Theater für alle

Jeder soll sein Talent entfalten können

Interview mit Angelica Fell, Mitgründerin der Freien Bühne München (FBM). In dem inklusiven Theaterprojekt spielen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Theater.

veröffentlicht am 29.11.2020

Warum haben Sie die Freie Bühne München gegründet?
Mein jüngster Sohn hat das Downsyndrom. Schauspieler war immer sein Traumberuf und bei Praktika wurde ihm auch das Talent dafür bestätigt. Aber wegen seiner Beeinträchtigung hatte er nirgends die Chance, eine entsprechende Ausbildung zu machen. Seine Geschwister und ich wollten das ändern und haben deshalb mit Freunden die Freie Bühne München gegründet. Wir wollen, dass auch Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ihre Talente entfalten können. Und wir wollen auf der Bühne sichtbar machen, dass Inklusion funktionieren kann.

Was ist der größte Erfolg der FBM?
Dass Türen aufgegangen sind: Wir haben bislang vier Absolventen und alle haben trotz ihrer Beeinträchtigungen gute Engagements als Schauspieler bekommen. Außerdem finde ich es schön, dass sich die Vielfalt, die wir auf der Bühne präsentieren, auch im Zuschauerraum findet. Rund 20 Prozent unserer Zuschauer sind Menschen mit Beeinträchtigungen.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer Arbeit?
Im Moment ist Corona die größte Herausforderung – wie für viele Kulturschaffende. Ein zweites Problem sind fehlende Räumlichkeiten. Die Nachfrage nach unserer Ausbildung, unseren Kursen und Workshops ist sehr groß, deshalb bräuchten wir mehr und größere Räume. So könnten wir auch unter Corona-Bedingungen wieder eher analog proben.

So laufen die Proben bei der Freien Bühne München in der Corona-Zeit - Besuche bei Hauptdarsteller und Regisseur

Homepage der Freien Bühne München

Porträt Angelica Fell

Angelica Fell, Mitgründerin der Freien Bühne München


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