werden, um ein verantwortungsvolles Mensch-Natur-Verhältnis aufzubauen und damit ein nachvollziehbares Verständnis von Nachhaltigkeit grundzulegen.

Die Kinder begreifen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat

Vereinfacht würde ich sagen: Es stellt eine große Chance dar, wenn Kinder von Klein auf mit der Natur, mit Pflanzen und Tieren in Berührung kommen. Es ist ein großer Erfolg für uns alle, wenn Kinder früh begreifen, dass sie und ihr Handeln Konsequenzen für sie und ihre Umwelt hat – schlecht oder unerwünschte, jedoch auch gute und wünschenswerte. Wenn Kinder früh lernen, dass unsere Welt vielfältige Zusammenhänge aufweist, dass beispielsweise das Tierwohl auch mit dem Wohl von uns Menschen eng verknüpft ist, fällt es ihnen leichter, sich verantwortlich zu fühlen.

Dabei können Haustiere einen großen Beitrag leisten. Die Kinder lernen dabei nahezu von selbst, dass Tiere bestimmte Bedürfnisse haben, die erfüllt werden müssen, damit das Tier sich wohlfühlt und nicht krank wird. Im Umgang mit Haustieren wird ihnen klar, dass diese zwar Familienmitglieder sein können, aber keine Menschen sind. Sie stellen fest, dass die Haltung von Tieren viel Freude bereiten kann, ihre Pflege allerdings oft zeitaufwändig ist und auch teuer sein kann.

Dennoch: Kinder, die Tiere mit Hilfe ihrer Eltern erfolgreich pflegen, erleben sich selbstwirksam. Sie spüren, dass sie es sind, die den Tieren durch ihr Handeln ein schönes Leben bereiten. Solche Erfahrungen tragen immer zur Stärkung des Selbstwertgefühls bei. Selbst die motorischen Fähigkeiten werden im Umgang mit Tieren geschult. Schließlich spiegelt ein Tier oftmals ziemlich schnell, wenn beispielsweise eine Berührung zu fest war. Kinder, die mit Tieren aufwachsen, erleben das Zulassen von Nähe auf eine andere Weise. Gerade Kindern, die hier schlechte Erfahrungen gemacht haben oder grundsätzlich Schwierigkeiten dabeihaben, Nähe zuzulassen, können vom Umgang mit Tieren stark profitieren.

Mit Raupen kann man nicht kuscheln. Sie zu betreuen, ist trotzdem eine tolle Erfahrung

Neben den klassischen Haustieren bieten auch andere Tiere viele Möglichkeiten, beeindruckende Erfahrungen zu sammeln. Auch in Kindergärten, Horten oder anderen pädagogischen Einrichtungen. Dort, wo keine permanente Tierhaltung möglich ist – und das dürfte in den meisten Kitas der Fall sein – könnte es sich anbieten, eine Art Projekt durchzuführen.

In meiner Kita findet beispielsweise einmal im Jahr ein Insektenprojekt statt. Jede Gruppe setzt sich intensiv mit einem bestimmten Insekt auseinander und beschäftigt sich mit der jeweiligen Lebenswelt. Für Kinder kann es ein tolles Erlebnis sein, die Entwicklung von Raupen über die Verpuppung bis zum Schlüpfen junger Schmetterlinge zu beobachten. Natürlich findet in diesem Fall keine Nähe statt, wie etwa beim Kuscheln mit einem Hundewelpen. Trotzdem übernehmen die Kinder für die Raupen, die in der Gruppe in speziell dafür angeschafften „Wohnungen“ leben, Verantwortung. Ich glaube die haben Hunger! Vielleicht ist ihnen langweilig? Denkst du, sie wollen mehr Sonne? Diese Fragen der Kinder zeigen deutlich, dass sie sich verantwortlich für diese Lebewesen fühlen, die vorübergehend in ihrer Obhut sind.

Lohnenswert ist es auch, einen Gedanken in die religionspädagogische Ecke zu werfen. Insekten etwa sind für viele Menschen nicht die erste Wahl, wenn es um sympathische Tiere geht. Dennoch wissen wir alle, dass gerade Insekten wesentliche Beiträge zum Funktionieren unseres Öko-Systems leisten. Wir Menschen sind es, denen Gott gemäß der Schöpfungsgeschichte dieses System, diese Schöpfung anvertraut hat. Dabei geht es in den Schöpfungsberichten nicht um einen detaillierten Ablaufbericht oder eine Entwicklungsgeschichte. Die Texte wollen uns vielmehr eine Antwort auf die Frage geben, woher wir kommen, wer uns trägt und wohin wir gehen, was der Sinn hinter allem ist und wie es diese oft so perfekt anmutenden „Kleinsysteme“ innerhalb unserer Umwelt geben kann: Gott hat alles ins Dasein gerufen und die Schöpfung ist wertvoll und gut, weil sie ihren Ursprung in Gott hat.

Kinder sensibel machen für die Begegnung mit Tieren aller Art

Wenn Kinder beispielhaft erkennen können, wie genial diese Schöpfung in mancherlei Hinsicht ist, fällt es nicht schwer, ihnen diese Überzeugung zu vermitteln. Um am Beispiel zu bleiben: Ist es nicht unglaublich, wie aus einer kleinen Raupe eine große wird, wie sie sich alleine verpuppt und daraus plötzlich etwas ganz Neues, nämlich ein Schmetterling wird? Bei genauer Betrachtung kann dies auch uns Erwachsene begeistern, Kinder noch viel mehr.

Machen wir unsere Kinder sensibel für die Begegnung mit der Natur, mit Tieren aller Art! Geben wir unseren Kindern die Möglichkeit, über die Schöpfung zu staunen und etwas größeres dahinter zu erkennen.


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