Sakrament Taufe

Der Glaube wächst beim Weitergeben

Unser Autor und seine Frau begleiten zwei muslimische Flüchtlinge auf dem Weg zur Taufe. Dabei lernen sie selbst noch eine Menge über ihren Glauben dazu. Und immer wieder wird auch herzhaft gelacht.

veröffentlicht am 01.09.2017

Vor einem Jahr kam unser Pfarrer auf meine Frau und mich zu: Ob wir nicht Ali und Farhad*, zwei muslimischen Flüchtlingen auf dem Weg zur Taufe zeigen könnten, was Christsein bedeutet“. Ohne Nachdenken oder Absprache sagten wir zu, fasziniert von dieser Frage und neugierig auf die Herausforderung. Zeit dafür hatten wir jeden Mittwochabend, dank eines Sportkurses unserer Kinder.

Die Männer brachten uns einen enormen Glaubensdurst entgegen. Das erleichterte die Aufgabe sehr. Schwierig machte ich es mir selbst: Mir fehlte es an Übung und vor allem an Mut, über das zu sprechen, was mein Leben trägt. Meine Sorge, diese „Mission“ könnte ein „Aufdrücken“ eigener Vorstellungen sein, erwies sich als völlig unbegründet: Von Beginn an ging es um gemeinsames Suchen und Lernen, mit viel Austausch, Dialog und einer Bereicherung für alle.

Wie spürt man das Christsein im Umgang miteinander?

Was ist also Christsein eigentlich? Wie spürt man das in der Familie, Pfarre und Gesellschaft, im Umgang miteinander, bei unseren Feiern und im Lebensstil? Vieles sah ich auf einmal aufmerksamer, teils auch kritischer. Ali und Farhad berichteten uns von Menschen ihrer Heimat, die „ganz anders als die anderen“ Freundlichkeit und Nächstenliebe vorlebten und sich erst beim Bekreuzigenals Christen zu erkennen gaben. Solche Begegnungen weckten die Sehnsucht, selbst Christen zu werden.

Unsere Mittwochstreffen nahmen bald eine feste Form an: Zunächst tauschten wir uns bei Tee und Fladenbrot über die Erlebnisse der Woche aus, dann folgte ein Gebet, dann zückte jeder seine Bibel und den „Youcat“. Diesen gelben Jugendkatechismus lernten wir sehr zu schätzen wegen der einfachen Sprache – die beiden waren ja noch im Deutschkurs – und für seinen Frage-Antwort-Aufbau. Wir lasen Punkt für Punkt und sprachen darüber. Oft kam die Zwischenfrage: „Wo steht das in der Bibel?“ Wie wenig wusste ich über unser wichtigstes Buch Bescheid!

Erhört mich Gott erst, wenn ich getauft bin?

Viele der aufkommenden Fragen betrafen das Gebet. „Erhört mich Gott erst, wenn ich getauft bin?“ Oder, als uns bei einem gemeinsamen Besuch einer Salesianerpfarre ein angehender Neupriester um unser Gebet bat: „Warum will er das? Hat er denn noch eine Prüfung?“ Nicht weniger ernst: „Ist Notlüge erlaubt? Dann hätte ich mein Christsein ja verleugnen und in meinem Land bleiben können.“ Tränen musste ich hingegen lachen, als ich die sieben Sakramente, die zehn Gebote und die zwölf Apostel abfragte und als Gegenfrage „Wie heißen die sieben Herren?“ kam. Ich stutzte, dann folgte die Erklärung: „In der Messe sagt der Priester: ‚Erhebet die Herzen‘, und wir antworten: ‚Wir haben sieben Herren.‘“ (Richtig war: "Wir haben sie beim Herrn.") Gut, dass wir auch darüber gesprochen haben: Jesus Christus ist unser einziger Herr.

Ali und Farhad sind inzwischen getauft, und meine Frau und ich haben nun ganz unverhofft ein Patenkind, das älter ist als wir selbst. Noch immer freuen wir uns darüber, wie frisch und unverstellt unsere neuen Freunde das sehen, was für uns längst Gewohnheit ist. Diesen Blick finden wir sonst nur bei unseren Kindern, von denen wir den Täuflingen viel erzählt haben – wie auch umgekehrt. Stets merken wir dabei: Der Glaube wächst beim Teilen. Diese Erfahrung wünschen wir jedem.

* Namen von der Redaktion geändert


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