Sakramentenvorbereitung

Salesianerpater Sandberger: „Die Erstbeichte ist ein Schatz“

Die Beichte hat ein schlechtes Image. Zu Unrecht, findet Pater Hermann Sandberger. Umso wichtiger ist es für ihn, dass Kinder ein positives Erlebnis mit dem Sakrament verbinden, damit sie es auch später als heilsame Zuwendung Gottes erfahren können.

veröffentlicht am 23.12.2021

Kurz vor der Erstkommunion steht sie bei den meisten Kindern an: die Beichte. Ein Sakrament, das selbst bei Erwachsenen oft nicht sehr beliebt ist. Wieso ist es trotzdem sinnvoll, dass Kinder schon mit etwa neun Jahren beichten gehen?
Auch mit neun Jahren spüren Kinder schon, was gut ist und was nicht. Das finde ich nicht zu früh. Das ist natürlich noch keine ausgefeilte Beichte und man muss die Kinder behutsam heranführen. Entscheidend ist, dass die Kinder das vorbringen können, was ihnen selbst am Herzen liegt, was sie selbst spüren. Ich kann auch nachvollziehen, dass viele Eltern Vorbehalte gegenüber der Beichte haben, weil sie selbst nichts damit anfangen können. Das thematisiere ich immer wieder bei den Elternabenden. Ich nehme die Sorgen und Ängste der Eltern ernst, aber ich möchte den Kindern trotzdem diese Chance der eigenen Erfahrung ermöglichen.

Wie wird das in Ihrer Pfarre gehandhabt? Wie bereiten Sie die Kinder auf die Erstbeichte vor?
Es gehören viele Elemente dazu, damit sich die Kinder bei der Beichte wohlfühlen. Die Kinder müssen genau wissen, wie so eine Beichte abläuft und was da auf sie zukommt. Es ist also wichtig, auch den äußeren Rahmen vorab einmal durchzuspielen. Bei der inhaltlichen Vorbereitung sollte man von Bibelstellen wie die vom barmherzigen Vater ausgehen, um zu zeigen, dass es primär um den Aspekt der Versöhnung geht. Bei uns dürfen die Kinder auch aussuchen, zu welchem Priester sie zur Beichte gehen wollen, und am Tag der Beichte versuchen wir, eine Art Beichtfest zu machen. Das heißt, dass es nachher auch etwas zu essen und zu trinken gibt, damit das Ganze einen feierlichen Rahmen hat.

Und die Beichte selbst? Wie gestalten Sie diese?
Wir haben verschiedene Räume und Orte, zu denen die Kinder zur Beichte kommen können. Durch den Missbrauchsskandal hat sich die Beichtpraxis ein wenig verändert. Wir achten immer darauf, dass diese Räume einsichtig sind. Wir sitzen zum Beispiel in einer Ecke der Kirche, sodass uns jeder sehen, aber natürlich nicht hören kann.

Viele Gemeinden in Deutschland bieten statt der klassischen Erstbeichte einen Bußgottesdienst an. Ist das in Österreich auch so und inwiefern ist diese Form vielleicht sogar zeitgemäßer?
In der Erzdiözese Wien gibt es da und dort solche Versuche und einzelne Projekte, aber als Ersatz ist das nicht angedacht. Bei uns in den Salesianerpfarren ist das zurzeit jedenfalls kein Thema. Ich glaube auch nicht, dass das zeitgemäßer ist. Wenn die Kinder bei der Beichte erfahren, dass sie angenommen werden, so wie sie sind, wenn das klappt, dann ist die Beichte gelungen.

Können Sie sich denn noch an Ihre Erstbeichte als Kind erinnern?
An die Erstbeichte nicht unbedingt, aber an die ersten Beichten generell. Bei uns war in der Schule immer zwei- bis dreimal im Jahr die Beichte. Ich weiß, es war in einem dunklen Beichtstuhl und vorher haben wir uns gefragt, was wir überhaupt sagen sollen. Man ist da immer mit gemischten Gefühlen hingegangen. Daran kann ich mich noch erinnern. Daher betone ich heute den Wert einer guten Vorbereitung auf die Erstbeichte, damit die Kinder sich darauf freuen können und damit sie merken, dass Gott sie mag, so wie sie sind. Ich frage die Kinder danach auch immer, wer wieder einmal zur Beichte gehen möchte. Normalerweise zeigen alle auf. Das ist für mich dann ein Erfolgserlebnis.

Und beichten die Kinder dann auch ab und an? Die Regel ist ja eher, dass sie erst wieder vor der Firmung zur Beichte gehen.
Natürlich, das ist auch bei uns in der Pfarre meistens so. Für mich zählt aber, dass die Kinder die Erstbeichte positiv in Erinnerung behalten. Auch wenn sie dann jahrelang nicht zur Beichte gehen, ist das egal. Wenn die Kinder bei der Beichte erfahren, dass sie da etwas loswerden können, ist das ein Schatz, den sie mitnehmen und auf den sie später vielleicht einmal zurückgreifen können.

Salesianerpater Hermann Sandberger

Der Salesianerpater Hermann Sandberger ist als Kaplan und Pfadfinderkurat in der Pfarre „Herz Jesu“ in Wien Stadlau tätig. Seit zwölf Jahren begleitet er Kinder bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Erstbeichte.


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