Tod

Sinnloses Sterben und die Hoffnung auf ein „Danach“

Ein tödlicher Verkehrsunfall in der Nachbargemeinde hat Stefanie Kortmann zum Nachdenken gebracht. Warum musste das geschehen? Hätte der Unfall verhindert werden können? Zufriedenstellende Antworten, das weiß sie, gibt es nicht.

veröffentlicht am 10.11.2021

In diesem Sommer kam es in unserer Nachbargemeinde zu einem schweren Verkehrsunfall. Eine junge Motorradfahrerin, Antonia, gerade mal 16 Jahre jung, verlor dabei ihr Leben. An dem Unfall trägt sie keine Schuld, ein PKW-Fahrer hatte ihr die Vorfahrt genommen.

Als ich die Zeitung aufschlage, trifft mich ihre Traueranzeige wie ein Schlag. Ein junges, aufgewecktes Mädchen strahlt mir entgegen. Blondes, schulterlanges Haar, eine runde Brille auf der Nase, ein selbstbewusstes Lächeln im Gesicht. Ich sehe ein junge Frau, die kurz davor steht, in der Welt der Erwachsenen Fuß zu fassen und ihren Weg zu gehen. Es ist schier unvorstellbar, dass dieser Weg bereits ein Ende gefunden haben soll.

Unser Schicksal liegt in Gottes Händen

Mich berührt die Anzeige natürlich als Mutter einer kleinen Tochter. Die Kleine meistert in unserem Dorf völlig selbstbewusst schon viele Wege alleine. Ich weiß, dass ich sie gehen lassen muss. Es gibt keine Alternative, so läuft das Leben, wenn Kinder wachsen und sich damit ihr Bewegungsradius erweitert. Ich beruhige mich mit dem Gedanken, dass, wenn ich schon nicht neben ihr an der Straße stehen kann, Gott diese Aufgabe schon übernehmen wird. In seinen Händen liegt unser Schicksal und damit auch die Frage, wer wen trifft an welchem Ort.

Hätte Antonia noch kurz mit einer Nachbarin geplauscht, wäre der PKW-Fahrer noch kurz tanken gefahren – es wäre nicht zu diesem schlimmen Unfall gekommen. Warum sollte sich dieser Tag im August so entwickeln? Wer hat, verdammt nochmal, dieses Drehbuch geschrieben?

Eine Antwort in diesem Leben gibt es nicht

Eine Antwort darauf gibt es nicht. Nicht in diesem Leben, und das ist mein Trost. Ich glaube, dass es für derartige Lebenswendungen immer einen Grund gibt. Manchmal erschließt er sich sofort, manchmal erst nach Jahren und manchmal reicht das jetziges Leben nicht aus, um eine zufriedenstellende Erklärung zu finden, weil unser Horizont begrenzt ist. So vertraue ich auf das „Danach“, wo auch immer es ist und wie auch immer es sich anfühlen wird. Antonia weiß es bereits, sie ist uns nur voraus gegangen.


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