Miteinander wachsen
Freundschaft auf dem Weg
Seit einer Fußwallfahrt haben die Kinder unseres Autors einen großen Freundeskreis. Die Eltern sind nun weniger interessant. Papa und Mama erleben, wie sich der Familienalltag verändert und wie die Heranwachsenen von den Beziehungen profitieren.
veröffentlicht am 07.07.2026
Unverhofft und schlagartig haben unsere Kinder einen großen Freundeskreis, ein Geschenk einer viertägigen Fußwallfahrt nach Mariazell. Er wird sehr intensiv gepflegt, denn keine Woche vergeht ohne spontan per WhatsApp organisierte Treffen. Man spielt Fußball, schaut WM, geht gemeinsam baden, joggen oder auf ein Eis, besucht Jugendveranstaltungen und Gebetstreffen, denn mehrere kommen aus der Pfarrgemeinde und ziehen die anderen mit. Insgesamt sind es rund ein Dutzend Mädels und Jungs, und jeder will dabei sein, niemand etwas verpassen. „Eigentlich machen wir ja nur ganz normales Programm, aber gemeinsam macht es so viel mehr Spaß“, sagte meine 15-jährige Tochter unlängst, oder anders übersetzt: Freunde und Freundinnen sind jetzt interessanter als wir Eltern.
Darüber freuen wir uns. Gute Freundschaften haben wir unseren Kindern immer gewünscht. Gleichzeitig erleben wir, wie sich unser Familienalltag verändert, denn die Freunde gehören mittlerweile schon irgendwie dazu. Wir dürfen uns bei der Verpflegung einbringen und unseren VW-Bus lenken, solange unser Ältester den Führerschein noch nicht hat, auch ist unser Haus zu einem häufigen Treffpunkt geworden. Unsere drei Kinder überlegen oft gemeinsam auf der Couch, was als nächstes unternommen wird und wer dazu noch eingeladen werden könnte, so als ginge es stets darum, möglichst viele zu sein.
Freundschaft ist viel mehr als gemeinsame Freizeit
Freilich ist auch das Freundin- oder Freundsein eine Herausforderung. „Warum ist der jetzt schon da?“, stöhnt unser notorisch verspäteter Sohnemann häufig, wenn sein Bro stets fünf Minuten früher als vereinbart an der Tür läutet. Die anderen wirken mitunter wie ein Spiegel, der eigene Unzulänglichkeiten sichtbar macht. Manchmal entstehen Missverständnisse in Chatgruppen, jemand fühlt sich übergangen oder kann an einer Unternehmung nicht teilnehmen. Dann wird auch diskutiert, sich entschuldigt oder wieder versöhnt. So können selbst kleine Unstimmigkeiten helfen, dass die Freundschaften wachsen.
Jedenfalls merken wir, wie unsere Kinder an diesen Beziehungen reifen. Sie lernen, Verabredungen einzuhalten, Wünsche zu äußern, aufeinander Rücksicht zu nehmen und auch schwierige Situationen gemeinsam auszuhalten. Besonders berührt hat uns ein Abend, als der Großvater einer Schulkollegin unserer Tochter starb. Der Pfarrer feierte die Abendmesse kurzfristig für den Verstorbenen, und mehrere aus der Gruppe kamen, nicht weil jemand sie dazu verpflichtet hätte, sondern weil sie ihrer Freundin beistehen wollten. Freundschaft ist viel mehr als gemeinsame Freizeit, spürte man.
Der gemeinsame Glaube verbindet
Dass viele der Jugendlichen aus der Pfarrgemeinde stammen, spielt dabei sicher eine Rolle. Der gemeinsame Glaube bietet Anknüpfungspunkte und schafft Gelegenheiten, einander zu begegnen. Gleichzeitig erleben wir die Gruppe nicht als geschlossenen Kreis. Immer wieder bringen einzelne Freunde weitere Jugendliche mit, die mit Kirche wenig zu tun haben. Manche bleiben, andere nicht.
Immer wieder sprechen wir als Familie über das, was unsere Kinder erleben, suchen Worte für das Schöne und Antworten auf das, was sie beschäftigt. Interessant finden wir auch die Dynamik der gemischten Gruppe. Im Moment erleben die Jugendlichen das Zusammensein von Mädchen und Burschen erstaunlich ungezwungen und ohne große Romantik, sie genießen es einfach, beisammen zu sein. Wer gute Freunde hat, überwindet die Einsamkeit, ohne gleich einen Partner oder eine Partnerin finden zu müssen. Das erscheint uns Eltern wertvoll, und wir ermutigen sie, diese Phase voll auszukosten.
Nächstes Jahr wieder: vier Tage gemeinsam in der Natur unterwegs
Wie es in Zukunft weitergeht? An Vorschlägen wie Sozialaktionen oder größeren Ausflügen mangelt es nicht, und schon zweimal gestaltete die Runde einen Gebetsabend mit Messe und Anbetung sowie vorher Fußball und Pizza. Fix ist: Alle Jugendlichen wollen nächstes Jahr wieder nach Mariazell gehen und dazu weitere Freunde einladen. Was sie daran so fasziniert hat? Sie selbst sagen, es habe sie zusammengeschweißt, vier Tage gemeinsam fast ohne Handy, in der Natur unterwegs zu sein, körperlich und geistlich herausgefordert, getragen von Gemeinschaftsmomenten. Der gemeinsame Weg hat dort begonnen. Hoffentlich führt er die Jugendlichen noch lange miteinander weiter.





