Biblische Tradition

Kluge Schlange, fieser Hund – Tiere in der Bibel

Löwen, Schlangen, Kamele und viele weitere Tiere bevölkern die Bibel. Etwa 130 Tierarten werden im Buch der Bücher erwähnt. Dass Ochse und Esel an der Krippe standen, ist dort allerdings nicht belegt. Was welche Tiere bedeuten und wo sie vorkommen.

veröffentlicht am 13.08.2021

Etwa 130 Tierarten werden in der Bibel erwähnt. Anders als nach der heute üblichen zoologischen Systematik wurden die Tiere damals nach leicht erkennbaren Merkmalen eingeteilt. So ergeben sich vier Gruppen: Wassertiere, Vögel oder geflügelte Tiere, Landtiere und Kriechtiere. Unterschieden wird außerdem zwischen „reinen“ Tieren wie Schafen, Rindern oder Fischen und „unreinen“ Tieren wie Kamelen, Hasen und Schweinen. Die einen durften gegessen werden, die anderen nicht.

Dass gerade im Alten Testament sehr viele Tiere auftauchen, ist kein Wunder. Schließlich hatten Tiere zur Entstehungszeit der alttestamentlichen Schriften eine viel größere Bedeutung für die Menschen als das heute der Fall ist. So ist von Tieren zu lesen, die als Nahrungsquelle und Ackertiere genutzt werden. Löwen und Wölfe dagegen stellen eine Gefahr für Menschen und andere Tiere dar, vor der man sich schützen muss. Als Opfertiere gelten unter anderem Lämmer, Schafe und Ziegen. Auffallend bei den Beschreibungen ist, dass den meisten Tieren höchste Wertschätzung entgegengebracht wird.

Vor allem im Neuen Testament werden Tiere häufig symbolisch verstanden. Vögel werden als sorglos dargestellt, Tauben als sanft, Füchse als listig und Schlangen als klug. Schweine und oft auch Hunde haben einen schlechten Ruf. Das Kamel darf für durchaus witzige Bildworte herhalten wie „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ (Matthäus 19,24).
Einen umfangreichen, sehr detaillierten Einblick in die Tierwelt im Alten und Neuen Testament bietet der Artikel zum Begriff Tier im Online-Bibellexikon der Deutschen Bibelgesellschaft.

Schlange oder Kuh als Vornamen im Alten Israel

In der biblischen Tradition sind Mensch und Tier eng miteinander verwandt. Beide sind Geschöpfe Gottes und teilen das Schicksal, dass sie sterben werden. „Wie stark die IsraelitInnen sich den Tieren verbunden fühlten, lassen ihre zahlreichen Tiernamen erahnen“, schreibt die Alttestamentlerin Silvia Schroer in ihrem Buch „Die Tiere in der Bibel“ (Herder Verlag). Eltern nannten ihre Kinder stolz Nachasch (Schlange) oder Lea (Kuh), weil diesen Tieren positive Bedeutungen zugeschrieben wurden, während sie heute als Schimpfwörter gelten. Einige Beispiele:

Bichri – junges Kamel – willkommener Segen
Chamor – Esel – stark, gottesfürchtig
Debora – Biene – süß, emisg
Eglon – Kälbchen – geliebt, umhegt
Gasam – Heuschrecke – solidarisch
Hesir – Wildschwein – stark, kräftig
Hofni – Kaulquappe – von Fruchtbarkeit gesegnet
Jona – Taube – von Liebe kündend
Kaleb – Hund – wehrhaft, treu
Lea – Kuh – fruchtbar, milchreich
Nachasch – Schlange – wachsam, klug
Schobal – Löwe – stark, majestätisch
Schual – Fuchs – neckisch, anziehend
Zippora – Vögelchen – fröhlich, leicht

Achtung, Fake! – Diese Tiergeschichten stehen nicht in der Bibel

Ochse und Esel wachen beim Jesuskind im Stall? Ein Wolf geht einen Deal mit dem heiligen Franz von Assisi ein? Achtung, all das hat mit der Bibel wenig zu tun. „Die christliche Volkstradition hatte ein Gespür dafür, wo die Tiere in der christlichen Überlieferung ‚fehlten‘ und hat manche dieser Leerstellen gefüllt“, schreibt Silvia Schroer. Dass an der Krippe neben Hirten und Engeln auch Ochs und Esel auftauchen, ist im Neuen Testament mit keinem Wort erwähnt. Über die Jahrhunderte seien zahlreiche Tiere an die Seite der Evangelisten und Heiligen getreten, so Schroer. „Die frommen Legenden und Bilder bieten einen wahren Zoo.“ So begleitet ein Esel Antonius von Padua, eine Gans Martin von Tours, ein Schwein Antonius den Großen, ein Löwe Hieronymus und ein Hirsch den heiligen Hubertus.

Die schönsten Bibelstellen mit Tieren

Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
1 Mose 1,28

Geh zur Ameise, du Fauler, betrachte ihr Verhalten und werde weise!
Sprüche 6,6

Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel.
Matthäus 23,24

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Jesaja 11,6-7

Selbst der Storch am Himmel kennt seine Zeiten; Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Frist ihrer Rückkehr ein; mein Volk aber kennt nicht die Rechtsordnung des Herrn.
Jeremia 8,7

Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück und siehe: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Ölzweig. Da wusste Noach, dass das Wasser auf der Erde abgenommen hatte.
1 Mose 8,11

Jeder hatte eine Streitmacht von hundertzehntausend griechischen Fußsoldaten, fünftausenddreihundert Reitern, zweiundzwanzig Elefanten und dreihundert Sichelwagen.
2 Makkabäer 13,2

Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
Matthäus 3,4

Du sollst dem Ochsen zum Dreschen keinen Maulkorb anlegen.
5 Mose 25,4

Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch am Morgen und ebenso Brot und Fleisch am Abend und er trank aus dem Bach.
1 Könige 17,6

Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Sieh da, er steht hinter unserer Mauer, er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter.
Hoheslied 2,9

Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er verdorrte.
Jona 4,7

Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
1 Mose 3,1


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