Dos and Don‘ts

Was Eltern tun können, wenn ihr Kind Liebeskummer hat

Liebeskummer trifft nicht nur Große. Auch Kindergartenkinder können schon darunter leiden. Familienbegleiterin Inke Hummel hat Tipps, wie Mütter und Väter ihre jüngeren und älteren Kinder bei Herzschmerz unterstützen können.

veröffentlicht am 30.09.2026

Wenn ein Grundschulkind Liebeskummer hat – soll man das ernst nehmen? 
Es ist wichtig, alle Gefühle ernst zu nehmen. Das Kind fühlt ja etwas und diese Gefühle sind für das Kind total real. Man muss ein bisschen gucken, ob das Kind eigentlich nur jemanden möchte, der umarmt, hält, zuhört und tröstet, oder ob es der Ursache auf den Grund gehen möchte. Dann müsste man differenzierter schauen, geht es wirklich um ‚Ich vermisse den Max so‘ oder ‚Der war gemein zu mir‘. Oder geht es um ‚alle anderen lachen, weil wir jetzt kein Pärchen mehr sind‘. Man sieht das inzwischen vermehrt am Ende der Grundschule, dass verschiedene Grüppchen meinen, jetzt müssen alle einen Freund oder eine Freundin haben. Dann kann es sein, dass es gar nicht so sehr um die Person und die Gefühle geht, sondern mehr um dieses ‚Jetzt gehöre ich nicht mit dazu‘.

Ab welchem Alter kann man überhaupt von Liebeskummer sprechen? 
Man kann im Grunde im Kindergarten schon von Liebeskummer sprechen. Dieser Herzschmerz – ich habe große Gefühle für jemanden und die werden nicht erwidert! Das kann jederzeit kommen, das kann auch mal ein Hund oder ein Pferd sein, und Liebeskummer auslösen.

Eine richtige Liebesbeziehung, so wie wir uns das als Erwachsene vorstellen, ist in der Regel mit Pubertätsbeginn möglich, manchmal auch schon in der Vorpubertät. Dann wird noch relevanter, wer ist die Person, was bringt sie an Eigenschaften mit, passen wir gut zueinander, ergänzen wir uns gut. Und nicht mehr so wichtig ist, wir wohnen halt nebeneinander und deshalb spielen wir zusammen.

Sollen Mütter und Väter sich einmischen oder raushalten, wenn ihr Kind Liebeskummer hat?  
Ich bin ein großer Verfechter des Raushaltens, sondern wirklich in erster Linie nur da zu sein. Das heißt nicht raushalten aus dem Kontakt zum Kind, aber nicht einmischen in die Zweierbeziehung. Dem Kind signalisieren: Ich bin da. Häufig reicht das schon. Dass die Kinder wissen, da habe ich jemanden, da kann ich heulen, da kann ich mal brüllen. Jedes Gefühl ist erstmal okay. 

Und dann muss man ein bisschen rausfinden, was brauchst du eigentlich gerade. Brauchst du Ideen von mir, wie man damit umgehen kann, oder willst du das gar nicht hören. Willst du meine eigene Geschichte hören von meinem ersten Liebeskummer oder nicht. Kann ich an irgendeiner Stelle helfen? Ist irgendwas richtig mies gelaufen, gab es wirklich Grenzüberschreitungen, dass also irgendwas verschickt wurde im Klassenchat oder Ähnliches, wo man sich vielleicht einmischen muss. Aber wenn das normal läuft, müssen die Kinder das untereinander hinkriegen. 

Sie haben schon ein paar Dinge aufgezählt, wie Eltern helfen können. Was gibt es noch, was den Kindern oder Jugendlichen in dieser Situation guttun kann? 
Sie können zum einen schauen, welche Möglichkeiten sie haben, den Schmerz, den sie spüren, auszudrücken. Kann ich darüber reden, kann ich mir zwei Tage lang nur traurige Musik anmachen, kann ich anfangen zu malen, kann ich Sport machen und das rausrennen? 

Das andere ist: Wie kann ich es noch weiterverarbeiten? Möchte ich vielleicht hingucken, woran hat’s gelegen, kann ich daraus lernen fürs nächste Mal? Kann ich die Person, die mich verlassen hat, trotzdem noch wertschätzen, also kann man Freunde bleiben oder nicht? Darf ich mir vielleicht auch einmal anschauen, was ich vorher nicht sehen wollte, wo die Person richtig blöd ist? Diese Möglichkeiten zur Verarbeitung könnte man dem Kind nahebringen, wenn es das möchte. 

Welche Reaktionen sollten Eltern vermeiden?
Sie sollten es nicht lächerlich machen oder als nicht real ansehen. Das ist immer schwierig, bei allen Gefühlen. Erstmal muss man gucken, sie sind da, was bedeuten sie, wie stark sind sie und was braucht das Kind. Und an welcher Stelle muss man sagen, jetzt ist aber auch mal gut, und wir müssen gucken, dass wir wieder zu einem normalen Alltag finden. Das andere wäre dieses übergriffige Einmischen. Jetzt rufe ich mal die Eltern von dem an oder so etwas. Das geht natürlich auch nicht. 

Welche Gefühle und welches Verhalten sind bei Liebeskummer normal und bei welchen sollten Eltern aufmerksam werden? 
Alles, bei dem man den Eindruck hat, es ist noch Verarbeitung, die niemandem schadet – weder der anderen Person noch dem Kind selber –, ist total okay. Das kann von Weinen bis Aggression alles sein.

Wenn es aber in eine schadende Richtung geht, wenn das Kind zum Beispiel anfängt, sich selbst zu verletzen, oder seine Persönlichkeit insofern verändert, als dass es nicht mehr zur Schule gehen will, keine Motivation mehr hat für irgendwas, oder, in der anderen Richtung, dass es dem anderen gegenüber so aggressiv wird, dass es irgendwelche Pläne schmiedet, dem etwas anzutun, dann ist es natürlich wichtig zu gucken, dass man eine Eingrenzung findet und sich vielleicht auch Beratung holt, wenn man das Gefühl hat, dem nicht gewachsen zu sein. 

Welche Gefühle und welches Verhalten sind bei Liebeskummer normal und bei welchen sollten Eltern aufmerksam werden? 
Alles, bei dem man den Eindruck hat, es ist noch Verarbeitung, die niemandem schadet – weder der anderen Person noch dem Kind selber –, ist total okay. Das kann von Weinen bis Aggression alles sein.

Wenn es aber in eine schadende Richtung geht, wenn das Kind zum Beispiel anfängt, sich selbst zu verletzen, oder seine Persönlichkeit insofern verändert, als dass es nicht mehr zur Schule gehen will, keine Motivation mehr hat für irgendwas, oder, in der anderen Richtung, dass es dem anderen gegenüber so aggressiv wird, dass es irgendwelche Pläne schmiedet, dem etwas anzutun, dann ist es natürlich wichtig zu gucken, dass man eine Eingrenzung findet und sich vielleicht auch Beratung holt, wenn man das Gefühl hat, dem nicht gewachsen zu sein. 

Ich habe den Eindruck, dass Liebeskummer gerade Kinder und Jugendliche besonders hart trifft. Ist das so und, wenn ja, warum?  
Das ist so und es hat verschiedene Gründe. Erstmal ist das ein relativ neues Gefühl. Ich vergleiche das immer gerne mit der Situation, wenn kleine Kinder merken, es gibt Böses in dieser Welt. Dann sind die auch so von den Socken, weil sie das noch nicht kannten, dass sich etwas so anfühlen kann. Ich glaube, das ist in der Pubertät beim ersten Liebeskummer so ähnlich – dass man das gar nicht fassen kann, dass das so krass sein kann. 

Außerdem hat das in dem Alter immer auch mit dem Selbstbild und dem Selbstwert zu tun. Bin ich noch wichtig, bin ich noch anerkannt? Werde ich als Person in Frage gestellt? Wird meine Rolle in der Clique in Frage gestellt? Dieser soziale Status kann eine Rolle spielen und total verunsichern. 

Gehen Jungen und Mädchen unterschiedlich mit Liebeskummer um? 
Generell würde ich das so nicht sagen. Es gibt natürlich eine Tendenz, die wir insgesamt sehen, dass Jungs häufig eher ein bisschen ins Außen gehen und Mädchen eher ins Innen. Das hat aber gar nicht so viel mit dem biologischen Geschlecht zu tun, sondern vor allem mit dem, was sie kennen und wie gesellschaftliche Vorbilder sind. 

Es kann sein, dass ein Junge das eher ein bisschen wütend nach Außen lässt oder auch cool abtut, und ein Mädchen eher weint. Wir wissen, dass Jungen ab Beginn der Pubertät auf einmal weniger weinen als Mädchen, während das in der Kindheit überhaupt kein Unterschied ist. Aber es gibt auch Jungen, die sehr viel weinen können, und Mädchen, die sehr wütend werden. 

Wie beeinflussen Soziale Medien Trennungen oder Liebeskummer und den Umgang damit? 
Das ist inzwischen ein großes Thema. Je mehr die Kinder mit dem Smartphone und in verschiedenen Apps unterwegs sind, desto mehr wird es auch zelebriert, wenn man ein Pärchen ist. Es wird auf Fotos gezeigt oder im Status beschrieben und hat dann natürlich Folgen. Denn ich muss mich dann irgendwie verhalten zu dieser Thematik, muss etwas rauslöschen oder verändern. Dann wissen gleich alle Bescheid. 

Das kann zusätzlich Druck oder Stress machen, gerade wenn ich mich da gar nicht drum kümmere, aber die Person, die sich von mir getrennt hat, das sofort auf allen Kanälen verrät. Dann kann das nochmal wie ein Brandbeschleuniger wirken. 

Was können junge Menschen im besten Fall aus ihrer ersten großen Enttäuschung, ihrem ersten richtigen Liebeskummer lernen? 
Dass Gefühle nicht für immer bleiben, dass sie sich verändern. Und diese Zuversicht, dass man weiß, auch aus dem tiefsten Loch kriecht man wieder raus. Wenn es gut läuft, können sie vielleicht auch lernen, wie das geht. Es gibt vielleicht Menschen, die mir helfen können, oder es gibt Dinge, wie ich mir selber helfen kann. 

Porträt Inke Hummel, Frau mit hochgebundenen Haaren, Brille und goldenen Kreolen

Die Pädagogin Inke Hummel berät Eltern als Familienbegleiterin, Erziehungsberaterin und pädagogischer Coach. Sie ist Autorin mehrerer Bücher und selbst Mutter von drei Kindern. Mehr Infos auf der Website von Inke Hummel.

Die wichtigsten Dos und Don’ts für Eltern, deren Kind unter Liebeskummer leidet 

Von Inke Hummel

Do

  1. Weniger sprechen, mehr einfach da sein
  2. Mehr erzählen lassen, anstatt Vermutungen zu äußern
  3. Fragen, ob man Rat geben soll, bevor man Rat gibt
  4. Sich bewusst machen, dass man nicht selbst betroffen ist, sondern das Kind – es geht vielleicht ganz anders mit der Situation um, als man selbst es tun würde
  5. Nicht nur auf die Situation fokussieren, sondern dem Kind eine Ablenkung bieten und auch andere Themen im Blick behalten

Don’t

  1. Das Kind auslachen
  2. Die Situation groß herumerzählen
  3. Auf nur eine Lösung setzen statt auf verschiedene Möglichkeiten der Verarbeitung
  4. Ungefragt andere Familienmitglieder einbeziehen
  5. Erwarten, dass es ganz schnell zur Tagesordnung übergeht

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