Seelsorge online

Digitale Angebote in Krisenzeiten

In Notfällen und Krisen steht die Kirche den Betroffenen zur Seite – auch mit digitalen Angeboten. Einige Beispiele.

veröffentlicht am 28.12.2020

Ob beim Tod eines Angehörigen, einem Suizid an der Schule oder einem schweren Verkehrsunfall – die Kirche unterstützt Menschen in Notfallsituationen. Speziell ausgebildete Seelsorger geben den Betroffenen Halt und begleiten sie durch die ersten Stunden und Tage. In enger Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sorgen sie dafür, dass die Menschen in der schweren Zeit des Verlusts und der Trauer nicht alleine sind. An Schulen kümmern sie sich in Notsituationen um das Krisenmanagement und leisten Präventionsarbeit. Bei Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen sind speziell geschulte Helfer im Einsatz. Und auch online gibt es Hilfe für Menschen in Not- und Krisensituationen. Einige Beispiele. 

Online-Suizidpräventionsberatung

Mit der Onlineberatung [U25] möchte die Caritas jungen Menschen mit Suizidgedanken und in seelischen Notlagen niederschwellige Hilfsangebote machen. Auf www.u25-deutschland.de können Jugendliche sich an Gleichaltrige wenden und sie per Mail um Rat bitten. Seit etwa zwei Jahren gibt es dazu einen YouTube-Kanal. Seit Kurzem können sich Jugendliche auch über soziale Medien wie Instagram, Facebook und das Videoportal TikTok über das Thema Suizidalität und über Hilfsangebote informieren. Die dort durchgeführte Aktion #dubistmirwichtig mit verschiedenen Instagram-Postings- und Stories hat laut Caritas mit tatkräftiger Unterstützung von engagierten Influencern bereits knapp eine Million Follower und über 400.000 Impressionen erreicht. Bei TikTok hat #dubistmirwichtig mit verschiedenen Video-Postings rund 8,7 Millionen Follower erreicht.

Telefonseelsorge

Die TelefonSeelsorge® ist eines der ältesten Gesprächs- und Hilfsangebote, bei denen Menschen in Notsituationen und mit Suizidgedanken Unterstützung angeboten wird. Sie ist vor etwa 60 Jahren entstanden, als ihr Initiator gilt ein anglikanischer Pfarrer, Chad Varah, der so entsetzt über die hohe Suizidrate in London war, dass er 1953 in der Zeitung „Times“ seine Telefonnummer angab und die Menschen aufforderte: „Ehe Sie einen Suizidversuch unternehmen, rufen Sie mich an!“

In Deutschland sind die beiden christlichen Kirchen Träger der TelefonSeelsorge®, die Deutsche Telekom trägt seit 1997 sämtliche Gebühren für die geführten Telefongespräche. Seit einigen Jahren bietet die TelefonSeelsorge® auch Hilfe per Chat oder E-Mail an, und dieses Angebot wird insbesondere von jüngeren Menschen genutzt.

Die Nummern der Telefonseelsorgestellen: 0800-1110222 (katholisch) und 0800-1110111 (evangelisch)
Chat und Mailberatung: https://online.telefonseelsorge.de

In Österreich: Notrufnummer 142 ohne Vorwahl
Chat und Mailberatung: https://www.telefonseelsorge.at

Online-Sprechstunde

Der österreichische Salesianerpater und Seelsorger Johannes Haas steht jeden zweiten Donnerstag auf Instagram für Fragen und Austausch mit jungen Menschen zur Verfügung. Dahinter steht der Gedanke, dass Jugendliche gerade in Krisenzeiten viele Fragen und Sorgen haben, die sie ihm schreiben können. Ganz bewusst ist die Entscheidung für den Weg über Instagram gefallen, da die meisten Jugendlichen dort bereits unterwegs sind und es vielen leichter fällt, ihre Sorgen und Probleme aufzuschreiben, anstatt jemanden anzurufen. Auch das Wissen, dass im Notfall jemand da ist, kann schon hilfreich sein. Und alles, was geschrieben wird, liest nur Pater Haas.


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