Nachgefragt

Warum Spielen bei Don Bosco so wichtig ist

Katharina Schnabel vom Don Bosco Haus Chemnitz und Silvia Vrzak vom Youth Point Don Bosco Siebenhügel in Klagenfurt am Wörthersee berichten, warum Spiel in ihren Einrichtungen von zentraler Bedeutung ist.

veröffentlicht am 18.05.2022

Im Zirkus eigene Grenzen überschreiten

Porträt Katharina Schnabel

„Im Don Bosco Haus Chemnitz erleben sich Kinder und Jugendliche im Spiel selbst. Sie treten mit anderen in Kontakt, probieren Neues aus und überschreiten eigene Grenzen. Wie Don Bosco erkannte, ist Raum für Spiel auch Raum für eine positive Persönlichkeitsentwicklung. Er selbst spielte leidenschaftlich gern und faszinierte als Kind mit Seiltanz und anderen Kunststücken seine Freunde.

Diese Faszination, Freude und Lebensbejahung nutzen wir unter anderem in unseren zirkuspädagogischen Angeboten, die in allen Arbeitsbereichen des Don Bosco Hauses stattfinden und bei denen Kinder und Jugendliche mit Geräten wie Diabolos, Slackline, Riesenseifenblasen und auch Feuerspielgeräten über sich hinauswachsen. Ein Zwölfjähriger, der jüngste Teilnehmer in seiner Gruppe, beherrschte zum Beispiel die Trockenübungen mit Stäben und an Schnüren hängenden Bällen, den Pois, zwar sehr schnell. Er hatte aber großen Respekt vor dem Umgang mit dem Feuer. Als er nach viel Zuspruch und Unterstützung durch uns Pädagogen seine Ängste überwand und die Übung mit brennenden Geräten durchführte, war er unfassbar stolz auf seine Leistung. Das ermutigte ihn, beim Training dranzubleiben. Es war sehr deutlich zu beobachten, wie er seine selbst gesetzten Grenzen überschritt und seine Persönlichkeit an dieser Erfahrung wuchs.“

Katharina Schnabel, 40, leitet die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Don Bosco Haus Chemnitz.

Einfach abschalten können

Porträt Silvia Vrzak

„Kindern und Jugendlichen eine schöne Zeit zu bescheren, ist ein wichtiger Fokus unserer Angebote im Youth Point Don Bosco Siebenhügel. Gerade die Coronazeit und die vielen Krisen aktuell belasten auch junge Menschen. Da sind Räume sehr wichtig, in denen sie einfach einmal abschalten können. Wie schon im Oratorium von Don Bosco im 19. Jahrhundert dürfen Kinder und Jugendliche bei uns selbstbestimmt ihre Freizeit gestalten und müssen beim Spielen nicht gut sein oder Leistung bringen.

Aber natürlich bietet das Spiel auch Raum, um zu lernen und zu wachsen. Wenn sie spielen, erleben sich Kinder und Jugendliche als selbstwirksam, sie lernen, mit Frustration klarzukommen und sich an Regelwerke zu halten. Über die Erfahrung beim Spielen können wir auch sehr gut Selbstreflexionsprozesse anstoßen, besonders, wenn es um den Umgang mit anderen geht.

Bei Jugendlichen, die schon länger zu uns kommen, sehen wir, dass sie besser mit dem Verlieren umgehen können. Gerade bei Turnieren, zum Beispiel in Uno oder Tischfußball, stellen wir bewusst nicht nur das Gewinnen in den Mittelpunkt. Wenn Teams gebildet werden müssen, losen wir manchmal die Mitspielerinnen oder Mitspieler zu. So lernen die Guten, dass man nicht immer gewinnen muss, um Spaß zu haben. Und die Schwächeren haben auch einmal eine Chance auf den Sieg.“

Silvia Vrzak, 45, leitet den Youth Point Don Bosco Siebenhügel in Klagenfurth am Wörthersee.


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