Vor Ort

Der Berg ruft! Gottesdienste für Gipfelstürmer

Für „Bergpfarrer“ Pater Peter Rinderer sind die Alpen besondere Orte der Gottesbegegnung. Der Salesianer Don Boscos verbindet Sport und Natur gerne mit dem christlichen Glauben. Viele Menschen folgen ihm – nicht nur real, sondern auch im Internet.

veröffentlicht am 26.02.2026

Zusammen mit zwei anderen Priestern, Anselm Becker und Gabriel Steiner, hat Pater Peter Rinderer im Jahr 2021 die Initiative „Bergpfarrer“ ins Leben gerufen. Alle drei sind gerne in den Bergen unterwegs. Für sie hat das eine sportliche Dimension, aber auch eine gemeinschaftliche und spirituelle: „Im gemeinsamen Unterwegssein, lachen, reden und tun wächst das Vertrauen und daraus wächst noch vieles mehr“, erklärt Rinderer, „in den Bergen komme ich ins Staunen über die Schöpfung, die Schönheit der Natur und die Größe Gottes.“

Der Ordensmann war schon von Kindheit an sportlich. „Sport hat mich immer begeistert. Fußball, Skifahren, Tischtennis, Radfahren, Bergsteigen, Schwimmen – ich mache irgendwie alles gerne“, erklärt er. So organisierte er auch im Sommer 2025 eine Radreise zum Jubiläum der Jugend in Rom. 800 Kilometer radelte er zusammen mit 18 Jugendlichen, um bei den Feierlichkeiten dabei zu sein.
Als Direktor des Don-Bosco-Schülerheims in Fulpmes in Tirol sowie als Religionslehrer und ehemaliger Diözesanjugendseelsorger kennt er die Lebensrealität Jugendlicher und junger Erwachsener gut. 

„Die Jugend ist eine wichtige Phase, in der man eigenständig wird und sich das eigene Leben aufbaut. Da Wegbegleiter zu sein, Chancen und Möglichkeiten zu geben, ist etwas Wunderbares.“ Weil er überzeugt ist, dass man andere am besten mit dem begeistert, was man selbst liebt, verbindet der gebürtige Vorarlberger Jugendarbeit bewusst mit Sport. Radfahren oder Bergsteigen werden so nicht nur zu körperlicher Betätigung, sondern zu Erfahrungsräumen, in denen Gemeinschaft, Vertrauen und Glaubensimpulse lebendig werden.

"Am Berg gemeinsam das Vaterunser zu beten, das ist für mich erlebbarer Glaube“

In den Sommermonaten finden regelmäßig Berggottesdienste mit ihm statt. Für Pater Rinderer ist es etwas ganz Besonderes, „in der Natur, in der Schöpfung Gottes zu feiern“. Ein Gottesdienst am Seefelder Joch im Sommer 2025, an dem über hundert Menschen teilnahmen, die über verschiedene Kanäle davon erfahren hatten, bleibt ihm besonders in Erinnerung. „In solchen Momenten ist für mich die Natur eine starke Predigt. Ich muss da gar nicht mehr viel zusätzlich sagen, die Landschaft spricht für sich. Am Berg gemeinsam das Vaterunser zu beten und die Gemeinschaft zu spüren, das ist für mich erlebbarer Glaube“, betont Pater Rinderer begeistert.

In seiner Tätigkeit als Bergpfarrer sieht er eine große Chance, junge Menschen zu erreichen und ein offenes und modernes Bild der Kirche zu vermitteln. Was könnte da naheliegender sein, als bei einer Bergtour gemeinsam mit jungen Menschen nicht nur über Fußballergebnisse zu fachsimpeln, sondern auch über Gott zu reden? Für Rinderer ist die Alltagsnähe wichtig: „Glaube wird dann im Miteinander und im Austausch spürbar.“

Im täglichen Zusammensein mit jungen Leuten erlebt Pater Rinderer oft Momente der tiefen Freude. Beim Bergsteigen, Fußballspielen oder Wandern, beim Lernen mit Jugendlichen oder als Priester bei Taufen oder Hochzeiten spürt er immer wieder, wie seine Begeisterung für den Glauben auf andere überspringt. „Diese Aha-Momente sind für mich Highlights“, sagt er. Jugendliche beginnen nachzufragen, zeigen Interesse an Gebeten und an Gott und denken neu über den Sinn des Lebens nach. Solche Erlebnisse sind für ihn Bestätigung und Motivation zugleich, weil sie zeigen, dass der Glaube Verbindung stiften und Menschen inspirieren kann.

Der Bergpfarrer als Instagram-Influencer: Aus einem kleinen Video wird eine Sensation

Seiner Arbeit als Salesianer Don Boscos entsprechend, sind ihm Kommunikationskanäle wie das Internet und Social Media wichtig. Auf Instagram betreiben die drei „Bergpfarrer“ den gleichnamigen Kanal @bergpfarrer, auf dem sie von Berggottesdiensten berichten, geistliche Videoimpulse und Tourentipps geben, Gebete und christliche Inspirationen teilen und natürlich auch Hinweise auf die kommenden Berggottesdienste geben. So erreichen sie Menschen, die digital unterwegs sind und über klassische Angebote der Kirche vielleicht gar keinen Zugang hätten.

Manchmal überholt die Realität jedoch auch die Planung. Im Sommer 2024 wurde aus dem kleinen, feinen Bergpfarrer-Kanal plötzlich über Nacht eine Sensation. Ein Filmteam hatte ein Video gedreht, das die Erneuerung des Gipfelkreuzes am Glatthorn dokumentiert, dem höchsten Gipfel des Bregenzerwaldgebirges, das die Bergpfarrer gekürzt auf ihrem Account teilten. 

Vom Erzeugen des Kreuzes über den schwierigen Transport mit Seilwinden bis hin zur Montage am Gipfel konnten die Zuschauer alles mitverfolgen. Und was sie sahen, begeisterte offenbar: Das Video ging quasi über Nacht viral und wurde insgesamt von über 17 Millionen Menschen gesehen. Mehr als 690.000 Menschen schenkten dem Video einen „Like“, und es gab unzählige positive Kommentare auf der Social-Media-Plattform.

Kirche kann überall lebendig sein kann – in der Natur, in Begegnungen und im digitalen Raum

„Auch wenn man sich noch so anstrengt, so einen Hype kann man nicht planen“, meint Pater Rinderer lächelnd dazu. „Wir versuchen ständig, neue Ideen medial umzusetzen, um Menschen zu erreichen, aber manchmal gehört einfach Glück dazu.“ Dass es nicht nur Glück ist, zeigen allerdings die Follower-Zahlen. 15.300 Menschen folgen dem Kanal und sehen sich die professionell gestalteten Videos regelmäßig an. Wer selbst an einem der Berggottesdienste teilnehmen möchte, findet ebenfalls über Instagram die Termine in einer eigenen Rubrik. 

In den Sommermonaten kann man dort erfahren, wo die nächste Bergmesse stattfindet und welche Priester den Gottesdienst leiten. Informationen zu Berggottesdiensten in anderen österreichischen Bundesländern oder Bayern findet man auf ihrer Website www.bergpfarrer.at. Außerdem gibt es einen Newsletter, zu dem man sich anmelden kann.

Pater Peter Rinderer zeigt mit seiner Arbeit, dass Kirche überall lebendig sein kann – auf Gipfeln, in der Natur, in Begegnungen und im digitalen Raum. Für ihn ist Glaube kein Rückzug, sondern ein Aufbruch: bodenständig, offen, herzlich und lebendig. Diese Haltung berührt viele und macht seine Arbeit zu einem Beispiel, wie Kirche heute aussehen kann: offen, partizipativ und mitten im Leben.
 

Drei Bergpfarrer in den Alpen

Die Initiative „Bergpfarrer“ wurde 2021 von Pater Peter Rinderer (links) gemeinsam mit Anselm Becker (Mitte), Priester in der Erzdiözese Wien, und Gabriel Steiner (rechts), Priester in der Diözese Feldkirch, ins Leben gerufen. Auf dem Instagram-Kanal @bergpfarrer sind geistliche Videoimpulse und Gebete zu finden, außerdem gibt es Tourentipps, inspirierende Zitate und Hinweise auf Berggottesdienste.


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