Freiheit und Grenzen

Erziehungsstile: Welcher ist der richtige?

Gerade in der turbulenten Kita-Phase tauschen sich Eltern intensiv darüber aus, wie sie ihre Kinder erziehen. Ein Patentrezept für die „richtige“ Erziehung gibt es nicht, weiß unser Kooperationspartner „elternbriefe“. Viel wichtiger ist etwas anderes.

veröffentlicht am 03.08.2026

„Meine dreijährige Tochter Hannah (3 Jahre) geht mit ihrem gleichaltrigen Freund Theo in dieselbe Kita-Gruppe. Im Moment gibt es dort unter den Eltern heiße Diskussionen über den richtigen Erziehungsstil: Was für Kinder das Beste ist und worauf wir als Eltern in der Erziehung achten sollten. Da ist dann die Rede von Helikoptereltern, Rasenmähereltern, Curlingeltern und so weiter. Theos Mama und ich sind mittlerweile ziemlich genervt von den ganzen Schlagwörtern. Gibt es überhaupt den richtigen Erziehungsstil?“
Sarah, 29 Jahre

Dreijährige Kinder können ganz schön herausfordernd sein: Sie befinden sich mitten in der Autonomiephase, verstehen schon viel von der Welt und legen sich ihre eigenen Erklärungen zurecht. Außerdem ahmen sie vieles nach und ihre Sprachentwicklung „explodiert“. Läuft dann etwas nicht so, wie sie es sich vorstellen, kann sie das aus dem Konzept bringen – und das führt dann zu Stimmungsschwankungen oder Wutanfällen.

Daher ist es völlig verständlich, dass Eltern sich in dieser turbulenten Phase besonders intensiv darüber austauschen, wie man Kinder „richtig“ erzieht. Bei solchen Gesprächen geht es oft darum, die passende Balance zwischen Freiheit und Grenzen einzuhalten. Wichtig zu wissen: Kinder brauchen beides.

  • Kinder brauchen Grenzen, um sich innerhalb eines sicheren Rahmens zu orientieren und zu bewegen. Grenzen sind eine Art „Basislager“, von dem aus sie mutig die Welt erkunden und zu dem sie immer wieder zurückkehren können.
  • Kinder brauchen Freiheit, um Neues zu entdecken, dazuzulernen und um sich selbst auszuprobieren. Dabei hat jedes Kind sein eigenes Tempo: Manche Kinder reagieren zögerlich auf unbekannte Situationen – andere eher draufgängerisch oder neugierig.

Und genau darum geht es oft in Diskussionen über unterschiedliche Erziehungsstile: Was zulassen, was nicht? Wo Grenzen setzen, wo Freiheiten gewähren?

Sich die eigene Position bewusst machen 

Wichtig für Sie als Eltern ist, sich über Ihre eigene Haltung klar zu werden. Welche Grenzen und Regeln möchten Sie Ihren Kindern setzen – und welche Freiräume halten Sie für elementar? Und weshalb ist Ihnen das jeweils wichtig?

Je klarer Sie in Ihrer eigenen Position sind, umso leichter wird es Ihnen fallen, einen Erziehungsstil zu finden, der zu Ihrer Familie passt. Der Elternkurs „Kess-erziehen“ kann Sie dabei unterstützen. Dahinter steht kein Patentrezept für die „richtige“ Erziehung, sondern eine Erziehungshaltung:

K wie kooperativ. Mütter, Väter und Kinder sorgen gemeinsam für ein gutes Familienklima, vereinbaren Regeln und lösen Konflikte so, dass keine:r zu kurz kommt.

E wie ermutigend. Mütter und Väter nehmen ihre eigenen Stärken und die ihrer Kinder in den Blick. Sie fördern die Selbstständigkeit ihrer Kinder und sorgen dafür, dass sie altersgerecht Verantwortung übernehmen und die Folgen ihres Handelns tragen.

S wie sozial. Die Bedürfnisse der Kinder nach Halt und Zuwendung, nach Zugehörigkeit, Eigenständigkeit, Mitbestimmung und Geborgenheit werden erfüllt. Bedürfnisse von Eltern und Kindern werden als gleichwertig betrachtet.

S wie situationsorientiert. Jede Situation ist anders. Die momentanen im Moment gegebenen äußeren Bedingungen werden ebenso berücksichtigt wie die vorhandenen Möglichkeiten und Wünsche beim Kind, bei der Mutter und beim Vater.

Die Kurse gibt es bundesweit und online. Alle Infos zum Konzept und zu den unterschiedlichen Kursangeboten finden Sie auf kess-erziehen.de

Text: Sabine Maria Schäfer, Erziehungsberaterin, systemische Familientherapeutin und „Kess-erziehen“-Kurs-Referentin

Dieser Beitrag auf elternbriefe.de

„elternbriefe du + wir“ ist eine Initiative der katholischen Kirche. Mehr unter elternbriefe.de


Verwandte Themen

Beine von Vater und Kind beim Spazieren auf Weg
Persönlichkeit
Wie Väter und Mütter ihr Kinder erziehen, hat viel mit ihrer Persönlichkeit zu tun. Besonders gut lassen sich typische Unterschiede an Alltagssituationen ablesen. Ein Beitrag unseres Kooperationspartners „elternbriefe“.
Vater auf Sofa lässt Kind über sich fliegen, Mutter schaut mit anderem Kind auf Laptop
Verschiedene Erziehungsstile
Mama sagt ja, Papa nein. Ist das ein Problem? Zwei Paare berichten, wie sie mit unterschiedlichen Meinungen in der Erziehung umgehen, welche Rolle Kommunikation dabei spielt und wie ein harmonisches Miteinander im Sinne der Kinder gelingt.
Vater und Sohn stoßen kameradschaftlich die Fäuste aneinander auf Basketballplatz
Erziehen im Team
Viele Eltern sind sich in Erziehungsfragen nicht immer einig. Familienberaterin Julia Unger vom Familienbüro im schwäbischen Wertingen gibt Tipps, wie Paare mit unterschiedlichen Stilen und Ansichten rund um die Erziehung zu einem gemeinsamen Weg finden.