Vorfreude trotz Corona

Kommunion bedeutet Umarmung

Die Erstkommunionvorbereitung in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung für Kinder, Eltern und Seelsorger. Das sieht auch unser Autor Hannes Pernsteiner so. Bei der Vorbereitung mit seiner Tochter hat er allerdings auch so manche Überraschung erlebt.

veröffentlicht am 01.03.2021

Bei unseren beiden Großen lief das mit der Erstkommunion wie von selbst: Die Vorbereitung erledigte die Pfarre, während sich unser Part darauf beschränkte, die Kinder dort einmal die Woche abzuliefern und uns um Gewand, Gäste und Gelage zu kümmern. Bei Isabel, unserer Jüngsten, hat die Corona-Pandemie alles auf den Kopf gestellt: Ein großes Fest ist nicht in Sicht und statt eines regelmäßigen Kurses gibt es Unterlagen über die WhatsApp-Gruppe. Anders gesagt: Wir Eltern sind dafür zuständig, unser Kind auf die Begegnung mit Jesus vorzubereiten. Erstmals müssen wir uns selbst so intensiv mit diesem geheimnisvollen Geschehen beschäftigen, dass wir es den Kindern auch vermitteln können.

„Ich will endlich Jesus essen!“

Ganz bei null brauchen wir nicht anfangen, denn ein Gespür für das Heilige haben Kinder ohnehin (Direkter Draht nach oben – Kolumne von Hannes Pernsteiner). Isabels älterer Bruder kam uns als Kleinkind nach der Kommunion oft ganz nahe und bat im Flüsterton „Hauch mich an!“, um dann ehrfürchtig festzustellen: „Du riechst nach Gold!“ Bei Isabel als sie noch getragen wurde galt es beim Kommuniongang immer aufzupassen, dass sie nicht blitzschnell in die Hostienschale griff und sich selbst bediente – auch unser Pfarrer war vorgewarnt. Später spielte sie mit ihrer Schwester im Kinderzimmer gerne „Messe“, mit Backoblaten in den Lauf-Pokalen. Der Geschmack alleine war jedoch nicht, was sie so reizte: „Ich will endlich Jesus essen!“ hörten wir schon in den vergangenen Jahren jedesmal flehentlicher.

Und dann brachen die Zeiten an, in denen wegen Corona sogar die Gottesdienste nur auf unserem Wohnzimmer-Bildschirm stattfanden. Mit einem Schlag verstanden wir alle, wie unsere Jüngste den Verzicht auf die uns so selbstverständliche Kommunion erlebte. Auch wir sehnten uns nach dieser „Umarmung“, wie sie Starregisseur Juan Manuel Cotelo in der für Erstkommunionkinder gemachten  YouTube-Serie „Kathoquiz“ so genial übersetzt. Damals erlernten wir alle das Sprüchlein zur geistigen Kommunion mit der Bitte, Jesus möge mangels Alternative doch wenigstens unsicht- und unschmeckbar zu uns kommen. Isabel betet es bis heute, wo es wieder „echte“ Messen gibt und sie den Leib Christi noch nicht empfangen darf.

Es geht um das Unsichtbare, das sich hinter den Riten der Heiligen Messe verbirgt

Unsichtbar: So ist auch die Welt, die wir jetzt bei unseren Gesprächen am Küchentisch oder vor dem Schlafengehen mit den Kindern erkunden. Unsichtbar ist das, was hinter den Worten, Zeichen und Riten der Heiligen Messe passiert. Und auch die Seele, unser unverwechselbares Innerstes, dem sich Gott selbst dabei als Kraftnahrung und Liebes-Nachschub gibt, sieht man nicht. Da man bekanntlich vieles erst dann wahrnimmt und schätzt, wenn man darüber weiß, kramte meine Frau ihren alten Kinderkatechismus aus Mexiko hervor und ich den noch relativ jungen „YouCat for Kids“, woraus wir jetzt einzelne Kapitel durcharbeiten. So überholt das Frage-Antwort-Schema auch anmutet: Es bringt die Schätze unseres Glaubens auf den Punkt.

Was bei unserer häuslichen Notvariante zu kurz kommt, spürten wir, als kürzlich nach überstandenem Lockdown die Erstkommunionrunden doch noch in Präsenzform starten durften: Übereifrig schließt Isabel seither in der Kleingruppe Freundschaften und entwischt vor Beginn der Sonntagsmesse flink zu diesen in die erste Bankreihe. Die Kinder zeigen uns Großen vor, wie „Kirche“ geht, denn Kommunion ist eben auch ganz wesentlich Gemeinschaft. Die frische Verliebtheit der Kinder im Vorfeld ihres ersten „Dates“ mit Jesus färbt auf die ganze Familie ab, lässt den Glauben wachsen und schenkt neue Freude daran. Noch nie sind wir alle so gerne, so bewusst und so häufig zur Kommunion gegangen wie jetzt. Es ist halt schon eine ganz besondere Zeit.

Praxistipps und Geschenkideen

Anregungen für die Erstkommunionvorbereitung und Ideen zur Gestaltung des Festtages bietet die Seite erstkommunion.de. Eltern, Verwandte und weitere Interessierte finden dort auch Antworten auf die meistgestellten Fragen zur Erstkommunion und eine Auswahl an passenden Geschenken.


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