Besonderes Geschenk

Christkind, bitte bleib!

Die Tochter unserer Autorin Stefanie Kortmann glaubt noch ans Christkind. Doch die Mutter ahnt, dass es mit dieser kindlichen Weihnachtsfantasie bald vorbei sein könnte. Sie kann sich gut erinnern, wie für sie selbst damals eine kleine Welt zusammenbrach.

veröffentlicht am 30.11.2021

Meine Tochter glaubt noch an das Christkind und den Weihnachtsmann. Auch der Osterhase ist in ihrer Welt immer noch ein lebendiger, wenn auch selten gesehener Kinderfreund, der des nachts die Eier versteckt, gleich neben so tollen Geschenken wie den neuen Inline-Skates. „Mama, woher wusste der Osterhase eigentlich, welche Schuhgröße ich hatte?“, fragte sie einmal, als sie die Skates aus der Garage holte. Tja, der Hase ist halt gut informiert, mein Kind.

Christina ist sieben und ich spüre, dass das Eis, auf dem diese kindlichen Illusionen fußen, langsam dünn wird. Die Nachbarin, ein Jahr älter, hat das Spiel schon durchblickt. Sie wurde just dazu verdonnert, den Mund zu halten, damit auch ihre kleine Schwester noch ein wenig vom Zauber rund um den Gabentisch träumen kann.

Ist doch klar, dass das Christkind magische Kräfte hat!

Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern, wie mein älterer Bruder mich aus dieser bunten Welt kindlicher Weihnachtsfantasien geschubst hat. „Du glaubst wohl noch an das Christkind?“, hat er mich großkopfert gefragt. „Das sind doch aber alles Geschenke, die Mama und Papa besorgen.“ Bäm! Das saß. Ich war zunächst sprachlos, aber gleichzeitig auch viel zu stolz, um zuzugeben, dass das eine neue Erkenntnis für mich war. So antwortete ich trotzig: „Das weiß ich doch schon lange!“

In Wahrheit war gerade eine kleine Welt in mir zusammengebrochen. Konnte das wahr sein? Wenig später fand ich alle Geschenke unter dem Ehebett der Eltern, die Identität des wahren Christkinds war damit enttarnt. Das war sehr ernüchternd. Nie wieder stand ich bibbernd vor der abgeschlossenen Wohnzimmertür und dachte darüber nach, ob in diesem Moment das Christkind vielleicht das neue Fahrrad unter den Baum schiebt. Hatte es da nicht gerade verdächtig geraschelt? Und wie war es überhaupt möglich, an einem Abend alle Kinder in der ganzen Welt zu besuchen? Das Christkind musste magische Kräfte haben, was für mich auch logisch war, schließlich war es ja Gottes Kind!

Nun dauert es nicht mehr lange und es ist wieder Heiligabend mit Weihnachtsbaum, Krippe und Bescherung. Ich wünsche meiner Tochter, dass sie dann noch immer fest an die zauberhaften Fähigkeiten des Christkinds glaubt. Es ist ein sehr schönes Geschenk der Kindheit. Sie sollte es nicht zu früh auspacken.


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