Persönliche Antworten

Nachdenken über den Tod: Was soll bleiben, wenn wir gehen?

Auch wenn es schwerfällt – es kann tröstlich sein, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, was nach dem Tod von uns bleiben soll, was wir hinterlassen möchten. Wir haben Menschen getroffen, die sich mit dieser Frage auseinandergesetzt haben.

veröffentlicht am 24.02.2026

Elternliebe zum Hören 

Tobias Heinze ist Papa und todkrank. Für seine elfjährige Tochter Laura nimmt er ein Familienhörbuch auf – damit sie sich seine Geschichte, seine Stimme und seine Liebe zu ihr immer wieder in Erinnerung rufen kann.

Sterben, wenn die eigenen Kinder noch klein sind. Sie nicht mehr begleiten können bei all den Höhen und Tiefen, die das Leben mit sich bringt. Für Eltern ist das eine Horrorvorstellung. Für Tobias Heinze ist es Realität. Der 44-Jährige leidet am Carney-Komplex, einer sehr seltenen tumorbildenden Krankheit. Viele Jahre konnte er damit leben. Jetzt, Mitte November 2025, liegt er im Hospiz und seine Kraft geht zu Ende – aber für ein letztes großes Projekt soll sie noch reichen: Tobias Heinze will seine Lebenserinnerungen als Hörbuch für seine elfjährige Tochter Laura aufnehmen.  

Unterstützt wird er dabei von Caroline Hüttl, einer Audiobiografin der gemeinnützigen Organisation „Familienhörbuch gGmbH“. „Wir geben todkranken Eltern die Möglichkeit, ihre Stimme und ihre Lebensgeschichte an ihre Kinder weiterzugeben“, erklärt Caroline Hüttl. Damit sich das möglichst viele leisten können, werden die Aufnahmen aus Spenden finanziert.

Tobias Heinze war von der Idee eines Familienhörbuchs sofort begeistert. „Es heißt, die Stimme ist das Erste, was aus der Erinnerung verschwindet“, sagt er. „Mit dem Hörbuch schaffe ich etwas für die Ewigkeit.“ In mehreren Treffen mit der Audiobiografin hat er bereits sechs Stunden Material aufgenommen – alles in kleine Kapitel unterteilt, sodass Laura später auswählen kann, was und wie viel sie wann hören möchte. 

Erinnerungen an gemeinsame Familienerlebnisse

Heute sollen noch ein paar Erinnerungen an gemeinsame Familienerlebnisse dazukommen. Tobias Heinze und seine Frau Susanne sitzen gemeinsam auf dem Bett des Hospizzimmers. Vor ihnen steht ein Mikrofon. Auf dem Besucherstuhl daneben sitzt Caroline Hüttl mit Aufnahmegerät, Kopfhörer und Notizblock. Die drei besprechen kurz, um welches Thema es in der nächsten Aufnahme gehen soll. Dann drückt die Audiobiografin den Aufnahmeknopf und Tobias Heinze beginnt zu erzählen. Meistens spricht er seine Tochter dabei direkt an. Seine Frau hält seine Hand, erzählt immer wieder mit. Manchmal wird es emotional, manchmal nachdenklich, und immer wieder lachen die beiden auch. Etwa bei der Erinnerung daran, wie die kleine Laura beim gemeinsamen Konzertbesuch seelenruhig schlief, während AC/DC in voller Lautstärke „T.N.T.“ performten. 

„Am Anfang wissen die Eltern oft nicht, wo sie anfangen und was sie erzählen sollen“, sagt Caroline Hüttl. Sie schlägt dann ein chronologisches Erzählen der Lebensgeschichte vor. Tobias und Susanne Heinze haben mit der Geschichte ihres Kennenlernens angefangen, dann über Lauras Geburt und die gemeinsame Zeit als Familie gesprochen, später kamen noch Kindheitserinnerungen von Papa Tobias hinzu. 

„Erlebe Abenteuer, verlieb dich, gestalte dein Leben, wie du willst"

In einer Aufnahme liest er aus dem Kinderbuch „Heidi“ vor, das lange Zeit Lauras Lieblings-Gutenachtgeschichte war. „Das kann sie als Erinnerung selbst hören oder vielleicht mal ihren eigenen Kindern vorspielen. Dann würden auch die noch was von ihrem Opa hören“, sagt Tobias Heinze. 

Ein Sounddesigner wird die Aufnahmen noch mit Musik untermalen – vor allem mit Lieblingsliedern von Papa und Tochter. Und das Hörbuch bekommt einen eigenen Titel. „Ein Traum“ soll es heißen. „Für mich fühlt sich das Ganze jetzt sehr vollständig an“, sagt Tobias Heinze. Und ergänzt ganz am Ende noch einmal die Botschaft an seine Tochter, die ihm am allerwichtigsten ist: „Erlebe Abenteuer, verlieb dich, gestalte dein Leben, wie du willst. Da mische ich mich nicht ein, und ich kann leider auch nicht mehr dabei sein. Aber du sollst immer wissen: Ich hab dich unendlich lieb, Laura.“

Seiner Tochter Erinnerungen zum Hören zu hinterlassen, war für Tobias Heinze ein letzter großer Herzenswunsch. Wenige Tage nach Fertigstellung des Familienhörbuchs ist er verstorben.

Ein Baum für den Klimaschutz und als Erinnerung

Im Frühjahr vergangenen Jahres hat Karl-Günter D. einen Baum im Mannheimer Bürgerpark 
gestiftet. An der Winterlinde prangt eine Plakette mit dem Namen des 87-Jährigen. Der Witwer ist Vater von zwei Kindern und hat vier erwachsene Enkelkinder. Beruflich war er als Ingenieur im Straßenbau tätig. Dem Don Bosco Magazin erzählte er, was ihn zu der Spende bewogen hat und was „sein“ Baum ihm bedeutet.

Als ich von der Möglichkeit gehört habe, einen Baum zu spenden, ist das bei mir gleich auf offene Ohren gestoßen. Ich wollte etwas tun, was der Klimaerwärmung entgegenwirkt, und Bäume sind eine wichtige Maßnahme. Früher war ich in einer nordrhein-westfälischen Kreisstadt nahe Düsseldorf zu Hause und bei der Kreisverwaltung im Straßenbauamt beschäftigt. Wir haben dort an den Straßen immer Bäume gepflanzt. Nicht nur, um das Landschaftsbild zu verschönern, sondern auch, um für die Ökologie etwas zu tun.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist mir, dass durch diesen Baum etwas von mir bleibt und nach meinem Tod an mich erinnert. Ich habe den Baum meinen Enkeln, meinem Schwiegersohn und meiner Tochter gezeigt. Die Enkel waren begeistert und haben das begrüßt.

„Ich setze mich gerne für Dinge ein, die mir wichtig sind“

Ich setze mich gerne für Dinge ein, die mir wichtig sind. So engagiere ich mich schon seit Jahren beim Volksbund für Kriegsgräberfürsorge mit Geldspenden. Dadurch trage ich dazu bei, dass der Volksbund in der Lage ist, Kriegsgräber des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und Europa zu pflegen.

Ich denke, wenn es einem selbst gut geht und man die Möglichkeit hat, einem anderen zu helfen, dem es nicht so gut geht, dann sollte man das tun. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Wenn viele Menschen auch nur etwas Kleines tun, kommt am Ende etwas Großes heraus.

Eine Stiftung für junge Menschen

Helga Richter gründete zusammen mit ihrem Neffen eine Stiftung unter dem Dach des Don Bosco Stiftungszentrums. Zweck der Stiftung ist es, die Jugend- und Bildungsarbeit der Salesianer Don Boscos in Deutschland und weltweit finanziell zu fördern. 

Eigentlich hatten Helga Richter und ihr Mann Hans geplant, erst nach ihrem Tod eine Stiftung unter dem Dach des Don Bosco Stiftungszentrums errichten zu lassen. Doch einige Jahre nach dem Tod des Juristen im Jahr 2018 entschied seine Frau, das geplante Vorhaben noch zu ihren Lebzeiten umzusetzen. Ihr Neffe Jannik Richter übernahm gemeinsam mit ihr den Vorstand. Er wird die Stiftung auch nach ihrem Tod weiterführen. Helga Richters Schwester trug eine fünfstellige Summe zum Stiftungskapital bei. Im Januar 2025 wurde die „Hans und Helga Richter Stiftung“ offiziell gegründet. Der Stiftungszweck: die Unterstützung von Bildungsprojekten der Salesianer Don Boscos für junge Menschen.

Helga Richter, geboren 1947 in Hamburg als Tochter einer Kellnerin und eines Schlossers, war beruflich in der öffentlichen Verwaltung tätig. Dass sie eine Stiftung für Kinder und Jugendliche ins Leben rief, hat zwei Gründe: „Ich konnte keine Kinder bekommen“, erzählt Richter. „Deswegen habe ich sehr früh beschlossen, dass ich etwas für Kinder tun möchte.“ Zum anderen habe sie mit der Stiftung ihrem Mann, der ein großes Herz für Kinder gehabt habe, „ein kleines Denkmal setzen“ wollen. Die Stiftung steht daher auch für die Liebe zu ihrem Mann und die Verbindung mit ihm.

„Was gibt es Wertvolleres, als Bildung und Beruf von Kindern und Jugendlichen zu fördern?"

Der Kontakt zu den Salesianern und dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Don Bosco Stiftung, Pater Herbert Bihlmayer, war über ein befreundetes Ehepaar zustande gekommen. Im Frühjahr 2011 nahm das Ehepaar Richter an einer Fahrt zu den Stätten des Ordensgründers nach Turin teil und entschied sich daraufhin für eine Stiftung zugunsten der Arbeit von Don Bosco.

Auch über den Stiftungszweck waren sich beide schnell einig. Denn Bildung und Beruf galten für sie als hohes Gut. „Wenn ich kein Verständnis beigebracht bekomme für die Welt, in der ich lebe, und für die Gesellschaft, in der ich sein möchte, dann kann ich mich nicht richtig entwickeln“, ist Helga Richter überzeugt. Bei der Bildung gehe es auch darum, einen Sinn im Leben zu erkennen. „Was gibt es Wertvolleres, als Bildung und Beruf von Kindern und Jugendlichen zu fördern und ihnen, soweit möglich, eine sichere Umgebung zu geben?“

Die Reaktionen aus dem Umfeld sind durchweg positiv 

Mit ersten Erträgen aus dem Stiftungsvermögen konnte die „Hans und Helga Richter Stiftung“ bereits Ende des vergangenen Jahres ein Projekt im Rahmen der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen für junge Menschen bei Don Bosco Sachsen unterstützen. Das Ehepaar hatte die Einrichtung einmal besucht und war sehr beeindruckt gewesen.

Heute trägt Helga Richter durch ihr Engagement dazu bei, dass benachteiligte junge Menschen bei Don Bosco individuell begleitet und gefördert werden. Die Reaktionen aus ihrem Umfeld auf die Gründung der Stiftung seien durchweg positiv, berichtet sie. Niemand habe etwas gesagt wie: „Du hättest doch auch eine große, tolle Reise machen können“, so Richter. „Ja, das hätte ich – aber das hätte mich sicher nicht so glücklich gemacht, wie meine Stiftung zu gründen!“ 



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