Katholische Hochschule

Studieren im Kloster

Ein Studienort mit spirituellem Ambiente und familiärer Atmosphäre: Das Kloster Benediktbeuern bietet gerade für angehende Religionspädagogen perfekte Bedingungen.

veröffentlicht am 28.02.2017

Der Blick aus dem Fenster ist traumhaft, selbst an einem eher trüben Tag wie diesem: barocke Klostergebäude vor noch verschneiter Landschaft und im Hintergrund die Berge, deren Gipfel in den tief hängenden Wolken verschwinden. „Ich liebe das“, erklärt Julia Meichelböck und blickt aus dem kleinen Fenster in der dicken Mauer des ehemaligen Benediktinerklosters Benediktbeuern. Mit „das“ meint sie nicht nur die Landschaft, sondern auch die Ruhe und Spiritualität, die das Kloster ausstrahlt, und die familiäre Atmosphäre, die ihr Studentenleben hier prägt. Seit drei Semestern ist Julia Meichelböck im Studiengang „Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit“ der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) eingeschrieben – Standort Benediktbeuern.

Studieren im Kloster. Das ist nicht das Richtige für Großstadtmenschen, die gern eine Einkaufsmeile um die Ecke haben und abends mehrere Discos zur Auswahl. So viel stellt Julia Meichelböck gleich klar. „Man muss das schon mögen: die Natur, das Kleine, Familiäre. Aber für mich persönlich gibt es keinen besseren Studienort. Ich weiß es sehr zu schätzen, an einem so besonderen, altehrwürdigen Ort studieren zu dürfen“, sagt die 27-Jährige, und wer mit ihr im „Hörsaal 1“ steht, zu dem das kleine Fenster mit dem traumhaften Ausblick gehört, weiß sofort, was sie meint: Hier hängen Kronleuchter von der alten Holzdecke, die Bodendielen knarzen leise, wenn man darüber geht, lange dunkelrote Vorhänge säumen die Fenster und an einer Wand steht ein Regal mit alten Büchern. Doch im selben Regal steht auch ein großer Flachbildschirm und auf dem hölzernen Rednerpult warten Mikrofon und Beamer auf ihren Einsatz.

Altehrwürdige Mauern treffen auf moderne Technik – diese Kombination ist auch im Büro von Professor Ralf Gaus zu finden, wo alte Gemälde die hohe Decke zieren, während auf dem neuen Schreibtisch der Laptop steht. Gaus ist Leiter des Studiengangs „Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit“, der zum Wintersemester 2014/15 neu in Benediktbeuern eingerichtet wurde. Die meisten seiner Studenten wollen später als Gemeindereferenten arbeiten. Das Studium vermittelt dafür theologisches und pädagogisches Grundwissen gleichermaßen. „Und genau dafür liefert Benediktbeuern die perfekte Umgebung“, betont Professor Gaus. „Denn studieren zu können, wo es noch ein lebendiges Klosterleben gibt, ist für angehende Religionspädagogen ein echter Vorteil.“ In Benediktbeuern leben die Studenten mit den Salesianern Don Boscos Seite an Seite und bekommen direkten Einblick in deren Arbeit und in die Pädagogik Don Boscos – im Aktionszentrum zum Beispiel oder im Zentrum für Umwelt und Kultur. Manche Mitbrüder haben auch Lehraufträge an der Hochschule. „Wir haben die Räume im Kloster Benediktbeuern nur gemietet“, erklärt Professor Gaus. „Aber wir arbeiten eng mit den Salesianern zusammen.“ Die Studenten können praktische Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln – die Salesianer ihre pädagogischen Ideen weitergeben. „Ich habe Don Bosco vorher gar nicht gekannt“, sagt Julia Meichelböck. „Aber seit ich hier studiere, bin ich zu einem richtigen Fan geworden.“ 

Gelebte Spiritualität 

Und noch etwas bietet die Nähe zum Orden, das ganz besonders die angehenden Religionspädagogen zu schätzen wissen: gelebte Spiritualität. „Die Hauskapelle ist mein Lieblingsort hier“, sagt Sr. Jeslin. Die 38-Jährige stammt aus Indien und gehört dem Orden der Schwestern der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments an. In Deutschland hat sie erst in Stuttgart in einem Altenheim gearbeitet, dann hat ihr Orden ihr die Möglichkeit gegeben, sich weiterzubilden, und sie hat sich für ein Doppelstudium in Benediktbeuern entschieden: Religionspädagogik und Soziale Arbeit. In der Hauskapelle finde sie einerseits die nötige Ruhe, sich mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen, erklärt Sr. Jeslin, könne aber auch lebendigen, fröhlichen Glauben erleben – vor allem in den Gottesdiensten, die Studenten und Salesianer gemeinsam feiern.

Den eigenen Glauben leben und ihn mit anderen teilen, sie dafür begeistern. Für Julia Meichelböck ist das der Antrieb, Gemeindereferentin werden zu wollen: „Es war immer mein Ziel, meinen Glauben nach außen zu tragen“, erklärt sie. „Und in der Gemeindearbeit hat man den Vorteil, dass man mit verschiedenen Generationen arbeiten kann: Wenn man aus der Jugendarbeit irgendwann rausgewachsen ist, kann man sich vielleicht mehr auf Familien konzentrieren oder auf alte Menschen.“

„Wer hier anfängt, Religionspädagogik zu studieren, sollte Neugier mitbringen, Lust auf spirituelle Fragen und auf die Arbeit mit Menschen. Er sollte etwas bewegen wollen“, sagt Professor Gaus. Für das nötige Fachwissen gibt es dann die Lehrveranstaltungen, zum Beispiel die Vorlesung zur „Einführung in religionspädagogisches Denken und Handeln“, die der Studiengangsleiter Mittwochnachmittag im Seminarraum „Alte Schreinerei“ hält. Dabei geht es familiär zu: Rund 20 Studenten sitzen an den weißen Tischen, hören zu, während Gaus von den Entwicklungsstufen religiösen Glaubens nach James W. Fowler erzählt, und machen sich ab und zu Notizen. Nachfragen ist erlaubt. Auch Kritik und Anregungen für den Studiengang an sich sind willkommen.

Großstadtflair mit Einkaufsstraßen gibt's hier nicht

„Wir wollen unseren Studiengang ständig verbessern ­– da ist es gut, wenn die Studierenden Feedback geben und sagen, was sie gut finden und was sie noch brauchen“, sagt Gaus. Etwa 30 bis 35 Studenten fangen pro Semester in seinem Studiengang an. Kein Wunder also, dass er schon nach kurzer Zeit jeden, der in einer seiner Lehrveranstaltungen sitzt, mit Namen kennt und sich viel mehr Zeit zur Betreuung jedes Einzelnen nehmen kann, als es an einer großen Hochschule mit Hunderten Studenten pro Semester möglich ist.

Persönliche Betreuung, spiritueller Background, Möglichkeiten für praktische pädagogische Erfahrungen und eine wunderschöne Landschaft außenrum. Zum Lernen lässt Benediktbeuern für angehende Religionspädagogen also keine Wünsche offen, aber was ist eigentlich mit dem Studentenleben? „Natürlich werden hier auch Studentenpartys organisiert – nur eben im kleineren, gemütlicheren Stil“, sagt Julia Meichelböck. Sie wohnt in einer Studenten-WG, ihre Kommilitonin Sr. Jeslin lebt im Studentenwohnheim auf dem Klostergelände. Abends treffen sich beide am liebsten in privater Runde mit ihren Mitstudenten zum gemeinsamen Kochen, Plaudern oder Feiern. „Gerade weil das hier kein Massenbetrieb ist, lernt man sich untereinander sehr schnell kennen“, sagt Sr. Jeslin. „Ich habe mich hier keinen Augenblick fremd gefühlt.“

„Und die Hilfsbereitschaft ist unheimlich groß“, ergänzt Julia Meichelböck. Es gibt zum Beispiel eine Facebook-Gruppe von Benediktbeurer Studenten, in der man schnell und unkompliziert Hilfe findet – egal ob man jemanden braucht, der beim Umzug anpackt, oder eine Mitfahrgelegenheit zum Großeinkauf beim Discounter im nächstgrößeren Ort Penzberg. Großstadtflair mit Einkaufsmeile und turbulentem Nachtleben findet man übrigens auch dort nicht. „Aber das macht nichts“, sagt Julia Meichelböck. „Mir fehlt es hier an gar nichts.“

Katholische Stiftungshochschule München

Die Katholische Stiftungshochschule München (KSH) ist eine staatlich anerkannte Hochschule für Sozial-, Pflege- und pädagogische Berufe in kirchlicher Trägerschaft mit Standorten in München und Benediktbeuern. Am Standort Benediktbeuern bietet sie die Bachelorstudiengänge Soziale Arbeit und Religionspädagogik an, die auch in Form eines Doppelstudiums parallel studiert werden können. Außerdem haben Studierende dort die Möglichkeit, eine Theologische Zusatzausbildung, eine Musikpädagogische Zusatzausbildung oder eine Umwelt- und Erlebnispädagogische Zusatzqualifikation zu erwerben.


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