Tiere und Pflanzen

Die Liebe zur Schöpfung von Kindern lernen

Um die Erde zu retten, reichen Moralappelle und Klimawarnungen nicht aus, ist Hannes Pernsteiner überzeugt. Vielmehr kommt es auf die richtige Beziehung zur Umwelt an. Unser Autor findet: Von Kindern können wir dabei Einiges lernen.

veröffentlicht am 01.03.2019

Mit Isabel brauchen wir kein Haustier. Das gesamte Schauspieltalent unserer jüngsten Tochter erblüht, wenn sie in ihre Lieblingsrolle des Hundewelpen schlüpft: Sie hechelt, bellt, knurrt und jault in hoher Stimmlage, streckt rücklings am Boden alle Viere von sich, um am Bauch gekrault zu werden. Ja sie schafft es tatsächlich, sich mit dem Fuß hinter dem Ohr zu kratzen, will aus der Hand mit „Leckerlis“ verköstigt werden und beißt – leicht, aber lästig – in herumstehende Waden. Je länger das Spiel dauert, umso größer sind unsere Sorgen, ob die Rückverzauberung zum Mädchen nachher noch gelingt. Und da sie andere begeistern kann, mutiert ihr Kindergarten – sie geht in die „Bärengruppe“ – öfters zur Hundeschule.

Ihre Kür erlebte Isabel, als wir vorigen Sommer in Medjugorje urlaubten und sie inmitten der Pilgermassen neue Freunde erspähte: frei laufende Hunde, die von der Barmherzigkeit lebten und zum Inventar des Kirchenbezirks zählten. Unsere damals knapp Fünfjährige jubilierte förmlich und bettelte durch waghalsige Sprünge, Umkreisen und Liebesbezeugungen von Kopf zu Kopf um die Gunst ihrer potenziellen Spielgefährten, der Streuner. Diese waren genauso überrascht wie die Zuschauer, die zuerst die Schultern und dann die Kameras zückten, aber auch so gutmütig und geduldig, dass sie nicht zuschnappten. Gott sei Dank – denn die Szene war nicht ungefährlich, rügte mich später eine Hundeexpertin.

Tränen um das Pflege-Kätzchen

Die Reise verlief weiter tierisch: Im Wald vor unserer Pension entdeckten die Kinder Hühner, die im Dreck auf ihr Ende im Suppentopf warteten. Jeden Vormittag öffneten wir fortan ihre Käfigtüre und hatten mit den nun „glücklichen Hühnern“ unsere Freude – im Gegensatz zum Besitzer, der am dritten Tag ein Vorhängeschloss anbrachte. Und als schon auf der Rückfahrt in einer kroatischen Küstenstadt plötzlich eine Schachtel mit ausgesetzten Kätzchen auf unserer Strandpromenade lag, drohte unser restlicher Ferienplan völlig umgeschrieben zu werden. Wir teilten mit den Tierchen unsere laktosefreie Milch und suchten vergeblich ein Tierheim. Dafür, dass ich für die Mitnahme im Auto dann doch zu feige war, erntete ich bittere Tränen.

Kinder sind begabt mit Sinn für das Leben. Sie sehen sich als Teil der Schöpfung, verstehen Tiere und Pflanzen als ihre „Großfamilie“ und gehen achtsam mit ihnen um. Sie helfen uns Großen, über Schneeflocken, Wolken und Blumen zu staunen, anders zu denken und mehr zu danken. Es tut auch uns gut, wenn wir mit unseren Stadtkindern die Natur erleben: bei Spaziergängen, Radausflügen, Wanderungen, Geländespielen und Bauernhofbesuchen bis hin zu Tierbeobachtungen, Naturfotografie, Gartenarbeit und der Sorge um Zimmerpflanzen. Es entspannt uns, zugleich Erde und Himmel näherzukommen wie damals Jesus, der oft in der Natur war, zum Blick auf die Feldlilie aufrief, sich über Spatzen freute und sogar für hungrige Hunde viel übrig hatte.

Es kommt auf die richtige Beziehung zur Umwelt an

Für das einfachere Leben, das zur Rettung von Raumschiff Erde nötig ist, reichen Moralappelle und Klimawarnungen nicht. Es kommt auf die richtige Beziehung zu unserer Umwelt an, und zwar von Anfang an. Das findet auch der Papst: „In der Familie werden die ersten Gewohnheiten der Liebe und Sorge für das Leben gehegt, wie zum Beispiel der rechte Gebrauch der Dinge, Ordnung und Sauberkeit, die Achtung des örtlichen Ökosystems und der Schutz aller erschaffenen Wesen. Die Familie ist der Ort der ganzheitlichen Erziehung“, liest man in der Enzyklika „Laudato Si“ (213). Auch wir können von den Kindern und ihrer Tierliebe lernen. Vielleicht legen wir uns doch ein Hündchen zu. Oder einen Hamster.


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