Hilfe zur Selbsthilfe

Uganda: Bildung für Geflüchtete

Mehr als 90.000 Menschen leben in der Flüchtlingssiedlung Palabek im Norden Ugandas. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. Stella Akongo, die mit ihren Kindern aus ihrer Heimat floh, bewirtschaftet jetzt ein kleines Stück Land in Palabek.

veröffentlicht am 06.08.2026

Stella Akongo hat schon viel erlebt: Krieg, Gewalt, Hunger und Flucht. Die 47-Jährige ist eine selbstbewusste Frau, die positiv in die Zukunft schaut – trotz ihres harten Schicksals. Insgesamt sieben Kinder versorgt sie – vier sind ihre eigenen und drei hat sie zusätzlich in ihre Obhut genommen. Kinder, die alleine fliehen mussten und ihre Eltern in den Kriegswirren verloren haben. 

In der Don Bosco Siedlung in Palabek ist sie für viele andere Frauen ein Vorbild. Stella hat ein Stück Land, auf dem sie zum Beispiel Zwiebeln und Tomaten anbaut. Sie kann ihre Familie mit Essen versorgen und einige ­Lebensmittel auf dem Markt verkaufen. „Mein Leben hat sich geändert, es ist jetzt viel besser als vorher“, erklärt die Geflüchtete stolz. 

Im Landwirtschaftsprogramm hat sie gelernt, wie man die Trockenzeit übersteht

Frau mit gemustertem Tuch auf dem Kopf und Halskette

Stella Akongo

Stella hat an einem Landwirtschaftsprogramm im Camp der Salesianer Don Boscos teilgenommen. Vieles hat sie gelernt, auch, wie man die Trockenzeit übersteht. „Die Leute haben wenig zu essen. Mehr als eine Mahlzeit am Tag ist nicht möglich. Meistens Polenta mit schwarzen Bohnen. Wir wollen die Menschen befähigen, selber für ihr Essen sorgen zu können“, erklärt Salesianerpater Ubaldino Andrade Hernandez, der von allen nur Pater Uba genannt wird.

Mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler in Palabek  müssten von Don Bosco versorgt werden. Teilweise würden die Lebensmittel bei den Frauen eingekauft. Das Geld würden sie dann wieder in Saatgut investieren. „Wenn es eine reiche Tomatenernte gibt, werden die Tomaten weiterverarbeitet oder getrocknet. Nichts wird verschwendet, alles wird haltbar gemacht“, so Pater Uba.

Fast alle Flüchtlinge möchten zurück in ihre Heimat 

Die meisten Menschen in Palabek sind vor dem ­Bürgerkrieg und dem Hunger im Südsudan geflohen. „Die Flüchtlinge möchten fast alle in ihre Heimat zurück. Die Chancen stehen aber schlecht. Der Südsudan ist reich an Bodenschätzen, und das schürt Konflikte. Die Regierung ist zu schwach, um den Frieden zu halten“, erklärt Pater Ubaldino. 

Uganda hat eine offene und großzügige Politik gegenüber Flüchtlingen. Mit mehr als 1,8 Millionen geflüchteten Menschen war das ostafrikanische Land im Jahr 2025 das größte Flüchtlingsaufnahmeland in Afrika. Und auch eines der größten Aufnahmeländer weltweit.  Zurzeit beherbergt es rund 1,3 Millionen Vertriebene. Sie erhalten ein Stück Land, und es wird vieles getan, um Bildung und Gesundheit sicherzustellen. Der Staat ist jedoch überfordert und daher auf internationale Unterstützung angewiesen. Diese wurde aber heruntergefahren, vor allem spürbar durch die drastische Kürzung der UN-Hilfsgelder.

Die Salesianer Don Boscos teilen das Leben im Camp mit den Vertriebenen 

Palabek ist eine Wüste mitten im Nirgendwo. In der Nähe gibt es keine Stadt oder Ortschaft. Manche Kinder kennen nichts anderes als die Flüchtlingssiedlung. Um die Not der Menschen im Nirgendwo zu lindern, gründeten die Salesianer Don Boscos 2017 eine Niederlassung in Palabek. Sie sind die einzige Organisation, die rund um die Uhr das Leben im Camp mit den Vertriebenen teilt.

Am Anfang lebten die Patres wie die Flüchtlinge in einfachen Hütten. Nach und nach bauten sie bescheidene Unterkünfte, sanitäre Anlagen, bohrten Brunnen, um Zugang zu sauberem Wasser zu erhalten.

Sport und Spiel spielen eine große Rolle. Regel­mäßig veranstalten die Patres mit ihren Mitarbeitenden Fußballturniere. Hunderte Menschen nehmen daran teil oder schauen zu. Der  Austausch, die gemeinsame Arbeit und das gegenseitige Kennenlernen fördern das friedliche Zusammenleben. „Konflikte zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen im Lager gibt es nicht. Die Kirche ist für jeden da. Was im Südsudan nicht funktioniert, der Kampf zwischen den ethnischen Gruppen und Clans, ist in Palabek kein Problem“, betont  Pater Ubaldino.

Vier Kindergärten und die einzige Berufsschule im Flüchtlingslager 

Stella glaubt an eine friedliche Zukunft für sich und ihre Kinder. Für die Hilfe von Don Bosco ist sie sehr dankbar. „Don Bosco steht an der Seite der Menschen, und das hat unserem Leben eine Wende gegeben“, erklärt sie.

Aktuell betreiben die Salesianer in Palabek vier Kindergärten für Hunderte von Mädchen und Jungen. Und sie haben die einzige Berufsschule im ganzen Flüchtlingslager aufgebaut. Dort bilden sie Jugendliche in den Bereichen Landwirtschaft, Motormechanik, Schneiderei, Friseurhandwerk, Bauwesen und Solartechnik aus. „Ich glaube an die Power der jungen Menschen. Sie lernen hier, dass es eine neue Art des Zusammenlebens gibt. Ein friedliches Zusammenleben ohne Konflikte. Und das macht mir Hoffnung und stimmt mich optimistisch – ­jeden Tag aufs Neue“, freut sich Pater Uba.

Mehr Informationen über die Arbeit der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in Uganda bei Don Bosco Mission Bonn, Don Bosco Mission Austria und der Missionsprokur der Don Bosco Schwestern. 


Verwandte Themen

Mann macht Selfie mit Jungen vor Gebäuden
Interview
Im ugandischen Flüchtlingslager Palabek, in dem Don Bosco Bildungseinrichtungen betreibt, lebt seit Kurzem auch der österreichische Salesianer Peter Jirak. Im Interview berichtet er von seinen ersten Erfahrungen und der Hoffnung, die ihn täglich trägt.
Jugendliche arbeiten an einem Motor
Berufsschule und Kindergärten
Im Flüchtlingslager Palabek im Norden Ugandas betreiben die Salesianer Don Boscos eine Berufsschule, Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramme sowie Kindergärten.
Zwei Kinder schaukeln im Ausbildungszentrum der Ciudad Don Bosco in Medellín
Bildung und Kinderschutz
Kolumbien ist ein Land im Spannungsfeld von Reichtum und Konflikten. Jahrzehntelange bewaffnete Auseinandersetzungen haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Salesianer Don Boscos geben Kindern und Jugendlichen eine Perspektive.