Meine Zeit bei Don Bosco in Aschau-Waldwinkel

Manuel Eichinger: „Das war für mich die letzte Chance“

Als Manuel Eichinger 2007 ins Berufsbildungswerk der Salesianer in Aschau am Inn kam, hatte er sich bereits aufgegeben. Vier Jahre später verließ er die Einrichtung mit etwa 90 Kilogramm weniger Körpergewicht und einer abgeschlossenen Ausbildung.

veröffentlicht am 16.11.2020

Ohne die Unterstützung der Salesianer Don Boscos und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte ich mein Leben wohl nicht wieder in den Griff bekommen. Ich hatte einen Hauptschulabschluss und insgesamt zwei Jahre Arbeitslosigkeit hinter mir, eine Ablehnung bei einem anderen Berufsbildungswerk und mehr als 100 Bewerbungen. Ich hatte mich abgeschrieben. Durch einen Zufall bin ich bei der Arbeitsagentur an einen Mitarbeiter geraten, der mich zu Don Bosco in Waldwinkel vermittelte.

Ich hatte damals fast 240 Kilogramm auf den Rippen. Ich war so dick, dass ich nicht durch die Badtür gepasst habe. Wenn ich eine Treppe hochgegangen bin, bin ich rot angelaufen und musste mich hinsetzen. In Waldwinkel habe ich Diätessen bekommen und drei Monate Computerverbot. Sie haben extra ein Bett für mich gebaut. Jeden Tag habe ich eine Stunde im Kraftraum trainiert. Es war schon mühsam. Aber ich habe verstanden, das ist für mich die letzte Chance, und habe mich durchgekämpft. So habe ich meine Ausbildung geschafft und sogar noch meinen QuaBi, den qualifizierten beruflichen Bildungsabschluss, erreicht.

"Es gibt immer noch Menschen, die es draußen nicht schaffen würden"

Heute arbeite ich als Fachkraft für Lagerlogistik in einem Unternehmen, das LKW repariert. Ich bin dort seit mehr als fünf Jahren und fühle mich wohl. In meiner Freizeit kümmere ich mich um meinen Hund oder treffe mich mit Kumpels zum Filmeschauen. Meine Blutwerte sind top. Mein Gewicht kann ich halten, weil ich viel Ausdauersport mache und auch dank einer Magenverkleinerung, die ich vor vier Jahren habe machen lassen.

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass es Einrichtungen wie Waldwinkel gibt. Es gibt immer noch Menschen, die es draußen nicht schaffen würden und eine Chance brauchen. Hier wird keiner ausgegrenzt. Alle wissen, jeder hat Schwächen, keiner ist perfekt. Ich denke oft an diese Zeit. Auch wenn in meinem Leben wirklich nicht alles perfekt gelaufen ist – heute geht’s mir gut.


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