Beziehung

Trennung als Herausforderung und Chance

Eine Trennung ist für viele Eltern mit einem Chaos an Gefühlen verbunden. Im Vordergrund steht immer auch die Frage, wie die Kinder mit der Situation zurechtkommen. Ein Interview mit Trennungscoach Christina Rinkl.

veröffentlicht am 01.03.2021

Mit welchen Sorgen und Nöten kommen Ratsuchende zu Ihnen?
Viele stehen vor der Frage: Gehen oder bleiben? Diese Entscheidung braucht Zeit und das ist auch gut so. Eine Trennung ist eine Herausforderung – vor allem mit Kindern. (Wie Kinder es erleben, wenn ihre Eltern sich trennen) Aber es ist auch eine Chance, sein Leben neu auszurichten. Wir alle wünschen unseren Kindern eine glückliche Kindheit. Deshalb setzen sich Eltern mit vielen Fragen auseinander: Wie kann ich mein Kind begleiten? Was kann ich tun, damit es ihm besser geht?

Und sicher auch: Wie sage ich es ihm?
Richtig. Am besten führen Eltern das Gespräch gemeinsam, sobald die Trennung beschlossene Sache und klar ist, wie es weitergehen soll. Es ist wichtig, kindgerechte Worte zu finden. Kindergartenkinder können mit Begriffen wie Ehe, Trennung und Scheidung noch nicht viel anfangen. Besser man sagt: „Wir haben dich beide lieb und werden immer für dich da sein. Aber wir streiten sehr viel, das hast du ja schon mitbekommen. Papa und ich verstehen uns überhaupt nicht mehr gut, deshalb werden wir ab jetzt in zwei verschiedenen Wohnungen wohnen.“

Was gehört nicht ins Gespräch?
Eltern sollten ihre persönliche Kränkung heraushalten. Sätze wie „Dein Vater hat eine andere, deshalb verlässt er uns jetzt" oder „Deine Mama hat uns nicht mehr lieb, deshalb zieht sie jetzt aus“ können viel kaputt machen. Stattdessen geht es darum, die Paarbeziehung von der Elternbeziehung zu lösen und dem Kind zu vermitteln, dass sie sich weiterhin beide gut um es kümmern werden. Natürlich sollten diesem Versprechen auch Taten folgen.

Vor allem jüngere Kinder neigen dazu, die Schuld bei sich zu suchen…
Leider ja. Deshalb muss man ihnen deutlich machen, dass sie nicht schuld sind, aber auch, dass sie nichts an der Trennung ändern können. Viele Kinder glauben, wenn sie sich nur genug anstrengen, kommen ihre Eltern wieder zusammen. Auch wenn es hart ist: Klarzumachen, dass sie nichts tun können, ist für Kinder entlastend.

Was hilft den Kindern?
Wenn die Eltern immer die Bedürfnisse ihrer Kinder im Blick und ein offenes Ohr für sie haben. Es wird nicht bei einem Trennungsgespräch bleiben, denn die Kinder haben viele Fragen. (Mit Trennung und Scheidung umgehen – Tipps von Erzieher Christian Huber) Zum Bespiel, wie es weitergeht. Dann ist es gut, aufzuzeigen, was in Zukunft bleibt, wie es war: Zum Beispiel, dass sie ihre Zimmer behalten können, weiter mit ihren Freunden in die gleiche Schule gehen, nicht nur beide Eltern, sondern auch Oma und Opa weiterhin sehen.

Und was, wenn sich ein Elternteil verweigert?
Zum einen kann man sich professionelle Hilfe holen, damit beide Partner die Trennung besser bewältigen. Ist an den Ex-Partner kein Herankommen, gilt es, sich darauf zu konzentrieren was für die Kinder und einen selbst am besten ist. Was brauchen wir jetzt? Was tut uns gut? Oft sind es die kleinen Schritte, die einen weiterbringen und stärken. Trennung ist sicherlich eine der größten Krisen, die wir erleben können. Gleichzeitig kann sie aber auch ein Motor sein für Wachstum und für positive Veränderung.

Porträt Christina Rinkl

Christina Rinkl begleitet als Trennungscoach Frauen und Mütter. Nach ihrer eigenen Trennung startete sie den Blog „Getrennt mit Kind“, rief mit einer Kollegin einen Stammtisch für Getrennt-Erziehende ins Leben und entwickelte ihr Coaching-Angebot, mit dem sie heute Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt.


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