Corona-Zeit

Frau Corona soll weggehen

Die sechsjährige Tochter unserer Autorin kennt das kleine 1 x 1 der Corona-Regeln. Die Mutter versucht, ihr eine angstfreie Umgebung zu schaffen und möglichst gelassen mit der Situation umzugehen. Am Ende aber wünschen sie sich beide nur Eines.

veröffentlicht am 30.11.2020

Meine Tochter ist sechs Jahre alt – ein Alter, in dem die Kleinen schon viel verstehen, obwohl sie gerade mal seit drei Monaten in die Schule gehen. Und ist sie nicht gefühlt erst vorgestern noch durch den Flur gekrabbelt? Egal. Mit sechs Jahren hat Christina begriffen, dass Corona uns vielseitig beschäftigt, besser gesagt uns vielfach ausbremst. Kein Schulsport, keine Kindertanzen, kein Schwimmbad, keine Geburtstagsparty. Dafür Frieren beim Stoßlüften im Klassenzimmer und ständig dieses Masketragen, was sie zu meiner Bewunderung so stoisch selbstverständlich macht wie Schuhe anziehen.

In diesem Wirrwarr versuche ich, das Familienleben so zu gestalten, als ob „Frau Corona“, wie meine Tochter sagt, nicht das Heft des Handelns in der Hand hält. Ich möchte eine angstfreie Umgebung schaffen, in der nicht der Verzicht im Fokus steht, sondern das Leben möglichst unbeschwert für sie weiterfließen kann. Das ist mir wichtig, zumal dieser „Ausnahmezustand“ nun schon seit März anhält. Und wie es aussieht, werden wir so schnell nicht wieder auf den gewünschten Normalbetrieb umschalten können. Wir müssen also mit den Gegebenheiten leben und Leben heißt hier, eine wichtige Phase der Kindheit gestalten. Aktiv und mit Zuversicht der Situation entgegentreten und dabei ein Vorbild sein. Das sind wir unseren Kindern schuldig, wenn wir ihnen auf der anderen Seite so viel nehmen.

So viel reden wie nötig, so wenig wie möglich

Was bedeutet das im Detail? Zum einen rede ich nicht mehr als nötig über „Frau Corona“. Ich möchte dem Virus mit seinen Einschränkungen nicht mehr Raum geben als unbedingt notwendig. Natürlich kennt sie das kleine 1x1 der Corona-Lehre. Warum wir Masken tragen, warum wir Hände desinfizieren und warum es besser ist, sich nicht mit so vielen Menschen zu treffen. Aber mehr muss auch nicht sein. Stattdessen nehme ich die Regeln so hin und versuche in diesen Rahmen neue oder andere Angebote zu machen.

Als Halloween ausfiel haben wir im kleinsten Kreis im Kostüm eine Nachtwanderung mit Dorfrallye gemacht. Alles Corona-gerecht, versteht sich. Zum Finale gab es blutroten Glühwein für die Eltern und für die Kinder Stockbrot überm Fege-Feuer. Als der Sankt Martin Umzug abgesagt wurde, haben wir trotzdem eine Laterne zusammengeklebt und sind zum Mini-Umzug losgezogen. Auch zum Weihnachtsfest werden wir umplanen müssen. Statt des Krippenspiels geht es zur Wallfahrtsbasilika in die Stadt, wo wir eine Kerze anstecken und uns die große Krippe anschauen werden.

Der Weihnachtswunsch ist eindeutig

Soweit, so gut. Oder doch nicht? Christina wurde gefragt, was sie sich zu Weihnachten wünscht. Ihre Antwort war eindeutig: Dass Frau Corona weggeht. Damit wurde mir klar, dass trotz aller Klimmzüge auch sie sehr deutlich wahrnimmt, in welch einer Ausnahmezeit wir uns befinden. „Mama, ich vermisse meine Tanzlehrerin“, sagte sie beim Sonntagsfrühstück und drehte dabei eine Pirouette mit der Marmelade in der Hand.

Zum Glück hat uns Corona bislang gesundheitlich nicht getroffen. Wir haben also alle Möglichkeiten, der Situation kreativ zu begegnen und auch aus dieser besonderen Zeit das Beste rauszuholen. Das ist gut und ich bitte Gott darum, dass es so bleibt. Das wäre mein Weihnachtswunsch.


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