Passgenaue Förderung

Den Jugendlichen Mut machen

Ludwig Mangstl setzt sich seit rund 30 Jahren bei Don Bosco in Aschau am Inn für Jugendliche ein, die es aus verschiedenen Gründen schwerer haben im Leben als ihre Altersgenossen. Ein Gespräch über die Herausforderungen und Ziele seiner Arbeit.
  • Christine Wendel

veröffentlicht am 01.11.2018

Was ist das Ziel der Ausbildung bei Aschau am Inn?
Unser Ziel ist es, jungen Menschen mit Einschränkungen eine Ausbildung zu ermöglichen, und dies in einem ganzheitlichen Ansatz. Das heißt konkret, dass sie neben der eigentlichen Ausbildung von unseren verschiedenen Fachdiensten begleitet werden: vom psychologischen Dienst über den medizinischen bis hin zum sozialpädagogischen Förderdienst. Für jeden Jugendlichen gibt es einen individuellen Rehaverlaufs- beziehungsweise Förderplan – passgenau zugeschnitten auf die Bedürfnisse und den Förderbedarf jedes und jeder einzelnen.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Arbeit mit den jungen Menschen?
Durch die verschiedenen Einschränkungen unserer Schüler und Auszubildenden ist die Arbeit mit ihnen oft zeitintensiv. Und da wir jede und jeden bestmöglich begleitet wollen, die Erfolge sich aber nicht über Nacht einstellen, braucht es unsererseits auch eine gewisse Geduld. Ob körperliche Einschränkung, Suchtproblematik oder einfach nur Motivationsmangel – gemeinsam im Team versuchen wir, den jungen Menschen den Weg ins Berufsleben zu ermöglichen.

Über welche Erfolge freuen Sie sich?
Erfolge sind, wenn junge Menschen ihre Prüfung schaffen und am ersten Arbeitsmarkt unterkommen. Und ich wünsche mir für sie, dass sie den richtigen Beruf finden. Eine Arbeit, die ihnen Freude bereitet. Denn alles, was einem Spaß macht, da ist man gut darin. Und wenn sie im Schnitt nach drei Jahren Ausbildung zu mir kommen und wir gemeinsam zurückblicken auf ihre Zeit und ihre Veränderungen, dann kann man sehen, wie die jungen Menschen gereift sind. Und man kann ihnen sagen: „Du hast es geschafft.“ Ein Highlight ist für mich jedes Jahr das Ehemaligentreffen – wenn unsere früheren Schüler und Auszubildenden kommen, oft auch mit Partner und Kindern, und sie von ihrer Arbeit und ihrem Leben erzählen. Das ist Balsam für die Seele für einen Ausbilder.

Wie bleibt Don Bosco Aschau am Inn beim Wandel in der Berufswelt am Puls der Zeit dran?
Wir behalten immer den Arbeitsmarkt im Blick. Was braucht die Wirtschaft? Welche Berufe können wir ausbilden – auch im Blick darauf, was die jungen Menschen, die eine Behinderung haben, auch gut ausüben können. Derzeit sind es über 30 Berufe in verschiedensten Berufsfeldern. Wir sind eines der ersten Berufsbildungswerke, die E-Commerce (Elektronischen Handel) anbieten. Zudem bilden wir Nischenarbeitsplätze aus wie Sattler oder Polsterer, traditionelle Berufe. Wir schauen, dass wir immer am Puls der Zeit sind.

Was ist das Besondere an der Ausbildung in einer Einrichtung der Salesianer Don Boscos?
Don Bosco steht nach wie vor als Vorbild für die Jugend. Und das bekommen auch unsere Jugendlichen mit. Sein Leben und seine Pädagogik ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausbildungszeit der jungen Menschen. Obwohl fast 200 Jahre alt, ist sie immer noch modern. In unseren Internaten erhalten die jungen Menschen ein Zuhause auf Zeit, sie erfahren eine Ausbildung, wir bieten viele Freizeitmöglichkeiten, und sie haben die Möglichkeit, sich auch spirituell zu beschäftigen. Auch dadurch, dass sie den Tagesablauf der Salesianergemeinschaft Don Boscos vor Ort miterleben, bekommen sie einen speziellen Bezug zu Don Bosco.

Ludwig Mangstl von Don Bosco Aschau

Ludwig Mangstl ist gelernter Schlosser und Maschinenbautechniker. Seit rund 30 Jahren setzt er sich bei Don Bosco Aschau am Inn für Jugendliche ein, die es aus verschiedenen Gründen schwerer haben im Leben als ihre Altersgenossen. 25 Jahre lang bildete er selbst die jungen Menschen in seinem Fachbereich aus, zwei Jahre wirkte er als Bildungsbegleiter. Seit 2017 ist er Ausbildungs- und Berufsvorbereitungsleiter.


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