Wichtige Beziehungen

Gesucht: Freundschaft fürs Leben

Die zwölfjährige Tochter unserer Autorin ist auf der Suche nach einer besten Freundin. Die Mama selbst war gerade zum 50. Geburtstag einer Jugendfreundin eingeladen. Und begreift immer mehr, was solche langen Freundschaften so besonders macht.

veröffentlicht am 29.07.2026

Einen kurzen Moment war es ruhig auf unserem Familiensofa. Wir sprachen gerade über die Ferien, wer wohin fährt und mit dem man sich verabreden kann. „Ich wünsche mir eine beste Freundin“, sagte Christina in diese Stille hinein – und ich wusste genau, was sie meint. 

Mit zwölf Jahren bekommen Freundschaften plötzlich eine ganz neue Bedeutung: Wer gehört zu wem? Wer verbringt miteinander das Wochenende? Und warum scheinen manche schon ihre „Bestis“ gefunden zu haben, ich aber nicht?

Genauso ging es mir damals auch. Andere hatten diese eine Freundin, mit der sie alles teilten. Ich hatte das nicht, denn in meiner Klasse waren wir nur vier Mädchen – und die waren allesamt sehr unterschiedlich. Ich fand meine Freundinnen im Sportverein und in Jugendgruppen. Diese Einsamkeit in der Schule machte mich damals traurig. Heute weiß ich, dass genau so etwas Besonderes entstanden ist. Ein Netzwerk aus Freundschaften, von denen einige inzwischen seit fast 40 Jahren bestehen.

Erinnerungen entstehen nicht auf dem Handy-Display

Christina sammelt derweil ihre eigenen Erfahrungen. Ihre erste „beste Freundin“ schien ein Glücksgriff zu sein. Die beiden waren unzertrennlich, bis ein gemeinsamer Urlaub nicht so verlief, wie die beiden sich das vorgestellt hatten. Danach brach der Kontakt fast vollständig ab. Auf der anderen Seite gibt es dieses Mädchen aus gemeinsamen Kitazeiten. Die Kinder gehen inzwischen seit vielen Jahren auf unterschiedliche Schulen, haben keine gemeinsamen Hobbys und sehen sich längst nicht jede Woche. Trotzdem hängen sie aneinander und verabreden sich. 

Freundschaften zu begründen und zu pflegen, das ist heute trotz Handy nicht einfacher geworden, beobachte ich. Stundenlang werden Sprachnachrichten hin- und hergeschickt. Verabredungen werden angekündigt, verschoben oder bleiben einfach unverbindlich. Nicht selten sitzen am Ende alle zu Hause – und schicken sich weitere Nachrichten. Wie sollen Freundschaften wachsen, wenn man sich nicht begegnet? Erinnerungen entstehen ja nicht auf dem Display, sondern beim Eisessen, im Freibad oder wenn man sich gemeinsam über Dinge kaputtlacht, die sonst niemand versteht. Erst diese Erlebnisse werden später zu den Geschichten, die – je öfter man sie erzählt – immer besser werden und damit unvergessen bleiben.

Jahrelang kein Treffen – und trotzdem ist da diese Verbindung

Vor Kurzem war ich auf dem 50. Geburtstag einer Freundin. Kennengelernt haben wir uns 1986 im Sommerzeltlager an der Nordsee. Eigentlich hatten wir später kaum noch Berührungspunkte. Oft vergingen Monate, manchmal Jahre ohne Treffen. Trotzdem war da immer diese Verbindung. Zu ihrem Geburtstag habe ich ihr eine kleine Sammlung mit handgeschriebenen Zetteln geschenkt. Auf jedem stand nur ein Stichwort in Erinnerung an unsere gemeinsamen Urlaube: Wattwanderung, Klo-Dienste, Münztelefon, Kinder-Disco, Möwen, die morgens mit Krach durch die Mülleimer stöbern. Mehr brauchte es nicht. Sofort waren die Bilder wieder da. Man konnte das Meer fast riechen und die Leichtigkeit fühlen, die diese Tage ausgemacht hatten.

Genau das wünsche ich Christina. Nicht unbedingt die eine beste Freundin fürs Leben. Sondern Menschen, mit denen sie Erinnerungen wie Perlen sammelt und die Jahrzehnte später noch ein Lächeln auslösen. 


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