Kinderbetreuung
Mit Papa in die Arbeit
In den Ferien Kinderbetreuung sicher zu stellen, ist für Eltern eine Herausforderung. Unser Autor nimmt seine Kinder dann manchmal mit in die Arbeit - mit erstaunlichen Lerneffekten für die Kinder und die Kolleginnen und Kollegen.
veröffentlicht am 05.11.2026
Egal ob Herbst-, Weihnachts-, Semester- oder Osterferien: Die schulfreie Zeit unter dem Jahr stellt Familien immer wieder vor organisatorische Herausforderungen. Schließlich gibt es deutlich mehr schulfreie Tage als Urlaubstage in der Arbeit, und nicht immer lassen sich passende Betreuungsmöglichkeiten finden. Auch bei uns braucht es dann kreative Lösungen. Nicht, dass es meinen Kindern an Ideen fehlte. Doch da gibt es auch den Druck, für Tests und Schularbeiten zu lernen, und Motivation wie Konzentration dafür halten sich daheim oft in Grenzen. Manchmal scheint auch allen die Decke auf den Kopf zu fallen, wenn sie plötzlich 24 Stunden unter einem Dach verbringen.
So hat es sich bei uns schon eingebürgert, dass ich an solchen Tagen hin und wieder eines meiner Kinder ins Büro mitnehme. Daheim wird dafür ein Rucksack gepackt, früher noch mit Ausmalheften, Buntstiften, Bilderbüchern und Comics, mittlerweile meist mit Mathe- und Lateinbüchern und dem eigenen Laptop. Das Ziel: den Tag gut betreut zu verbringen und idealerweise in der konzentrierten Arbeitsatmosphäre zumindest ein wenig beim Lernstoff voranzukommen. Als Belohnung winkt dann, am Nachmittag eine Tierdoku oder Zeichentrickfilme anschauen zu dürfen, bis ich mit meinem Tagwerk fertig bin.
Hineinschnuppern in die Berufswelt
Es ist für die Kinder nicht nur ein Lerntag, sondern auch ein Hineinschnuppern in die Berufswelt. Schließlich bekommen sie einiges aus meiner Journalistenarbeit mit: Das Zeitungslesen am frühen Morgen, die Redaktionskonferenz, Telefoninterviews oder die Kommunikation im Büro. Sie lernen mich in meiner beruflichen Tätigkeit kennen und auch meine Kollegen, die sich sehr umsichtig um die kleinen Neuzugänge kümmern und sie als Assistenten titulieren. Auch unsere Sekretärin wird bei der Suche nach Beschäftigungen für sie erfinderisch und lädt sie mitunter zur Mithilfe ein - wie etwa beim Kuvertieren von Briefsendungen, beim Gang zur Post oder beim Entsorgen des Altpapiers. Die Kinder machen mit, bereitwillig wie sonst kaum.
Unlängst begleitete mich in den Herbstferien meine 13-jährige Tochter, gleich zwei Tage lang. Ich ließ sie dann einen Erlebnisaufsatz darüber schreiben – zu Übungszwecken, versteht sich. Ein paar überraschende Erkenntnisse für mich waren da durchaus enthalten. „Wenn man ins Büro kommt, riecht es so gut“ – das war mir bisher gar nicht aufgefallen, und auch die Zuckerwürfel aus der Kaffeeküche, die es ihr offenbar angetan hatten, schlummerten dort bisher fernab meiner Aufmerksamkeit. „Einfach zuschauen, wie mein Paps arbeitet und sich mit seinen Kollegen bespricht“ war für sie ein Erlebnis, und ganz besonders freute mich natürlich: „Die Zeit mit ihm zu verbringen ist wunderschön“.
Weniger produktiv aber gut fürs Arbeitsklima
Ehrlich gesagt, ist mein Pensum an solchen Tagen etwas reduziert. Doch auch ich genieße diese Momente sehr und versuche dort, wo es die Arbeit zulässt, meinem Kind die volle Aufmerksamkeit zu geben. Schon der Hin- und Rückweg in der U-Bahn ist ein Erlebnis, mit Vater-Kind-Gesprächen, die ganz anders sind als zuhause, wofür das Handy freilich in der Tasche bleiben muss. Sind wir zeitig dran, gehen wir manchmal noch vor der Arbeit in die Wochentagsmesse im Dom und tauchen dort in die ganz eigene Atmosphäre frühmorgens ein. Ein Fix- und Höhepunkt ist stets die Betriebskantine zu Mittag, in der ich mich sonst kaum blicken lasse. In Begleitung schmeckt das Essen dort einfach besser. Im Sommer stürmen wir nach der Arbeit die Eisdiele.
Und nicht nur die innerfamiliären Bande werden durch solche Kinder-Mitbring-Tage gestärkt. Namen und Gesichter zu kennen, lässt auch im Gespräch unter Kollegen ganz anders Anteil an deren Freud und Leid nehmen. Wenn Abend- oder Wochenendtermine anstehen, die Urlaubsplanung beginnt, Kinder krank sind oder andere Umstände Homeoffice erfordern, macht es einen Unterschied, wenn man vor Augen hat, dass hinter jedem Mitarbeiter ein ganzes Familiensystem steht. Wer seine Kollegen auch als Menschen mit Beziehungen, Verpflichtungen und Aufgaben jenseits des Berufs kennt, entwickelt dafür ein anderes Verständnis. Das verändert das Arbeitsklima – weit über die Ferienzeit hinaus.





