Klare Vorstellungen
Feiern gehen: Was junge Menschen sich von ihren Eltern wünschen
Die Jugendlichen gehen feiern, die Eltern sitzen zuhause und machen sich Sorgen. Für beide Seiten keine optimale Situation. Wir haben junge Menschen gefragt, was sie von ihren Eltern erwarten. Außerdem: Die besten Tipps für Mütter und Väter.
veröffentlicht am 28.04.2026
„Ich weiß, dass ich sie jederzeit anrufen kann“
Ich wünsche mir vor allem Vertrauen von meinen Eltern, wenn ich feiern gehe. Dass sie mir Freiraum lassen, aber auch für mich da sind, wenn irgendetwas sein sollte. Dadurch fühle ich mich ernstgenommen und gleichzeitig unterstützt.
Meine Eltern fragen immer nach, was ich mache, und sind interessiert, aber ich muss mich nie rechtfertigen und bekomme keine Einschränkungen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß, dass ich sie jederzeit anrufen kann und sie mir helfen oder mich abholen würden, falls etwas passieren sollte.
Studentin, 19
„Dass sie meinen ‚Muttizettel‘ unterschreiben und mir vertrauen“
Als ich 16 war, wollte ich vor allem eines: Feiern. Vor allem in der Dorfdisco, die etwa 20 Minuten entfernt war. Ich wollte auf alle Volksfeste der Umgebung oder in die nächste Stadt fahren und feiern. Mein Ziel war es, Erfahrungen zu sammeln, Leute kennenzulernen, zu trinken – einfach alles, was für mich damals dazugehörte.
Was ich konkret von meinen Eltern erwartet habe, weiß ich rückblickend gar nicht mehr so genau. Eigentlich wollte ich nur, dass sie meinen „Muttizettel“ unterschreiben und mir vertrauen. Alles Weitere haben sie mir von sich aus entgegengebracht. Ich denke, das hing auch mit meiner älteren Schwester zusammen.
Meine Eltern haben mir immer angeboten, mich beziehungsweise uns zu fahren oder abzuholen. Sie waren jederzeit erreichbar. Das hat mir das Gefühl von Sicherheit gegeben. Ich wusste, dass ich mich jederzeit bei ihnen melden kann, egal was passiert ist. Rückblickend sehe ich das als alles andere als selbstverständlich an. Meine Eltern haben mir nie das Gefühl gegeben, dass ich mich nicht bei ihnen melden kann.
Tine, 20
„Nicht anschreien, bestrafen oder fertigmachen, sondern kommunizieren“
Ich gehe öfters feiern mit meinen Freunden. Es ist ein guter Weg, um sich zu sozialisieren und sich nach einer langen Schul- und/oder Arbeitswoche zu entspannen und auch, um den Kontakt zu Freunden zu behalten.
Ich würde mir nicht nur von meinen, sondern insgesamt von Eltern wünschen, dass sie Verständnis dafür zeigen. Vor allem für Jugendliche sind Erfahrungen wie in den Club gehen, Hauspartys oder Geburtstagsfeiern wichtige Stützpunkte für ihre Entwicklung. Sie lernen sich selber besser kennen und entwickeln sich weiter. Durch solche Erfahrungen können sie besser selber erkennen, von wo und was man wegbleiben muss, was gut und was schlecht für sie ist und wie man soziale Kontakte knüpft.
Außerdem können sie experimentieren, wie sie sich präsentieren wollen als Individuum. Die Zeit, in der sie auf Partys und auf Feiern gehen, hat Einfluss nicht nur darauf, wie sie sich anziehen, sondern auch auf ihre Persönlichkeitsentwicklung.
Viele Eltern denken, dass beim Feiern im Übermaß getrunken wird, dass geraucht wird und Drogen konsumiert werden. In manchen Fällen ist das auch so. Aber ihr Kind entscheidet sich dann, ob es auf solche Feiern gehen will oder auf welche, wo man auch trinken kann, aber in einem gewissen Maß.
Natürlich ist bei manchen das Probieren und Erfahrungen-Machen ein Teil des Prozesses. Also kann es natürlich auch sein, dass das Kind an einem Abend betrunken nach Hause kommt oder sich übergibt. Das Wichtige ist dann, dass sie ihr Kind nicht anschreien, bestrafen oder fertigmachen, sondern mit ihm kommunizieren. Dass sie sich Zeit nehmen und wirklich auf Augenhöhe mit ihrem Kind reden, über Sicherheit sprechen und was ihr Kind dafür machen kann, wenn es alleine ist – und nicht, was für eine Bestrafung es kriegt, weil es die Welt erkundet.
Es ist auch unser erstes Mal auf der Erde und wir werden Sachen erkunden und Fehler machen. Besser ist es doch, dass wir das nicht hinter dem Rücken der Eltern machen, sodass es am Ende noch gefährlicher werden kann, sondern es stattdessen erzählen, besprechen und uns austauschen können.
Auszubildender, 18 Jahre
„Ich durfte selber lernen und meine Erfahrungen sammeln“
Meine Feierzeit hat erst so mit 17 begonnen, weil davor Corona war. Damals war es mir vor allem wichtig, dass meine Eltern uns abholen. Das haben sich auch gemacht. Außerdem Offenheit, also dass sie mich einfach machen lassen.
Meine Eltern waren sowieso nicht sonderlich streng. Es ging nur immer um die Vorwarnung, hey du, pass auf mit dem Alkohol, trink nicht zu viel. Auch ich habe mal über die Stränge geschlagen, aber da habe ich mir dann gewünscht, dass meine Eltern mich unterstützen, wenn es mir schlecht ging.
Nach solchen Vorfällen gab es schon Streitigkeiten oder Diskussionen. Aber ich durfte selber lernen und meine Erfahrungen sammeln. Das fand ich sehr schön. Man hat uns, also meinem Bruder und mir, nichts verboten. Als wir im richtigen Alter waren, durften wir feiern gehen. Wir hatten auch keine bestimmte Uhrzeit, zu der wir wieder zuhause sein sollten. Wir sollten nur aufpassen.
Als ich älter geworden bin und meine Freunde gelernt haben, Auto zu fahren, sind sie dann natürlich auch selber gefahren. Da war mein Wunsch immer sehr groß, dass ich unseren Bus ausleihen durfte, damit ich meinen E-Rollstuhl mitnehmen konnte, den ich aufgrund meiner Beeinträchtigung brauche. Auch das haben meine Eltern mir erlaubt.“
Felicitas, 22 Jahre
„Früher wollten sie, dass ich zu einer bestimmten Uhrzeit daheim bin“
Wenn ich feiern gehe, wünsche ich mir vor allem eines von meinen Eltern: Vertrauen. Vertrauen, dass ich auf mich und meine Freund*innen aufpasse, nichts mache, was ich nicht möchte und Vertrauen, dass ich, wenn ich Fehler mache, aus ihnen lerne und sie nicht wiederhole.
Meine Eltern hatten nie ein Problem damit, dass ich feiern gehe. Sie würden es mir nicht verbieten und lassen mir meine Freiheiten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Früher wollten sie, dass ich zu einer bestimmten Uhrzeit daheim bin. Mein Vater ist dann wach geblieben, um überprüfen zu können, dass ich sicher ankomme. Diese Uhrzeit war mir manchmal zu früh. Es hat mich gestört, meistens eine der ersten zu sein, die gehen musste. Ich habe meine Eltern aber auch gut verstanden und es akzeptiert.
Mittlerweile haben wir eine Lösung gefunden, mit deren Hilfe ich länger unterwegs sein kann und meine Eltern mit gutem Gewissen schlafen gehen können: Ich stelle einen Wecker auf eine Uhrzeit, zu der ich sicher wieder zu Hause bin. Meistens stelle ich ihn auf vier Uhr. Wenn ich dann doch noch nicht wieder da wäre, würde er klingeln und meine Eltern aufwecken. Das ist zum Glück noch nicht vorgekommen. Natürlich ist das trotzdem eine Zeitvorgabe und ich kann nicht einfach spontan bei Freund*innen übernachten oder muss rechtzeitig schreiben, aber es ist auf jeden Fall ein guter Kompromiss.
Luise, 19 Jahre
Wenn Jugendliche feiern gehen: Tipps für Mütter und Väter
Sicher unterwegs – diese Anregungen helfen Eltern und Kindern:
- Klare Regeln festlegen: Sprechen Sie gemeinsam Regeln zu Zeiten, Begleitung oder Aufenthaltsorten ab. Je nach Alter und Reife des Kindes kann dabei mehr oder weniger Freiheit eingeräumt werden.
- Erreichbarkeit sichern: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es jederzeit anrufen oder schreiben kann – auch spät in der Nacht. Diese Gewissheit gibt Halt. Umgekehrt sollte auch das Kind immer erreichbar sein, damit Sie notfalls eingreifen können.
- Über Risiken aufklären: Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über Themen wie Alkohol, Drogen oder K.O.-Tropfen. Bleiben Sie dabei sachlich und vermeiden es, Angst zu schüren.
- Ort und Begleitung klären: Besprechen Sie im Vorfeld, wo Ihr Kind ist und mit wem es unterwegs ist. Hilfreich ist es, wenn es in einer Gruppe unterwegs ist, in der alle aufeinander aufpassen.
- Sicheren Heimweg planen: Klären Sie möglichst vorab, wie der Heimweg organisiert ist – ob durch Abholen, öffentliche Verkehrsmittel oder Freundinnen und Freunde.
- Notfallinfos mitgeben: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind wichtige Telefonnummern (Eltern, Notruf 110/112) gespeichert hat und weiß, wo es im Ernstfall anrufen kann.
- Selbstbewusstsein stärken: Ermutigen Sie Ihr Kind, auf sein Gefühl zu hören und Situationen zu verlassen, in denen es sich unwohl fühlt. Ein starkes Selbstbewusstsein ist einer der besten Schutzfaktoren.
- Im Ernstfall unterstützen: Wenn etwas passiert ist, bleiben Sie ruhig und klären Sie gemeinsam die nächsten Schritte.





