Erholung

Der Wald als Kraftort für Familien

Auszeit im Wald: Carola Bambas lädt Familien ein, beim Waldbaden zu sich zu kommen und die Natur mit allen Sinnen zu entdecken. Im Interview gibt sie Tipps für den nächsten Familienausflug.

veröffentlicht am 29.07.2022

Familien haben viele Möglichkeiten, sich in ihrer Freizeit zu beschäftigen und zu erholen. Warum würden Sie ihnen einen Besuch im Wald empfehlen?
Der Wald bietet einen derart reichhaltigen Schatz. Er fördert die körperliche und seelische Gesundheit, Kreativität und Selbstwirksamkeit. Und das Ganze auf eine spielerische Art. Im Wald zu sein, macht Spaß und ist gleichzeitig gesundheitsfördernd. In Deutschland stehen uns die Wälder kostenlos zur Verfügung. Ich finde das toll. In anderen Ländern ist das nicht selbstverständlich.

Wie fördert ein Besuch im Wald unsere Gesundheit?
Pflanzen und Bäume senden Botenstoffe aus, die sogenannten Terpene. Sie tun das, um ihre Artgenossen vor Fressfeinden, Pilzen oder Bakterien zu warnen, die sie angreifen könnten. Man hat festgestellt, dass darin ätherische Öle sind, die die sogenannten Killerzellen in unserem Körper aktivieren. Diese Zellen sind Teil unserer Immunabwehr. Es stärkt also die Abwehrkräfte, wenn ich mich im Wald aufhalte. Das ist gerade in Pandemiezeiten wichtig. Es reicht schon eine Viertelstunde am Tag im Wald, um nachweislich die Zahl der Killerzellen zu erhöhen.

Wälder wirken auch sehr beruhigend.
Man hat in Studien festgestellt, dass der Aufenthalt im Wald den Blutdruck senkt. Der Herzschlag beruhigt sich, die Stresshormone gehen runter. Die Natur, die Umgebung und die Welt, in der ich mich bewege, bewirken, dass ich selber runterkomme. Der Wald ist ein natürlicher Stressregler. Man spürt das ja intuitiv.

Was würden Sie Eltern empfehlen, die mit ihren Kindern in den Wald gehen wollen?
Erstmal würde ich empfehlen, das Handy auszuschalten – auch wenn Sie Fotos machen wollen. Die können Sie auch ein andermal machen. Das Handy lenkt immer ab.

Und wenn das Handy aus ist?
Nehmen Sie sich Zeit, einfach mal die Umgebung wahrzunehmen. Nehmen Sie sich auch kein Ziel vor. Versuchen Sie einmal, sich auf das Tempo der Kinder einzulassen und sie führen zu lassen, sodass die Kinder die Entdecker sind. Es gibt immer etwas zu entdecken im Wald. Kinder sind da sehr kreativ und finden ganz schnell etwas zum Spielen. Sie können auch verschiedene Geschwindigkeiten ausprobieren. Versuchen sie, mal ganz langsam in Zeitlupe zu gehen und die Dinge so zu sehen, als wenn Sie sie zum ersten Mal sehen würden.

Machen Sie ein Rollenspiel mit den Kindern: Sie alle sind Aliens und sehen zum ersten Mal Wald. Wow! Alles ist neu, jedes Blatt ist eine Sensation, jeder Stock, jede Struktur. So kommt man dann auch in dieses kindliche Staunen, das uns Erwachsenen oft fehlt. Und dann gibt es natürlich immer die Klassiker, wie das Tipibauen. Dafür aber bitte Totholz nehmen, davon liegt wirklich genug rum. Man muss nichts abbrechen oder absägen. Sie können auch einfach ein Stück barfuß laufen durch den Wald. Das ist eine Sensation für die Füße, die beste Fußreflexzonenmassage.

Übrigens: Ich finde es gut, wenn man sich zur Angewohnheit macht, in den Wald eine Mülltüte und Einweghandschuhe mitzunehmen. Es wird erstaunlich viel achtlos weggeworfen. Eltern können als Vorbilder den Müll aus dem Wald mitnehmen. Der gehört da nicht hin.

Birgt der Wald auch Gefahren, auf die man achten muss?
Statistisch gesehen passieren auf den Spielplätzen mehr Unfälle, als wenn man mit Kindern in den Wald geht. Wenn man mit den Kindern von den Wegen abgeht in unwegsames Gelände, muss man natürlich ein bisschen gucken. Nur bei Sturm sollte man nicht in den Wald gehen. Häufig wird auch der Fuchsbandwurm als Gefahr genannt. Aber die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren ist sehr gering. Zecken sind natürlich auch ein Thema, aber da macht man am Abend eine gründliche Kontrolle und dann ist es gut.

Muss man im Wald Angst vor Tieren wie Wolf oder Wildschwein haben?
Es gibt vermehrt Wildschweine. Die sind aber wie andere Waldtiere normalerweise scheu, es sei denn, die Sau hat gerade Junge geworfen. Dann kann sie gefährlich werden. Tagsüber habe ich aber noch nie ein Wildschwein gesehen. Sie sind überwiegend in der Dämmerung oder nachts unterwegs. Und da ist man ja normalerweise nicht mit Kindern im Wald.

Macht es einen Unterschied, in welchen Wald ich gehe? Ist Wald gleich Wald?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt natürlich sehr unterschiedliche Wälder. In Bayern gibt es viele Fichtenwälder. Dabei handelt es sich um Nutzplantagen, die bewirtschaftet werden und durch die Waldbesitzer Erträge erzielen. Es wird aber inzwischen drauf geachtet, dass diese Form von Monokultur langsam verschwindet. In einigen Ecken gibt es wunderschöne Mischwälder oder reine Buchenwälder. Echte Urwälder gibt es bei uns nicht mehr. Aber ich spüre schon einen Unterschied von einem Wald, in dem die Bäume in Reihe und Glied stehen zu einem relativ natürlich gewachsenen Wald.

Gibt es eine Jahreszeit, zu der Sie besonders gerne in den Wald gehen?
Nein. Ich finde es wahnsinnig spannend, wie sich der Wald immer verändert. Ich bin mindestens zweimal pro Woche im Wald. Und selbst da bemerke ich jedes Mal Veränderungen. Das finde ich das Schöne am Wald, dass er immer anders ist. Und es gibt immer wieder etwas anderes zu entdecken. Im Frühling ist es richtig toll, wenn das frische Grün rauschießt. Im Sommer ist es wunderschön und angenehm kühl im Wald, auch wenn es überall sonst heiß ist. Aber ich liebe auch den Herbst, wenn sich die Blätter färben. Und den Winterwald finde ich sehr romantisch – einfach traumhaft schön.

Porträt Carola Bambas

Carola Bambas versteht die Natur als ganzheitlichen Kraftquell. In Kursen und Freizeiten eröffnet sie Familien den Wald als Spiel- und Entspannungsraum. Weitere Informationen und Angebote zum Waldbaden auf der Homepage von Carola Bambas. Sie ist auch eine der Autorinnen der Bildkarten "Raus in den Wald! 30 Übungen und Spiele zum Waldbaden mit Kindern" (Don Bosco Verlag, € 13,99)


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