Interview

Palabek: „Jede Unterstützung macht einen Unterschied“

Im ugandischen Flüchtlingslager Palabek, in dem Don Bosco Bildungseinrichtungen betreibt, lebt seit Kurzem auch der österreichische Salesianer Peter Jirak. Im Interview berichtet er von seinen ersten Erfahrungen und der Hoffnung, die ihn täglich trägt.

veröffentlicht am 06.08.2026

  • Brigitte Sonnberger

Sie sind erst vor Kurzem in Palabek angekommen. Was war Ihr erster Eindruck?
Die großen Herausforderungen hier. Gemeinsam mit unseren Teams sind wir täglich unterwegs, um chronisch kranke und verletzte Kinder zu versorgen. Schon in den ersten Tagen wurde mir bewusst, wie wichtig diese Arbeit ist.

Gab es ein Erlebnis, das Sie besonders bewegt hat?
Ja, gleich zu Beginn. Pater José Ubaldino zeigte mir den achtjährigen Emmanuel. Er hatte schwere Verbrennungen am gesamten rechten Arm, an der Hand und am Unterschenkel. Der Unfall lag bereits drei Wochen zurück, doch die Wunden waren noch immer unversorgt. Er hatte 40 Grad Fieber und wirkte apathisch. 

Seine Mutter zieht mehrere Kinder alleine groß und hatte ihr gesamtes Geld bereits für Schmerzmittel ausgegeben. Nun war sie gekommen, um die Salesianer um Hilfe zu bitten. 

Was haben Sie unternommen, um Emmanuel zu helfen?
Wir entschieden, Emmanuel sofort ins Krankenhaus zu bringen. Nach einer notdürftigen Erstversorgung machten wir uns gemeinsam mit seiner Mutter auf den mehrstündigen Weg über staubige, holprige Straßen. In Österreich hätte ich den Hubschrauber oder zumindest den Notarzt angefordert. 

Das Spital war voller Menschen. Die Familien der Patienten helfen bei der Pflege und Betreuung mit, weil das Gesundheitssystem ohne diese Unterstützung nicht funktionieren würde. Erst gegen 1 Uhr morgens wurde Emmanuel behandelt. Eigentlich wollten ihn die Ärzte aufnehmen. Wir konnten aber die Betreuung vor Ort nicht organisieren, daher mussten wir ihn wieder mitnehmen und uns selber um die Nachsorge kümmern. Letztlich ist alles gut gegangen, mittlerweile spielt er wieder Fußball. 

Trotz allem klingen Sie optimistisch. Woher kommt diese Hoffnung?
Die Menschen auf der Flucht hier geben sie mir. Sie erinnern mich täglich daran, wie man trotz verheerender ­Bedingungen an ein gelingendes, erfülltes Leben glauben kann. Sie vertrauen, also vertraue ich auch.

Welche Botschaft haben Sie für unsere Leserinnen und Leser?
Jede Unterstützung macht einen Unterschied. Hinter jedem Projekt stehen konkrete Menschen und Schicksale, Kinder wie Emmanuel, die ohne Hilfe kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hätten. Die Solidarität der Don Bosco Familie gibt ihnen eine Chance auf Gesundheit, Bildung und Zukunft. Dafür bin ich von Herzen dankbar.


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