Meine Zeit im Internat in Ensdorf

Martin Dollacker: „Einen Rahmen fürs Leben gefunden“

Martin Dollacker lebte von 1969 bis 1971 im damaligen Internat der Salesianer Don Boscos im Kloster Ensdorf. Heute ist er 61 Jahre alt und arbeitet als Sozialpädagoge am Max-Reger-Gymnasium in Amberg.

veröffentlicht am 24.07.2020

Ich habe drei Jahre im Internat gelebt, das die Salesianer früher im Kloster Ensdorf hatten. Es war für mich damals eine Möglichkeit aufs Gymnasium gehen zu können. Leider gab es hier nur drei Klassenstufen, von der fünften bis zur siebten. Aber auch außerhalb des Unterrichts sind wir vielseitig gefördert worden: Ich mochte am liebsten Faustball spielen. Das habe ich im Kloster gelernt und mit meinen Freunden jede freie Minute damit verbracht.

Musik und Theaterspielen hat aber auch eine große Rolle gespielt: Da gab es die Blaskapelle, in der ich eine Zeit lang die große Trommel gespielt habe, und den Don Bosco Chor unter Leitung von Pater Schachner. Wir haben sogar Aufnahmen auf Schallplatte gemacht und waren mit Blaskapelle und Chor unterwegs. Zudem verdanke ich Pater Scheidt, die Einführung in die Kunst des Malens und Schießens. Etwas ungewöhnlich, wie er selbst auch, aber doch möglich.

Strenge und Freiräume

Die zentrale Figur meiner Schulzeit im Kloster Ensdorf war jedoch Pater Dietz. Als mein Vater, während der Zeit als ich im Internat war, tödlich verunglückte, war Pater Dietz derjenige, der mir das mitteilen musste. Er hat das wirklich gut gemacht. Überhaupt konnte ich von der Art und Weise, wie er damals mit uns umgegangen ist, schon etwas mitnehmen. Gerade für meine eigene heutige Arbeit als Sozialpädagoge.

Es war sicher streng hier. Allerdings darf man nicht vergessen, in welcher Zeit wir groß geworden sind. Und wir hatten auch unsere Freiräume: Wir haben eine Zeit lang auch einen schwunghaften Schmuggel über die Klostermauern hinweg betrieben – mit allem, was verboten war. Auch gab es einen Raum hinten im Stadel, in dem wir als Schüler uns zusammensetzen und Quatsch machen konnten, ohne dass gleich ein Pater da war.

Ich glaube, diese drei Jahre im Kloster Ensdorf waren eine gute Erfahrung für mich. Sie haben mir einen gewissen Rahmen fürs Leben mitgegeben – nicht Alles, aber Einiges.


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