Veränderung begleiten
Neue Stadt, neue Freunde: Umziehen mit Kindern
Wenn Familien den Wohnort wechseln, beginnt für alle ein neuer Lebensabschnitt. Die Umstellung kann herausfordernd sein. Mit guter Vorbereitung und liebevoller Begleitung können Eltern ihren Kindern den Umzug erleichtern.
veröffentlicht am 26.02.2026
Zwischen Wien und einer Kleinstadt im Salzburger Land liegen nicht nur 280 Kilometer und drei Stunden Zugfahrt – dazwischen liegen Welten. Auf der einen Seite die trubelige Metropole, auf der anderen ländliches Flair: Kulturfülle und Stadtverkehr versus Naturidylle und frischer Luft. „Wir waren in Wien verwurzelt, hatten dort eine Eigentumswohnung“, erzählt Agnes Staudenbauer. „Aber das Familienleben in der City war anstrengend, und wir haben uns nach einem kinderfreundlicheren Ort gesehnt.“
Sie haben ihn gefunden: Heute lebt das Lehrerehepaar mit den drei Töchtern in einem Haus mit Garten, in einer ruhigen Wohnsiedlung. An den Umzug im Jahr 2023 kann sich Agnes noch lebhaft erinnern. Es war damals bereits ihr dritter mit Kindern. „Die beiden älteren waren fünf und drei, die Kleine erst ein halbes Jahr alt. Sie hat von allem wenig mitbekommen.“ Schon eineinhalb Jahre vor dem Umzug beginnen Agnes und Johannes mit den Vorbereitungen. Nachdem klar ist, dass sie Wien verlassen werden, beziehen sie die Kinder mit ein.
Ehepaar Staudenbauer bezieht seine Kinder frühzeitig in Umzugspläne ein
„Wir sprachen mit den Mädchen über ein neues Zuhause und ließen sie Bilder von ihrem Traumhaus malen.“ Weil sie näher zu den Großeltern wollen, entscheiden sie sich für die Region um Salzburg. „Dort leben Agnes Eltern und die Gegend ist gut angebunden. „Johannes’ Mutter ist dann auch in unsere Nähe gezogen und lebt heute etwa 15 Minuten von hier. Seine Eltern sind geschieden, und sein reisefreudiger Vater kommt alle zwei Wochen aus dem Burgenland.“ Auch Agnes’ Eltern sind regelmäßig da. Sie wohnen eine halbe Stunde entfernt.
Dank der guten Unterstützung können Agnes und Johannes Vollzeit arbeiten. Alles hat sich wunderbar eingespielt. Der Weg dahin hatte jedoch Stolperfallen. „Wir wollten unbedingt noch vor der Einschulung umziehen und suchten bereits längere Zeit, als wir unser Haus fanden. Bei der Besichtigung fühlten wir uns sofort wie zu Hause.“ Um es zu bekommen, müssen sich die Staudenbauers schnell entscheiden. Da sie ihre Wohnung in Wien noch haben, bleibt nur ein Zwischenkredit – verbunden mit der Auflage, sie innerhalb einer Frist zu verkaufen. Eine Deadline, die sie viele Nerven kosten soll.
Um schneller einen Käufer zu finden, ziehen Agnes und Johannes mit ihren drei Töchtern übergangsweise in eine Einzimmerwohnung. „Wir wollten die Wohnung so attraktiv wie möglich präsentieren – unser Familienchaos hätte da nicht gepasst“, erklärt Agnes. Zugute kommt ihnen, dass sie in den Monaten zuvor bereits viel ausgemistet haben. „Wir wollten bei einem Umzug nicht mehr als nötig mitnehmen und haben viele Dinge verkauft, verschenkt und entsorgt. Auch die Kinder haben Spielsachen weggegeben und jedes Mal ein bisschen „Tschüss“ gesagt zu ihrem Leben in Wien.“
Familie lebt monatelang zwischen alter und neuer Heimat
Mehrere Monate lebt die Familie zwischen den Welten und fährt häufig in die neue Heimat. „Wir wollten uns und die Kinder mit der Gegend vertraut machen, haben Sankt Martin mitgefeiert und Weihnachtsmärkte besucht.“ Agnes zeigt ihnen die Kita, die Grundschule, das Familienzentrum. Ganz in Ruhe lernen sie neue Orte und Menschen kennen. „Zu wissen, wo es hingeht, hat ihnen Sicherheit gegeben.“ Bei ihren Besuchen schläft die Familie auf Matratzen im neuen Haus. „Das war aufregend.“
Das Leben in der Wiener Zwischenwohnung entwickelt sich derweil zur Herausforderung. Zum Familienmanagement auf 45 Quadratmetern kommen gesundheitliche Probleme bei der fünfjährigen Tochter hinzu. „Schließlich haben wir die Ursache entdeckt: Die Wohnung war komplett verschimmelt!“, sagt Agnes, immer noch entsetzt. Innerhalb weniger Tage organisieren die Staudenbauer den Umzug für sie und die Kinder. Monate vor dem geplanten Termin siedeln sie mit zwei Lastwagenladungen um. Johannes muss beruflich noch bis zu den Sommerferien in Wien bleiben und kommt bei Freunden unter.
„Wir hatten alles so schön geplant, wollten noch Abschiedsfeste im Kindergarten und mit den Nachbarn feiern. Und dann war das Leben dazwischengekommen“, sagt Agnes. Aber gerade, weil sie die Kinder so behutsam vorbereitet haben, kommen sie mit dem abrupten Wechsel gut klar. Während die Eltern mit der Krise kämpfen, setzen sie gleichzeitig alles daran, den Übergang so angenehm wie möglich zu machen. „Die beiden Großen hatten sich vorher schon ihre Zimmer und Möbel ausgesucht. Es waren die ersten Räume, die fertig wurden.“
„Es hilft, wenn man offen ist und mit gutem Beispiel vorangeht“
Die Mädchen bekommen gleich nach dem Umzug ein Spielhaus und ein Blumenbeet im Garten. Mit selbstgebastelten Geschenken und einem Familienfoto klopfen die Staudenbauers in der Nachbarschaft an, um sich vorzustellen. „Wir wurden überall freundlich aufgenommen. Viele haben gleich ihre Unterstützung angeboten, als sie hörten, dass ich mit den Mädchen alleine war.“ Für die Familie ist diese Kennenlernrunde in der Siedlung ein wichtiger Schritt, um Fuß zu fassen.
Mit kreativen Ideen öffnet Agnes viele Türen und schafft Verbindungen. Die Elementar- und Werkpädagogin sucht Kontakt zu anderen Familien, organisiert Bastelnachmittage und lässt ihre Töchter bewusst vor dem Haus spielen, damit sie andere Kinder kennenlernen können. Im Kindergarten engagiert sie sich von Anfang an und knüpft Kontakte zu anderen Eltern. „Es hilft, im neuen Leben anzukommen, wenn man offen ist und mit gutem Beispiel vorangeht“, sagt Agnes. „Wer eher verschreckt auf die neue Umgebung reagiert, kann es den Kindern schwerer machen.“
Der Abschied von Wien erfolgt sanft und schrittweise – auch nach Johannes Umzug halten die Staudenbauers Kontakt. „Unsere Große vermisste ihre beste Freundin. Und so sind wir einmal um sechs Uhr in den Zug gestiegen, um rechtzeitig um zehn bei ihrem Kindergeburtstag in Wien zu sein.“ Auch die Abschiedsfeiern werden nachgeholt. Doch mit jedem Besuch merkt Agnes, wie die Kinder sich innerlich von ihrer alten Heimat entfernen. „Plötzlich empfanden sie die Großstadt als unangenehm laut und freuten sich auf zu Hause.“
Gut angekommen in der neuen Umgebung
Fast zwei Jahre leben die Staudenbauers nun in ihrer neuen Heimat und sind dort gut verankert. Regelmäßig empfangen sie Freunde aus Wien, aber die Beziehungen vor Ort nehmen mehr und mehr zu. Während sich die Älteste noch gut an früher erinnert und mit Brieffreundinnen Kontakt hält, sind die ersten Jahre bei der fünfjährigen Tochter komplett im Unterbewusstsein verschwunden. „Vor Kurzem hat sie mich gefragt: ‚Mama, was ist Wien?‘“, lacht Agnes. Nun bereitet sich die Familie auf ein neues Abenteuer vor: Im April kommt das vierte Kind. Ein Umzug ist jedoch nicht mehr geplant.
Umziehen mit Kindern: Tipps von Elementarpädagogin Agnes Staudenbauer
- Kinder brauchen Sicherheit. Deshalb sollten Eltern sich erst alleine abstimmen, bevor sie mit der ganzen Familie darüber reden.
- Was kommt mit? Wie sollen die Kinderzimmer aussehen? Kleine Entscheidungen fördern Vorfreude und Mitbestimmung.
- Wer vorher schon die Umgebung, Schule und Kindergarten kennenlernt, ist schneller vertraut mit dem neuen Wohnort.
- Geschichten, Hör- und Bilderbücher rund ums Umziehen sind eine gute kindgerechte Vorbereitung.
Eltern können Kinder beim Packen mit einbeziehen. Je nach Alter können sie Aufgaben übernehmen oder Umzugskisten bemalen. - Eine kleine Abschiedsfeier und das Wissen, dass der Kontakt nicht abbricht, können helfen, mit dem alte Leben abzuschließen.






