Partnerschaft

Kurse für Paare – damit die Liebe bleibt

Was tun, wenn sich in der Beziehung der Alltag einstellt mit Problemen und Konflikten, mit Gewöhnung und Langeweile? Ein Geheimrezept gibt es nicht. Aber Kurse können Paaren helfen, ihr gemeinsames Glück nicht aus den Augen zu verlieren.

veröffentlicht am 02.05.2016

Es ist Samstag, kurz nach zehn. Frustriert sitzt Gundula Schmidt am Frühstückstisch. Da stehen noch die verschmierten Teller und ein paar halbleere Kaffeetassen. Doch ihr Mann Thomas ist längst aufgestanden und in den Garten gegangen, Trittsteine ins Erdbeerbeet setzen. Durchs Fenster kann sie ihn draußen mit der Schubkarre vorbeilaufen sehen. Und die Kinder haben sich sowieso gleich nach dem Frühstück verzogen. Tischabräumen und Abspülen bleiben an ihr hängen. Wie immer. Gundula Schmidt seufzt.

Gundula und Thomas Schmidt sind seit zwölf Jahren verheiratet, beide Ende 30, zwei Kinder mit zehn und sieben Jahren. Sie heißen nicht wirklich so, aber ihre Ehe ist typisch für viele langjährige Beziehungen. Die Euphorie der ersten Jahre ist verflogen, man hat sich aneinander gewöhnt und die liebevollen Aufmerksamkeiten, die den Anfang so glücklich gemacht haben, sind irgendwo im Alltag verloren gegangen. Es gibt keine großen Konflikte, aber viele kleine Dinge, die wenigstens einen von beiden stören. So wie die Situation samstags nach dem Frühstück.

„Es nervt mich wahnsinnig, dass du mich immer mit der ganzen Arbeit sitzen lässt“, schimpft Gundula Schmidt. Das Paar sitzt sich gegenüber. Nicht am heimischen Küchentisch, sondern in einem Seminarraum des evangelischen Familienzentrums in Nürnberg. Gundula und Thomas Schmidt haben beschlossen, etwas für ihre Beziehung zu tun. In einem Gesprächstraining für Paare wollen sie lernen, den Zauber des Anfangs wiederzuentdecken. KEK heißt der Kurs, den sie sich dafür ausgesucht haben, eine Abkürzung für „Konstruktive Ehe und Kommunikation“.  Das Konzept dazu haben Joachim Engl und Franz Thurmaier vom Münchner Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie im Auftrag der Erzdiözese München und Freising entwickelt. Angeboten werden die Kurse von allen katholischen Diözesen und einigen evangelischen Landeskirchen in Deutschland. „Ziel des Gesprächstrainings ist es, sich selbst und den Partner besser kennenzulernen und eine gute Kommunikation in der Beziehung zu entwickeln“, erklärt Joachim Engl.

Gute Kommunikation ist harte Arbeit

Vier Paare können an einem Kurs teilnehmen und werden von zwei Trainern – meist einer Frau und einem Mann – begleitet. Erst werden ein paar grundlegende Gesprächsregeln festgelegt: Wer redet, soll zum Beispiel „Ich-Botschaften“ senden, statt Vorwürfe zu erheben, und von konkreten Situationen ausgehen, wenn er ein Problem anspricht. Der Zuhörer soll Aufmerksamkeit signalisieren und immer wieder zusammenfassen, was von dem Gesagten bei ihm angekommen ist.

Die meiste Zeit sitzen sich die Partner dann gegenüber. Jedes Paar in einem anderen Raum, um Privatsphäre zu schaffen. Und die Trainer gehen von einem Raum zum nächsten, hören zu und greifen ein. „Nicht inhaltlich, sondern nur, wenn es darum geht, die Gesprächsregeln einzuhalten“, sagt Peter Schramm, der mit seiner Frau Ingrid zusammen den Kurs in Nürnberg leitet. Bei Gundula Schmidt greift er schon nach dem ersten Satz ein. „Stopp“, ruft er. „Formulieren Sie das besser um: Ich habe das Gefühl ...“ Die 38-Jährige hat verstanden. „Ich fühle mich mit der ganzen Arbeit allein gelassen, wenn du immer gleich aufspringst ...“ Wieder hebt Peter Schramm die Hand. „Nicht immer. Nennen Sie eine konkrete Situation.“ Gundula R. nickt. „Also, letzten Samstag nach dem Frühstück ...“, fängt sie von Neuem an.

Gute Kommunikation ist harte Arbeit. „Und natürlich für sich allein noch kein Garant für die ewige Liebe“, warnt Joachim Engl vor überzogenen Erwartungen. Aber in vielen Studien ist belegt, dass die Kommunikationsqualität der wichtigste Faktor für die langfristige Stabilität einer Beziehung ist. „Gerade bei Konflikten ist es wichtig, wie die Partner miteinander reden“, erklärt Engl. „Meistens gibt es da zwei Muster: Entweder es kommt zu einem Schlagabtausch mit Vorwurf und Gegenvorwurf, der beiden Partnern weh tut, oder das Problem wird vermieden, bleibt unangesprochen und damit weiter bestehen.“ Beides schadet der Beziehung. Wer aber einen Weg findet, Probleme anzusprechen, ohne den Partner gleich mit Anschuldigungen zu verletzen, hat gute Chancen, Konflikte in der Ehe zu meistern.

Wellness-Urlaub für die Beziehung

In den KEK-Kursen geht es aber nicht nur um Streitgespräche. Es geht auch darum, sich die Stärken der Beziehung wieder neu vor Augen zu führen. „In vielen langjährigen Beziehungen nutzt sich die Liebe durch Gewöhnung ab“, sagt Joachim Engl. „Was einem am Partner lieb und teuer war, wird durch die Gewöhnung selbstverständlich. Deshalb nimmt man es irgendwann gar nicht mehr wahr und sagt es dem anderen auch nicht mehr so oft. Und das wiederum führt dazu, dass der Partner vielleicht manches nicht mehr tut, weil es eben nicht mehr positiv verstärkt wird.“ So verschwinden manche liebevollen Aufmerksamkeiten, die die Beziehung anfangs so besonders gemacht haben. Im KEK-Kurs bekommen die Paare deshalb auch Zeit, sich darüber zu unterhalten, was sie am jeweiligen Partner besonders schätzen oder wie sie ihre bisherige gemeinsame Geschichte erlebt haben. „Zwei Stunden nur darüber zu reden, was einem am anderen gefällt – das kommt manchen Paaren erst einmal furchtbar lang vor“, erzählt KEK-Kursleiterin Ingrid Schramm. „Aber wenn sie dann damit anfangen, merken sie plötzlich, wie gut das tut und wie schnell die Zeit vergeht.“
  
Auch das gemeinsame Erinnern an die Anfangszeit ist eine wichtige Aufgabe von Kursen wie der Familienakademie oder KEK. Natürlich läuft nach einem KEK-Kurs nicht plötzlich die ganze Alltagskommunikation nach den gelernten Regeln ab. „Aber in Konfliktsituationen fällt uns das schon immer wieder ein und wir greifen darauf zurück, bevor der Streit eskaliert“, sagt ein Paar, das bereits zum zweiten Mal in dem Nürnberger Kurs sitzt.

Kurse wie KEK sind nicht als Heilmittel für eine kaputte Ehe gedacht, sondern als eine Art Wellness-Urlaub für eine Beziehung, die eigentlich ganz gut funktioniert. Damit es auch im echten Leben heißen kann: Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Wellness für die Beziehung

In allen katholischen Diözesen werden ein- oder mehrtägige Ehevorbereitungskurse angeboten. Termine und nähere Informationen sind in den Pfarreien erhältlich.

Auch das Aktionszentrum der Salesianer in Benediktbeuern bietet verschiedene, auch erlebnispädagogische Kurse für Paare auf dem Weg zur Hochzeit sowie für langjährige Ehepaare und Familien an: Die Gesprächstrainingskurse „Konstruktive Ehe und Kommunikation“ (KEK) und „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ (EPL) des Instituts für Kommunikationstherapie werden in allen deutschen Diözesen angeboten. Weitere Informationen dazu erhalten Sie im Internet unter www.epl-kek.de oder beim Institut für Kommunikationstherapie und angewandte Forschung in Partnerschaft und Familie