Kurz erklärt

Was Taufe ist und was sie bringt

Mit der Taufe wird das Kind unter den Schutz Gottes gestellt. Aber was passiert da eigentlich genau? Was hat es mit dem Wasser auf sich? Und dürfen Eltern für ihr Kind entscheiden, was es glauben soll? Unser Autor ist Theologe und erklärt's.

veröffentlicht am 16.09.2020

„Bei der Taufe bekommt das Kind den Segen Gottes“. Diesen oder ähnliche Sätze höre ich oft, wenn ich mich mit Eltern über das Thema Taufe unterhalte. Für viele Menschen gehört die Taufe eines neugeborenen Kindes einfach dazu (Was Eltern sich von der Taufe erwarten). Rund 160.000 Kinder wurden nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz in Deutschland im Jahr 2019 römisch-katholisch getauft. Die Taufe ist ja auch ein schönes Familienfest. Zudem könne es nur gut sein für das Kind, wenn es unter den Schutz Gottes gestellt wird, sagen viele. Auf der anderen Seite entschließen sich aber auch etliche junge Eltern, ihr Kind nicht taufen zu lassen, zum Beispiel, weil sie dem Kind später eine eigene Entscheidung ermöglichen wollen. Ich will einmal versuchen zu beschreiben, was die Taufe eigentlich ist und was sie bringt.

Was passiert eigentlich bei der Taufe? Klar, ein Kind wird drei Mal mit Wasser übergossen, wobei der Name des dreifaltigen Gottes ausgesprochen wird. Doch das ist längst nicht alles. Mit der Taufe wird ein Mensch eingegliedert, also aufgenommen in die Gemeinschaft der Kirche. Er wird Kind Gottes. Das klingt wie das Eintreten in einen Verein, meint jedoch viel mehr. Mit der Taufe wird ein Mensch Teil eines Ganzen, einer lebendigen Gemeinschaft, eben der Kirche, die ein Menschenleben durch die Sakramente wie die Firmung oder die Ehe begleitet.

Ist Gott nur für die da, die getauft sind?

Man könnte sagen: Mit der Taufe wird man Christ, tritt sozusagen in die Nachfolge Jesu und wird somit auch, ganz nüchtern formuliert, zum Erben. Den Begriff des Erbes kennen wir sonst nur im Zusammenhang mit Nachlassangelegenheiten in der Familie. Man kann das Bild jedoch auch gut auf die Kirche übertragen, die ja durch die Taufe auch zu einer Art erweiterter, weltumfassender Familie wird. Und was gibt es da zu erben? Im Matthäusevangelium kann man beispielsweise lesen, dass Jesus seine Jünger beauftragt, alle Menschen zu taufen. Dabei verspricht er ihnen, bei ihnen zu sein bis ans Ende der Welt (Mt 28). Für den Apostel Paulus geht die Wirkung der Taufe noch über den Beistand Jesu auf der Welt hinaus. In seinem Brief an die Galater schreibt er davon, dass jene, die getauft werden, ein neues Leben in Christus beginnen, ihn sogar als Gewand anlegen (Gal 3). Das klingt alles gut, doch für den ein oder anderen vielleicht noch ein wenig abstrakt. Und vor allem kann man sich schon fragen: Ist Gott nur für die da, die getauft sind, wo er doch alle Menschen gemacht hat?

Ich finde, man kann das gut vergleichen mit dem Bild einer Adoption. Wenn ein Paar den Entschluss fasst, ein Kind zu adoptieren, durchläuft es mehrere Phasen. Wenn klar ist, dass eine Adoption in Frage kommt, lernt das Paar ein Kind kennen. Dabei entsteht bereits eine Beziehung, es ist bereits Liebe im Spiel. Ja, dieses Paar, das sich ein Kind wünscht, liebt dieses Kind auch schon, bevor der Akt der Adoption abgeschlossen ist. Trotzdem wünschen sich die Eltern, dass bald auch alles „in trockenen Tüchern“ und endgültig besiegelt ist.

Wasser ist Symbol des Lebens und der Reinheit

Auch die Taufe ist solch ein Siegel, ein ganz besonderes Siegel. Mit der Taufe erhält der Mensch ein unauslöschliches Prägemahl in seiner Seele und die Garantie, immer geliebtes Kind Gottes zu sein, ganz gleich was im Lauf seines Lebens geschieht. Damit verbunden erbt er auch einen Anteil am ewigen Leben, das Jesus denen verheißen hat, die an ihn glauben (Joh 11).

Seit jeher gilt das Wasser als Symbol für Leben und auch Reinheit bzw. Reinigung. Durch die Taufe werden wir reingewaschen. Auch hier liegt eine Frage nahe: Bei erwachsenen Täuflingen, die es ja auch gibt, ist das nachvollziehbar, niemand ist frei von Fehlern. Aber sind Kinder nicht rein? Ein Kind hat doch noch nichts falsch gemacht, wovon es gereinigt werden müsste. Ich würde den Begriff sehr gerne etwas weiter fassen. Natürlich hat ein Kind noch nichts Falsches gemacht und hat somit noch keine persönliche Schuld. Es ist dennoch hineingeboren in eine Welt mit vielen verschiedenen Systemen, denen wir alle in irgendeiner Weise unterschiedlich schwach oder stark unterworfen sind. Hier eine Art „Reset“, nochmal frei gemacht werden von dunklem und/oder schlechten Einflüssen, ist eine Vorstellung, die man vielleicht leichter annehmen kann.

Gott lädt die Menschen ein, sich mit ihm auf den Weg zu machen

Wenngleich die Taufe ein einmaliger Akt ist, ist sie der Beginn eines Weges. Der Glaube ist ja auch nicht etwas, das man annimmt und dann hat. Vielmehr ist er etwas Lebendiges mit einer ganz eigenen Dynamik. Durch die Taufe nimmt Gott sich des Täuflings auf eine besondere Weise an, durch den Beistand des Heiligen Geistes. So kann ein (junger) Mensch aufrecht und selbstbewusst einen Weg gehen und herausfinden, wohin dieser führt. Das hat wenig mit Bevormundung oder gar dem Aufzwingen von etwas zu tun, wie es oft als Argument gegen die Taufe von Säuglingen bzw. Kindern vorgebracht wird. Das Gegenteil ist der Fall: Ich kann mich nur für oder gegen etwas entscheiden, wenn ich es kenne. Gott und die Kirche kennenzulernen, sie über das, was man oberflächlich sieht, hinaus zu begreifen, setzt einen Prozess voraus. Gott lädt jeden Menschen dazu ein, ihm in der Taufe die Hand zu reichen und sich zusammen auf diesen Weg zu machen.

Der Religionspädagoge und Pastoralpsychologe Klaus Kießling schreibt dazu in dem Buch „Woher, wohin, was ist der Sinn?“ (Kösel Verlag): „Wenn Eltern für ihr Kind die Taufe erbitten, so sagen sie dem Kind, das zu ihnen gehört, nicht: Du gehst in den Besitz der Kirche über! Sie sagen ihm auch nicht: Du gehst in den Besitz der Gemeinde über! Sie sagen ihm auch nicht: Du gehst in den Besitz der Gesellschaft über! Sie sagen ihm nicht: Du gehst in den Besitz deiner Eltern über! Vielmehr sagen sie ihrem Kind: Du gehörst niemandem! Niemandem von dieser Welt! Du gehörst Gott! Du bist frei! Zu dieser Freiheit hat Gott dich berufen!“



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