Hausarbeit

Pflicht, Spaß – und meine Tochter

Die Küche putzen, Wäsche aufhängen, den Rasen gießen – alles Dinge, die nun mal erledigt werden müssen. Ob sie ihm Freude machen, war für unseren Autor nicht relevant. Seine Tochter brachte ihn dazu, seine Einstellung zu überdenken. Mit Folgen ...

veröffentlicht am 07.05.2026

„Papa, macht dir Spaß, was du gerade tust?“: Diese Frage meiner Tochter hörte ich zuletzt, als ich im Garten arbeitete. Der Nachbar hatte mir einige übriggebliebene Teile Rollrasen hinterlassen, mit denen ich kahle Stellen unserer Wiese ausbesserte. Dabei beobachtete sie mich mehrere Minuten lang. Sie brachte mich zum Nachdenken, während ich mit einem Spaten die oberste Erdschicht abtrug und das neue Grün darauf platzierte. „Es muss halt auch gemacht werden, wir wollen ja einen schönen Garten haben. Aber wenn du schon fragst, ja, ich versuche, daran Spaß zu finden“, so meine Antwort.

In jüngster Zeit stellt sie mir und auch meiner Frau diese Frage immer wieder, wenn wir in Alltagstätigkeiten vertieft sind, etwa beim Küchenputz, Tortendekorieren, Liederschreiben, Autofahren, Wäscheaufhängen oder im Homeoffice. Manchmal löst dies Ärger aus, da unsere Elternohren lieber ein „Kann ich dir helfen?“ hören würden. Wenn wir die Kinder bitten, Handgriffe zu erledigen, kommt ein aufschiebendes „gleich“. Dessen Erfüllung scheint aber so fragwürdig, dass uns meistens die Geduld zum Warten fehlt. Allerspätestens nach dem dritten Mal erledigen wir es selbst – und es gibt dicke Luft.

Mithilfe im Haushalt ist eigentlich Pflicht

Sind wir im Nörgel-Modus, so kommt uns bereits die Frage verdächtig vor. Muss denn alles Spaß bereiten, unterhalten oder einen Vorteil bringen? Mithilfe im Haushalt wäre eigentlich Pflicht: Ab Grundschulalter gelten leichte Dienste als angemessen, Teenies darf eine Stunde täglich zugemutet werden, solange es dem Schulerfolg und Kindeswohl nicht im Weg steht. Das Bürgerliche Gesetzbuch verpflichtet Kinder bis zu ihrem Auszug nach Volljährigkeit grundsätzlich zur Mithilfe im Haushalt, soweit es ihnen zumutbar ist. Wir Eltern sollten unseren Nachwuchs „an die Übernahme eigener Verantwortlichkeiten und Pflichten sowie an ihre Möglichkeiten und Grenzen heranführen“.

Um die Frage mit dem Spaß besser zu verstehen, übersetze ich lieber mit „Freude“ und frage mich selbst: Geht das eigentlich, Freude auf Knopfdruck? Nun, sie ist wohl eher Ergebnis statt Ausgangspunkt. Sie kann wachsen, wenn die Arbeit mit Sorgfalt, Genauigkeit, Aufmerksamkeit, Umsicht, Verlässlichkeit und Ausdauer getan wird; mit Hingebung und Ehrlichkeit, selbst wenn keiner hinsieht und niemand Beifall, Dank und Anerkennung spendet, aus Liebe zu Gott und den Menschen. Andere sollen sich freuen, Ärger soll ihnen erspart bleiben. So hilft etwa mein kleiner morgendlicher Weck- und Frühstücksdienst – Teil meiner Fürsorgepflicht – den Kindern beim guten Start in den Tag und schützt sie vor dem Zuspätkommen in der Schule.

Auf das „Wie“ kommt es an

Auf das „Wie“ beim Erledigen der Tätigkeiten kommt es also an, und wir Eltern dürfen darin Vorbild sein. Zuversichtlich stimmt mich, dass meine Tochter dafür Feingespür entwickelt und treffsicher erkennt, wann wir in unseren Aufgaben aufgehen und darin Zufriedenheit, ja Sinn erleben. Ihr Nachfragen lässt mich hoffen, dass auch sie diese Erfahrung machen will. Wir Eltern müssen noch mehr Ausdauer zulegen und unseren Kindern mehr zutrauen, statt ihnen Aufgaben wegzunehmen, um sie selbständig werden und wachsen zu lassen – wie der Rasen in unserem Garten, der jetzt täglich gegossen werden will, damit er Wurzeln schlägt. „Willst du mir dabei helfen?“, frage ich meine Tochter. Ich werde dranbleiben – am Gießen, Einladen und am Bewahren der Freude daran.


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