Auszeit für Körper und Seele

Familienurlaub auf dem Land

Einmal im Jahr verbringt unser Autor mit seiner Großfamilie eine Urlaubswoche am Bauernhof. Dann heißt es gemeinsam spielen, kochen, entspannen, die Natur erleben. Für Erwachsene und und Kinder ist das jedesmal eine faszinierende Erfahrung.

veröffentlicht am 05.07.2024

Jeden Sommer lädt meine Mutter alle ihre Kinder, Schwieger- und Enkelkinder – in Summe sind wir 14 Personen – zum gemeinsamen Urlaub. Anfangs mieteten wir eine Almhütte im Hochgebirge, doch da die exzessive großmütterliche Wanderlust nicht von allen geteilt wird, ging es im nächsten Jahr auf einen Bauernhof, was sich bewährte. Wir dürfen dort eine Ferienwoche lang Großfamilie sein, entspannen, spielen, kochen, Erinnerungen schaffen und zueinander finden, wobei uns Großstadtbewohnern das Eintauchen ins Landleben enorm hilft. Von so einem Gehöft im Salzburger Lungau aus darf ich heute nun auch diese Zeilen schreiben.

Für die Kinder ist schon das Ankommen ein Freudenmoment. Sie stürzen sich auf die Babykatzen, und selbst unser 16-Jähriger krault andächtig die sich räkelnd schnurrenden flauschigen Vierbeiner und lässt gleich alle Snapchat-Kontakte an seiner eigenen wundersamen Veränderung teilhaben. Später werden dann die Kühe, Schafe, Hühner, das Pony und der Esel entdeckt, sowie die Gokarts, das Trampolin und erst recht der Heuboden, in dem es sich mit den Cousinen und Cousins sowie den Bauerskindern so vorzüglich Verstecken spielen, herabspringen und Burgen bauen lässt. Der Spielplatz daneben bleibt unbeachtet.

Ein Fest für alle Sinne

Auch für uns Erwachsene ist der jahrhundertealte, in malerischer Landschaft errichtete Hof mehr als bloß Kulisse. Die Abgelegenheit mit ihrer nur von Vogelgezwitscher und Brunnenplätschern durchbrochenen Stille, die bunte Petunienpracht am Balkon und das viele Grün ringsum, die liebevolle Ordnung und gepflegte Schönheit der Gebäude, die antiken Holzmöbel ebenso wie der Stallgeruch oder die hauseigenen Produkte wie Milch, Apfelsaft, Kartoffel oder Dinkel sind ein Fest für alle Sinne. Sie lassen entspannen, den Alltag vergessen und fördern das gute Miteinander.

Ein Übriges tut die Freundlichkeit unserer Gastgeberfamilie. Ich folge Bauer Leonhards Einladung, leiste ihm in aller Herrgottsfrühe beim Kuhmelken Gesellschaft und staune über seine Schilderungen: Etwa, wie er als Bio-Landwirt darauf verzichtet, das Maximum aus seinen Böden, Tieren und Wäldern herauszuholen, wie er Nachhaltigkeit vor Profit gehen lässt und ganzheitlich in Kreisläufen denkt. „Mein Ziel ist, dass es der Natur und auch den nächsten Generationen gut geht“, sagt er. Als wir Urlauber später mit frisch gemolkener Milch am Frühstückstisch sitzen, sieht man ihn schon am Traktor vorbeifahren, assistiert von seinem dreijährigen Sohn am Beifahrersitz.

Leben und arbeiten im Rhythmus der Natur

Das Bauersleben ist kein Honiglecken. Leonhard erledigt mit großen landwirtschaftlichen Maschinen alleine die frühere Arbeit eines vielköpfigen Hofgesindes, muss sich ständig mit Förderrichtlinien, Produktionsvorgaben sowie steigenden Kosten herumschlagen, ruht nicht von früh bis spät und darf wegen der Tiere höchstens einen Tag lang Auszeit machen, wie er sagt. Dennoch gibt es auf seinem Hof so viele Erholungssuchende, dass man lange vorher buchen muss – bei seiner Frau Christina, die die vier gemeinsamen Kinder und die Ferienwohnungen im Haus managt.

Bei unserer Großfamilie verfehlt der Urlaub am Bauernhof nicht seine faszinierende Wirkung. Das Gesamtpaket aus tiergestützter Therapie, dem mit der Natur abgestimmten Tages- und Jahresrhythmus, dem Bewusstwerden der Zusammenhänge von Ernährung und Erzeugung sowie auch dem einfachen Leben sowie der gute Schlaf – das alles tut Körper und Seele wohl, lässt einen neu ausrichten und über das Wesentliche und die Welt nachdenken. Auch die Erfahrung der Bauersleute, dass nicht alles vom Menschen abhängt, aus der sich bis heute gelebtes Brauchtum und Glaubenstraditionen entwickelt haben, schwingt hier mit.

Heu in der Schmutzwäsche

Übermorgen werden wir wieder die Heimreise antreten. Vieles wird in den Fotobuch-Seiten dieser Woche nicht aufscheinen: Etwa unsere Freude, als wir die sich noch bei der Herfahrt zankenden Mädels in trauter Eintracht eingehakt nebeneinander gehen sahen. Oder auch darüber, dass unser Ältester erstmals seit Gedenken mit einer täglichen Handystunde ausgekommen ist. Das viele Heu und die Katzenhaare in der Schmutzwäsche, die unbekümmerten Spaziergänge von uns Eltern und der große Freiraum, den unsere Kinder am Hof genossen haben. Sogar die Oma ist zum Wandern gekommen. Wir werden wohl gleich für nächstes Jahr reservieren.


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