Meine Zeit bei Don Bosco in Aschau-Waldwinkel

Heribert Gabriel: „Das Präventivsystem war ein Leitfaden für mich“

Heribert Gabriel (80) lebte von 1957 bis 1960 im Don Bosco Jugendwerk in Aschau am Inn. Er machte eine Lehre als Bauzeichner. Später wurde er Ingenieur, Architekt und Berufsschullehrer. Die Jahre bei Don Bosco prägen ihn bis heute.

veröffentlicht am 30.12.2020

Ich denke mit großer Dankbarkeit an die Arbeit der Salesianer und schätze, was sie leisten. Bis heute stehe ich mit dem Orden in Verbindung. Mit einigen meiner damaligen Kameraden bin ich immer noch befreundet.

Meine Mutter und ich sind 1957 als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Vorher war ich in Polen, bis zum Kriegsende Ostpreußen, im Gymnasium. Eine Tante kümmerte sich darum, dass ich nach Waldwinkel kam. Die Not war groß, es gab kaum Lehrstellen. Hier konnte man alle möglichen Handwerksberufe wie Metall- und Elektroberufe, Gärtner, Schreiner, Maler, Lackierer oder Bauzeichner erlernen. 160 Jugendliche waren wir damals.

Ein Dorf aus kleinen Häusern

Wir wohnten mit jeweils 24 Mann in einem Raum, in kleinen, einstöckigen Häuschen. Ein ganzes Dorf war das. Wir haben Fußball und Volleyball gespielt und in der Turnhalle Boxtrainings veranstaltet. Es gab eine große Blaskapelle. Am Wochenende sind wir ins Kino gegangen oder ins Café. Es war eine tolle Zeit. Die Salesianer, die ich hier erlebt habe, waren super Leute.

Dass wir jeden Tag in die Frühmesse gegangen sind, hat mir viel gegeben. Ich komme aus einer sehr gläubigen Familie. Das Gebet gehört bis heute zu meinem Leben, und ich kann mich an keinen Sonntag erinnern, an dem ich nicht im Gottesdienst war. Ich denke, zur Erziehung gehören nicht zur Arbeit und Ausbildung, sondern auch Werte. Diese Beziehung zu Werten, das Menschliche, haben wir hier gelernt. Wir haben von Anfang an auch gute Manieren gelernt. Den schwachen Schülern wurde geholfen. Es gab klare Regeln. Wenn wir doch mal über die Stränge geschlagen haben, haben die Salesianer mit uns darüber geredet.

Dass ich Berufsschullehrer geworden bin, hat natürlich sehr stark mit meiner Zeit in Waldwinkel zu tun. Das Präventivsystem Don Boscos ist mir in meinem Beruf immer wieder zugutegekommen, auch für mich als Vater war es ein Leitfaden. Ich bin überzeugt: Es war Fügung, dass ich hier war. Mein ganzes Leben war Fügung. Ich bin dankbar.

Weitere Informationen über das Berufsbildungswerk der Salesianer Don Boscos in Aschau-Waldwinkel


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